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Das Mädchen von St. Tropez

Frankreich | Italien, 1975

Originaltitel:

Une vierge pour Saint-Tropez

Alternativtitel:

Scandale à Saint-Tropez (FRA)

La ragazzina perversa (ITA)

A Virgin for St. Tropez (USA)

Kamera:

Raymond Heil

Inhalt

Die in behüteten spanischen Verhältnissen aufgewachsene María (Marianne Rémont) verliebt sich in den Hippie André (Jean-Pierre Delamour). Sie lässt sich von ihm überreden, mit ihm nach St. Tropez zu trampen, wo er sie in einem anständigen Umfeld (Haus von Freunden) deflorieren will. Gesagt, getan, bricht er am nächsten Tag mit ihr nochmals in besagtes Haus ein, um ein paar Antiquitäten zu stehlen. Als die Beiden von zwei Hausangestellten überrascht werden, macht André sich aus dem Staub und lässt sie in den Händen der beiden Vergewaltiger zurück. Doch dann kommt der Hausherr Mr. Witson (Paul Muller) zu ihrer Rettung und öffnet ihr in Bezug auf André in vielerlei Hinsicht die Augen.

Review

„Das Mädchen von St. Tropez“ oder wie der Originaltitel übersetzt viel passender vermittelt, „Eine Jungfrau für St. Tropez“ ist eine französisch-italienische Co-Produktion. Als Geldgeber fungierten Marius Lesoeur für Eurociné und Remo Angioli für C.R.C. Productions. Laut Darsteller Paul Muller drehte Jess Franco Teile des Films, dazu später ein paar Mutmaßungen.

 

Der Film beginnt in St. Tropez mit den in der Inhaltsangabe geschilderten Ereignissen. Zunächst sei erwähnt, dass die Hauptdarstellerin Marianne Rémont für diese in ein Exploitation-Gewand verpackte Coming-of-Age-Geschichte perfekt ist. Sie ist jung, sehr zierlich, spielt kindlich-naive und erotische Szenen gleichermaßen überzeugend. Leider hat sie nur eine sehr kurze Filmkarriere aufzuweisen, die neben diesem Film und Pierre Chevaliers „Convoy der Frauen“ (Convoi de femmes, 1974) lediglich zwei Hardcore-Einträge aufweist, und so endet ihr Ausflug in Kinos zweierlei Art mit Mario Bianchis „Das Sex-Taxi“ (Chiamate 6969: taxi per signora, 1981). Das nenne ich Perlen vor die Säue geworfen.

 

Nachdem der Hausherr Mr. Witson die kleine María vor der Anal-Vergewaltigung durch seinen eigentlich homosexuellen Hausdiener rettet (der Chauffeur, gespielt von Claude Boisson aka Yul Sanders ist mit ihr schon durch), nimmt der Film eine seltsame moralische Wendung. In einer (viel zu langen) Rückblende erzählt María dem netten Mr. Witson, wie sie André kennen gelernt hat, von ihrem Zuhause und von ihrem gemeinsamen Weg nach St. Tropez. Er berichtet ihr seinerseits von seiner Tochter, die sich ebenfalls in irgendeinen Hippie verliebte, von zuhause durchbrannte und die er seitdem nie wieder gesehen hat. Während María noch immer nicht begriffen hat, was für ein egoistisches Schwein ihr André ist, will Witson ihr die Augen öffnen.

 

María übernachtet in Witsons Haus, und am nächsten Abend sieht sie wie versprochen André wieder. Mr. Witson hat zu einer Orgie geladen, wo sich die Schönen und Reichen durch einen Einwegspiegel an Andrés Liebesspiel mit dem Hippiemädchen Moira (Gilda Arancio) ergötzen. María wird klar, dass auch sie selbst zwei Nächte zuvor eigens von André vor diesen Spiegel gelockt wurde, damit dieselben Zuschauer ihrer Defloration beiwohnen können. Währenddessen hat Witson Marías Vater kommen lassen, damit das Mädchen wieder nach Hause kann, um ihr normales Leben fortführen zu können – doch zunächst kommt es zum Showdown zwischen María und André.

 

Diese moralische Wendung klingt so gar nicht nach Jess Franco, doch für seine Beteiligung gibt es Indizien. Die Szenen mit Paul Muller wurden in einem Interieur gedreht, das man auch in den unmittelbar hintereinander entstandenen „Entfesselte Begierde“ (La comtesse noire, 1973) und „The Hot Nights of Linda“ (Les nuits brûlantes de Linda, 1975) veröffentlicht sehen kann. Nur mal auf das Wandmosaik achten. Interessant ist das deshalb, weil man die von (lt. Paul Muller) von Franco gedrehten Szenen ins Jahr 1973 kategorisieren kann. Auch die Anwesenheit der Darsteller Gilda Arancio und James Harris aka Giuseppe Mattei weisen darauf hin. Nun ist es müßig, darüber zu spekulieren, was zuerst existierte: Francos Szenen oder der restliche Film von Georges Friedland – bei Eurociné-Produktionen weiß man das nie so genau.

 

Ich fand „Das Mädchen von St. Tropez“ sehr unterhaltsam, wenn auch etwas zu lang im Mittelteil. Apropos Länge. Spekulationen darüber, ob die deutsche VHS-Veröffentlichung mit ihren 82 Minuten uncut war oder nicht, sind mit der DVD von Full Moon nun beendet: die dortige englischsprachige Fassung hat eine Lauflänge von 102 Minuten.

Links

OFDb
IMDb

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