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Mister Dynamit - Morgen küsst euch der Tod

Österreich | Deutschland | Italien | Spanien, 1967

  • Originaltitel: Mister Dynamit - Morgen küsst euch der Tod
  • Alternativtitel:

    Mister Dinamita, mañana os besará la muerte (ESP)

    Die Slowly, You'll Enjoy It More (GBR)

    Muori lentamente... te la godi di più (ITA)

    Spy Today, Die Tomorrow

  • Deutsche Erstaufführung: 18. August 1967
  • Regisseur: Franz Josef Gottlieb
  • Kamera: Juan Gelpí, Siegfried Hold
  • Musik: Gianni Marchetti, Armando Trovajoli
  • Drehbuch: Franz Josef Gottlieb
  • Inhalt:

    Es scheint unmöglich, doch General Burch (José Suárez) hat sich selbst im Depot davon überzeugt. Die USA haben eine Atombombe verbummelt, was die CIA selbstredend in Besorgnis versetzt. Doch Hilfe naht in Gestalt von „Mr. Dynamit“ Bob Urban (Lex Barker), Spitzenagent des BND, welcher sich die Gelegenheit dem großen Bruder CIA unter die Arme zu greifen nicht entgehen lassen will. Der Hauptverdächtige für den Diebstahl ist schnell ausgemacht und scheint sich seltsamerweise auch keineswegs zu verstecken: der ebenso wohlhabende wie exzentrische Geschäftsmann Bardo Baretti (Amedeo Nazzari). Und es gibt eine vielsagende Verbindung, nämlich die schöne Pentagon-Mitarbeiterin Lu Forrester (Maria Perschy), die sowohl mit General Burch als auch mit Baretti eine Affäre hat. Dem geballten Charme des BND-Agenten Urban erliegt sie schnell, doch wer verführt hier eigentlich wen?

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Im Moment habe ich kein so glückliches Händchen bei meiner Filmauswahl für Reviews wie es scheint. Ein Film mit einer Spitzenbesetzung, vier co-produzierende Länder, was könnte da schieflaufen, hatte ich mir gedacht. Regisseur Franz Josef Gottlieb hätte mir eine Warnung sein sollen.

     

    Interessante Geschichte. Ein Produzent will eine neue Filmserie schaffen, eine Eurospy-Serie mit Lex Barker in der Titelrolle, um den BND-Agenten Mr. Dynamit, nach den Romanen von C. H. Guenter. Klasse Idee. Doch dann interessiert sich tatsächlich der BND für das Projekt, macht hier ein mögliches Vehikel aus, das Image aufzupolieren. Und der Produzent flippt aus. Er stellt eine Finanzierung auf die Beine, die hauptsächlich darauf baut, dass der BND (vielleicht sogar die CIA!) ihn später (!) finanziell unterstützen würde, etwas, das man ihm nie zugesagt hat. Und so geht der Schuss in die Hose, Produzent pleite, nur wenige Kopien kommen in die Kinos. Nicht, dass mehr Kopien dem Film größeren Erfolg beschert hätten. Lex Barker hat man jedenfalls gründlich verprellt, denn er musste nachträglich seine Gage erst einklagen.

     

    Wer ist also dieser Mr. Dynamit? In den Romanen von C. H. Guenter ist er Agent Nr. 18 des BND Karl Urban, Ende Zwanzig/Anfang Dreißig, der aufgrund einer Muskelverkürzung an einem Dauergrinsen leidet. Im Film ist er obendrein Bauchredner, was ihn aus mancher misslicher Lage rettet. Er ist gebürtiger Franke mit einem IQ von 120, bewohnt aber ein Penthouse in Schwabing. Er fährt teure Autos, zunächst Porsche, später einen Mercedes und diverse BMW. Er spricht drei Sprachen, ist olympiareifer Fünfkämpfer und studierte in Berlin und München Hochfrequenztechnik und Maschinenbau, promovierte mit einer Arbeit über Halbleiterelektronik. Urban ist Steuermann und Flieger, raucht spezialangefertigte Zigaretten und hat einen eigenen Drink, den „Dynamit“ kreiert. Seine Aufträge erhält Urban von Oberst Sebastian (im Film Wolfgang Preiss), seine speziellen Technik-Gadgets fertigt ihm Professor Strohmann (im Film Prof. Strahlmann, gespielt von Eddie Arendt) an. Leider erfahren wir in Gottliebs Verfilmung so gut wie nichts über die Hintergründe zum Charakter Karl Urban, man schmeißt ihn uns einfach so vor, was selbstredend nicht hilfreich ist, wenn man eine Filmserie mit einem Helden, mit dem der Zuschauer soll, im Auge hatte.

     

    Was stimmt sonst noch nicht mit dem Film? Er hat keinen rechten Fluss, bleibt nie bei einem interessanten Setting, wechselt von Szene zu Szene mal hierhin, mal dorthin. Erst in der zweiten Hälfte gelingt es, den Zuschauer bei der Stange zu halten. Die Dialoge sind, als hätte man sie tatsächlich 1:1 aus einem Romanheftchen übernommen – was nicht der Fall ist. Sie sind einfach nur schlecht. Man setzt eine Unzahl von bekannten Gesichtern ein, doch kaum eines davon erhält genug Screentime, um dem Zuschauer ans Herz zu wachsen. Lex Barker bleibt farblos, den besten Eindruck macht noch der Bösewicht Bardo Baretti. Dieser wird gespielt von dem zum Zeitpunkt des Drehs bereits Sechzigjährigen Amedeo Nazzari, ein bekanntes Gesicht des italienischen Melodrams. Warum sich seine Figur Baretti immer wieder selbst in einen Teppich einrollt, bleibt dagegen ein Mysterium. Sympathisch kommt auch Brad Harris als CIA-Agent daher, der ein schreckliches Ende erleidet.

     

    Ich könnte jetzt noch eine Auflistung all der bekannten Darsteller machen, die hier mitunter in eher flüchtigen Cameos auftauchen, aber das widerstrebt mir, denn nennen wir es beim Namen, man hat die Leutchen hier nur verheizt. Die positiven Aspekte von „Mr. Dynamit – Morgen küsst Euch der Tod“ sind wirklich die, dass der Film in der zweiten Hälfte doch noch unterhaltsamer wird, ein schöner Soundtrack von Gianni Marchetti mit Armando Trovajoli, und eine originelle Auflösung, die man als Zuschauer allerdings auch erahnen kann, wenn man es mit Logik versucht. Die italienische und die deutsche Kinofassung weisen Szenen-Unterschiede sowohl bei Handlungs- als auch bei Gewaltszenen auf, wirklich komplett ist also keine von beiden.

     

    Interessant sind noch die Synchronsprecher, hier tummelt sich wirklich alles, was Rang und Namen hat. Lex Barker wird von Gert Günther Hoffmann gesprochen, Amedeo Nazzari von Claus Biederstedt. Brad Harris hat die Stimme von Rainer Brandt, und (leider) auch Eddie Arendt wurde gedubbt, von Gerd Martienzen. Eine komplette Liste findet sich im Link zur Synchronkartei. Lediglich Ralf Wolter, Dieter Eppler und Maria Perschy scheinen die Zeit gefunden zu haben, ihre eigenen Rollen zu sprechen.

     

    Fazit: ein Eurospy-Kuriosum, das in Sachen Spannung weder mit britischen noch mit italienischen Produktionen seiner Zeit mithalten kann. Eigentlich schade. Und mit dem Thema eines BND-Helden hatte ich so meine persönlichen Probleme, über die ich selbst nach 106 Minuten Laufzeit nicht vorbeischauen konnte. Die CIA arbeitet (1967) zum ersten Mal mit dem BND zusammen? Von wegen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    „Mr. Dynamit – Morgen küsst Euch der Tod“ gibt es von Pidax in der deutschen Kinofassung. Neben einem kleinen Booklet mit Hintergrundinformationen finden sich auf der Disc als Bonusmaterial ein kurzes Interview mit Brad Harris (knapp über drei Minuten) und ein Interview mit Bodo Hechelhammer zum Involvement des BND in die Produktion (knapp 13 Minuten).

  • Autor: Gerald Kuklinski
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