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Der Mann mit der goldenen Klinge

Frankreich | Italien, 1966

  • Originaltitel: L'uomo che ride
  • Alternativtitel:

    L'homme qui rit (FRA)

    The Man Who Laughs

  • Deutsche Erstaufführung: 11. Oktober 1966
  • Regisseur: Sergio Corbucci
  • Kamera: Enzo Barboni
  • Musik: Carlo Savina
  • Drehbuch: A. Bertolotto, Sergio Corbucci, A. Issaverdens, Luca Ronconi, Franco Rossetti, Filippo Sanjust
  • Inhalt:

    Der durch ein ewiges Grinsen entstellte Angelo Bello (Jean Sorel) zieht mit einer Wanderartistengruppe durchs Land, zu der auch die blinde Dea (Ilaria Occhini) gehört, in die er verliebt ist. Währenddessen tobt im Lande ein Kleinkrieg zwischen Cesare Borgia (Edmund Purdom) und dem Grafen Astorre Manfredi (auch Jean Sorel). Als diesem auf der Flucht vor den Borgias die Festnahme droht, hilft ihm Angelo und Astorre reist mit den Artisten in die nächste Stadt. Als dort Kämpfe ausbrechen und Angelo dabei Lucrezia Borgia (Lisa Gastoni) rettet und wegen einer anschließenden Liebesnacht mit ihr verhindert ist, werden die Artisten von Aufständischen getötet. Nur Dea wird von Astorre gerettet. Doch Angelo sieht das anders. Er glaubt an eine Entführung und schließt sich nun den Borgias an. Als deren unerbittlicher Henker will er Astorre zur Strecke bringen. Als er seinen Irrtum erkennt, wird er zum Gejagten.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Räumen wir zuerst ein paar Missverständnisse aus. Der deutsche Titel „Der Mann mit der goldenen Klinge“ ist so unzutreffend, dass es schmerzt. Ferner ist „L'uomo che ride“ trotz seines englischen Titels „The Man who laughs“ kein wirkliches Remake des gleichnamigen Stummfilmklassikers mit Conrad Veidt. Ebensowenig ist es eine Romanverfilmung nach Victor Hugo, denn abgesehen von dem Motiv eines durch Entstellung „lächelnden“ Mannes und dessen Liebe zu einer Blinden ist nichts von der Romanvorlage übrig. Selbst die Namen sind geändert, auch die Gründe für Angelos Entstellung. Vielmehr präsentiert Sergio Corbucci hier einen seltsamen Mix aus Motiven von Hugo und Dumas und einer – selbstredend frei erfundenen – Episode aus dem Leben und Wirken der Borgias. Nichts davon bedeutet allerdings, dass der Film uninteressant oder gar schlecht wäre, das Gegenteil ist der Fall.

     

    Jean Sorel darf hier eine Doppelrolle spielen, und irgendwie ist es gut, dass er nur für eine von Beiden seine Mimik einsetzen muss. Denn nennen wir es beim Namen, sehr wandlungsfähig ist er nicht. Die Figur des Astorre Manfredi liegt natürlich ganz auf seiner Linie. Gutaussehend erobert er das Herz der blinden Dea durch seinen bloßen Charme, denn sehen kann sie ihn zunächst ja nicht. Die interessantere Figur ist zweifelsohne der entstellte Angelo, und das Make-up des verzerrten, entstellten Gesichts (warum hat er orange Haare?) bewahren Sorel davor, seine eigene Mimik für die gequälte Figur einsetzen zu müssen.

     

    Angelo gehören auch die Höhepunkte des Films. Er kämpft, er klettert, er leidet, er liebt. Als Lucrezia Borgia ihn zu sich bittet, glaubt er, er wäre als Opfer für Hohn und Spott auserkoren. Doch Lucrezia – hinreißend kühl und zugleich begehrenswert gespielt von Lisa Gastoni – sucht das Besondere, ist auf eine Liebesnacht mit dem Entstellten aus. Vorher gibt es allerdings noch eine kleine Revolution, und Angelo rettet ihr durch einen kühnen Kletterakt das Leben. In einem Stall lässt die Borgia dann die Hüllen fallen und notdürftig bedeckt mit Stroh küsst sie den Mann, dessen Aufrichtigkeit unter dem monströsen Gesicht ihre Begierde geweckt hat. Freilich ist es genau diese Ablenkung, die die Artisten um Angelo das Leben kostet, und weil er seine geliebte Dea durch den Grafen Astorre entführt glaubt, schließt er sich den Borgias an.

     

    Ich will nicht die ganze Handlung des Films wiedergeben, also überspringen wir den Mittelteil und kommen zum Thema plastische Chirurgie im Mittelalter. Doll, was uns Corbucci hier als nächstes auftischt. Cesare Borgia hat einen teuflischen Plan. Er täuscht vor, mit Astorre Frieden schließen zu wollen, am Tag der Hochzeit zwischen dem und der inzwischen nicht mehr blinden (nicht fragen, einfach schlucken) Dea. Hierfür offeriert er Angelo eine unglaubliche Chance: eine Gesichtsoperation heilt Angelo nicht nur von seiner Entstellung sondern macht ihn gar zum kompletten Ebenbild des Grafen Astorre. Wow. Wer hätte das im 15. Jahrhundert für möglich gehalten. Der Plan sieht natürlich vor, Angelo während der Hochzeitsfeierlichkeiten gegen Astorre auszutauschen, was ihm die Möglichkeit bietet, doch noch mit seiner Dea zusammen zu kommen. Alexandre Dumas lässt grüßen.

     

    Dummerweise hat Angelo ein Gewissen. Und ebenso dummerweise konnte ich diesen Film nur in einer englischsprachigen Vollbild-Fassung finden. Aufmerksame Zuschauer können dennoch einen noch sehr jungen Pierre Clémenti unter den Akteuren entdecken. Ein interessanter Film, wenn man nicht das Falsche erwartet.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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