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Die linke Hand des Gesetzes

Italien, 1975

  • Originaltitel: La polizia interviene: ordine di uccidere!
  • Alternativtitel:

    La mano izquierda de la ley (ESP)

    Tireur d'élite (FRA)

    The Left Hand of the Law

  • Deutsche Erstaufführung: 04. Juni 1976
  • Regisseur: Giuseppe Rosati
  • Kamera: Riccardo Pallottini
  • Musik: Paolo Vasile
  • Drehbuch: Giuseppe Pulieri, Giuseppe Rosati
  • Inhalt:

    Zwei Polizeibeamte beobachten während der Beschattung eines Industriellen, wie dieser entführt wird. Sie nehmen umgehend die Verfolgung auf und kommen im anschließenden Kugelhagel ums Leben. Der Capitano, Mario Murri, will den Todesfällen auf den Grund gehen, erfährt allerdings Gegenwehr, da sich Senator Leandri gegen die Ermittlungen ausspricht. Als sich im Nachhinein der Ärger um Murri summiert, will man den unbequemen Bullen in die Provinz versetzen, doch Murri lehnt ab und quittiert den Dienst. Dieses macht wiederum den Minister stutzig, der die Versetzung aufhebt und Murri zu weiteren Ermittlungen ermutigt.

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    Nachdem Klein Pepla (im Ruhrgebiet gern Römerfilm genannt) tief und fest in den Armen von Caesar und Cleopatra eingeschlummert war, gab der Herrscher Roms dem ägyptischen Sonnenschein den Laufpass, schmiss die Sandalen in die Altkleidersammlung und kaufte sich ein paar – wie es sich für echte Männer gehört – Cowboystiefel. Fortan trat er damit seinen Widersachern in den Arsch oder schickte sie gleich zur Hölle. Doch als der schmutzige Lumpenhund plötzlich allein in der Prärie stand und ein paar Häuschen weiter die adrette Frau Giallo immer mehr Bambule machte, da hatte er schon wieder die Schnauze voll, ließ die Pferde laufen, hing den Cowboyhut an den nächsten Saguaro, erwarb in der Fabbrica Italiana Automobili Torino ein blechernes Gefährt, krallte sich zeitgemäße Klamotten, ließ sich einen Schnauzbart wachsen und wurde noch viel, viel rüpelhafter als je zuvor. Tri, tra, trullala, der Commissario ist endlich da.

     

    Obwohl der italienische Polizeifilm bereits Ende der 1960er seine ersten Gehversuche mit Bravour hinter sich gelassen hatte, sollte der eigentliche Boom erst in den 1970ern, von amerikanischen Genrekollegen („French Connection“, „Serpico“, „Dirty Harry“) inspiriert, erfolgen. Letztgenannter liefert in Form seines ersten Sequels („Dirty Harry 2 – Magnum Force“) zugleich einen Teil des Sujets, das „Die linke Hand des Gesetzes“ für sich beansprucht, allerdings mit dem Unterschied, dass Harry Callahan von einem polizeilichen Vollstreckerkommando umworben wird und Mario Murri bereits leitender Teil einer ähnlichen Instanz ist.

     

    „Warum helfen sie uns nicht, diese verrottete Stadt zu säubern?“ (Mario Murri)

     

    Giuseppe Rosati drehte „Die linke Hand des Gesetzes“ (im gängigen 1,78:1 „Polizeifilmformat“) ca. ein Jahr vor dem äußerst rüden Poliziottesco „Stadt in Panik“, dessen polizeiliche Hauptfigur ebenfalls mit dem Namen Murri aufläuft. Doch Namensgleichheit bürgt nicht für Handlungsgleichheit, denn zwischen den beiden Charakteren liegen Ozeane. Einerseits Maurizio Merli, der den gewohnt gnadenlosenlosen Bullen gibt, an dem jede Kritik nicht nur abprallt, sondern postwendend zu einem tödlichen Geschoss transformiert, das ebenso prompt an den Absender zurückgeht – und zwar exakt zwischen die Augen. Andererseits Leonard Mann, welcher einen melancholischen Idealisten transportiert, der nur dann zuschlägt, wenn es unbedingt sein muss und zudem der festen Überzeugung ist, dass die wahren Verbrecher nicht aus der Gosse, sondern von der Universität kommen. Und damit hat er natürlich recht, schließlich lehrt(e) uns das wahre Leben eingehend, dass der eigentliche Unrat in den höchsten und feinsten Kreisen verkehrt. Folglich wurde den italienischen Polizeifilmen und Politthrillern eine Projektionsfläche geboten, die für politische Giftpfeile (ungeachtet ob von linker oder rechter Hand abgeschossen) wie gemalt war. „Die linke Hand des Gesetzes“ wirkt diesbezüglich jedoch zahm, die Welt ist zwar scheiße und korrupt, aber der Extremist bleibt im Hinterzimmer, wo er unbeachtet und fleißig an zukünftigen Konspirationismen weiterschrauben konnte. 

     

    „La polizia interviene: ordine di uccidere“ demonstriert sich als ein überwiegend ruhig gehaltener Polizeifilm und beschränkt sein Wirkungsfeld fast (Ausnahme ist eine Autoverfolgungsjagd, die kurzzeitig in ländliche Gegenden führt) ausschließlich auf die römische Innenstadt. Die ewige Stadt ist das Zentrum der Korruption, ein abgeriegelter Mikrokosmos, der seine versalzene Brühe nicht über den Tellerrand schwappen lässt. Und solang keine Sau die Herdplatte reguliert, müssen die Spaghettifresser in diesem eklig mundenden Saft weiterschmoren.

     

    "Einzeln betrachtet können Polizisten Dummköpfe sein, wir machen Fehler wie alle anderen Leute auch, aber wir alle als Gruppe müssen funktionieren. Wir brauchen nur Entschlossenheit!" (Mario Murri)

     

    Obwohl Murri die Stärke der Gemeinschaft preist, agiert er als Einzelkämpfer. Ein introvertierter Capitano, der neben seinen Verschwörungstheorien auch mit dem Zwischenmenschlichen beschäftigt ist. Folglich führt der Liebeskasper seine Ehefrau, Laura, sowie seine Freundin, Gloria, in ärgste Bedrohlichkeiten, welche (für Laura) mit dem Tod enden. Dieses Ableben wird in Zeitlupentechnik präsentiert und erzeugt ein schmerzendes Affektbild, auf das selbst der Protagonist nicht reagieren kann. Für ihn ist es allerdings der Punkt, an dem er zur alles reinigenden Offensive ansetzen muss! 

     

    Die Besetzung bietet die bekannten und überaus gern gesehenen Gesichter des italienischen Genrekino wie Leonard Mann, dessen Part als Mario Murri ich ausgiebig umschrieben habe, sowie Fausto Tozzi, Janet Agren und (einen wie immer wunderbaren) Enrico Maria Salerno. Die nicht italienische Front wird von Stephen Boyd und James Mason ebenfalls gut vertreten. Wer jetzt wieder vom spärlich belegten Gnadenbrot reden mag, dass sich diese Protagonisten von ihren Auftritten in bella Italia erhofften, der… ach, haltet doch einfach mal die Fresse! Die Musik ist übrigens ebenfalls okay, das Leitmotiv passt zum Genre und wirkt wie schon oftmals gehört.

     

    „Dann schneid´ ich dir die Klöten ab, du Dreckskerl!" (Irgendeine Hackfresse)

     

    Fazit: Wer seine Erwartungshaltung hinsichtlich der üblichen Ingredienzien des italienischen Polizeifilms wie Autoverfolgungsjagden, Prügeleien und Menschenverachtung etwas nach unten schrauben kann, der sollte einen Blick riskieren, denn „Die linke Hand des Gesetzes“ hat mehr Sprit im Tank als es ihm sein bescheidener Ruf nachsagt.

  • Autor: Frank Faltin
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