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Der Letzte der Gladiatoren

Frankreich | Italien, 1964

Originaltitel:

L'ultimo gladiatore

Alternativtitel:

Hercule contre les mercenaires (FRA)

El último gladiador (ESP)

Messalina vs. the Son of Hercules (USA)

Deutsche Erstaufführung:

10. April 1966

Regisseur:

Umberto Lenzi

Inhalt

Nach einem siegreichen Gefecht auf den Schlachtfeldern der Insel Britannien kehrt Caligula, zahlreiche weibliche und fortan versklavte Schönheiten sowie den Sohn (Glaucus) des Königs von Britannien im Schlepptau, in das Imperium Romanum zurück. Glaucus soll künftig als Todgeweihter das römische Volk unterhalten und die Gladiatorenspiele in der Arena mit zusätzlicher Furore bereichern. Doch Caligulas Rechnung, den Königssohn auf höchst spektakuläre Weise ins Totenreich zu übersenden, geht nicht auf, denn der tapfere Britannier weiß sich zu wehren und seine Gegner zu schlagen. Derweil mehrt sich im römischen Senat der Widerstand gegen Caligula, der kurze Zeit später einem Mordanschlag zum Opfer fällt. Caligulas Tante (Messalina) sorgt dafür, dass ihr Ehemann (Claudius) zum neuen Caesaren ernannt wird. Doch die frisch gebackene, vom Ehrgeiz zerfressene Kaisergemahlin tüftelt bereits emsig an weiteren Intrigen, um in naher Zukunft die alleinige Herrschaft über Rom zu erlangen. Zu diesem Zweck will sie die Dienste des Königssohns und Gladiatoren wider Willen, Glaucus, erzwingen. Da Messalina über dessen Geliebte Ena verfügen, ergo jederzeit deren Leben beenden kann, bleibt Glaucus keine andere Wahl. Ist der britannische Königssohn dennoch in der Lage Messalina zu stoppen?

Review

„Der Letzte der Gladiatoren“ entstammt Umberto Lenzis früher Schaffensphase. Innert dieses Zeitraums, die erste Hälfte der 1960er Jahre, inszenierte der gebürtige Römer rund zehn „Historienfilme“, in denen Katharina die Große, Messalina, Robin Hood, Sandokan und Maciste sowie zahlreiche Prätorianer und Piraten zum Einsatz kamen. Einer dieser Streifen, „L'ultimo gladiatore“, entstand analog zum Ausklang des Pepla-Genres. Dieses in der Bundesrepublik auf den eins zu eins übersetzten Titel getaufte Vehikel („Der Letzte der Gladiatoren“) hebt sich im positiven Sinne vom spätem, zuweilen nicht ohne Grund geschmähten, neomythologischen Filmoutput mit italienischer Prägung ab und weiß als ein kurzweiliger Genrevertreter zu gefallen.

 

Der Blick auf ein Schlachtfeld vermittelt immerzu einen gelungenen Einstieg (man siehe beispielshalber die vorzüglich fotografierte Eingangssequenz innert Carmine Gallones „Karthagos Fall“) in ein Vehikel, das sich mit einem der römischen Feldherren oder einem der zahlreichen römischen Caesaren, dessen Schandtaten sowie seinem intrigenschmiedenden Umfeld auseinandersetzt. Schlachtfelder, die stummen Zeugen von Tod und Leid, reflektieren innert der neomythologischen Lichtspiele das Podium für Eroberung sowie die Streitigkeiten zweier Kontrahenten, die ihren persönlichen Zwist mittels ihrer Untergebenen ausfechten lassen. Umberto Lenzi führt uns, der erstgenannten Option folgend, auf die Schlachtfelder der Insel Britannien, wo Caligula genussvoll die wild schwingenden Klingen seiner Legion(äre) inspiziert und analog auf einen aufopferungsvoll kämpfenden Britannier aufmerksam wird, der inmitten der römischen Heerschar mächtig ab- wie aufräumt, sich allerdings in letzter Konsequenz der Übermacht beugen muss. Ein solch furchloser Heroe erfüllt freilich jegliche Vorraussetzung für einen erstklassigen Gladiatoren, was ihn zugleich vor dem Todesurteil und dessen unmittelbarer Vollstreckung bewahrt. Der nun erwartete Ablauf, der eines Gladiatorenfilms, wird, um es unmissverständlich klarzustellen, konträr zum Filmtitel herzlich wenig erfüllt. Stattdessen fokussiert der Regisseur den debilen Kaiser Caligula, dessen skrupellose wie durchtriebene Tante Messalina und lässt sie als Indikatoren für kollektives Leid sowie die hierdurch aufgerufenen Intrigen und den einhergehenden Verrat mittels der (oberflächlich vorgestellten) Senatoren walten. Nebstdem erhält die Rolle des Gladiatoren wider Willen, der Königssohn Glaucus, der uns als Reflektorfigur angeboten wird, nicht jenen Spielraum, der von Nöten ist, um einer fortwährenden Dominanz gerecht zu werden. Richard Harrison, der seinen Part gewohnt routiniert absolviert, wird zuerst von Charles Borromel (Caligula) und anschließend von Lisa Gastoni (Messalina) deutlich in den Hintergrund gedrängt. Beide nutzen ihre ohne Frage sehr dankbaren Rollen aus und geben im Zuge dessen, mit reichlich Elan und Herzblut beseelt, den wahnsinnigen Tyrannen respektive seine vom Ehrgeiz zerfressene, machthungrige Tante: Messalina, die Dank Lisa Gastoni, jenes charismatische (am klassischen Vorbild einer Theda Bara orientierte) Biest reflektiert, dass man sich in letzter Konsequenz von ihr erhofft, kann innert des umrissenen Intrigenspiels nach Lust und Laune schalten wie walten. Und sollte ihr ein rauer Gegenwind prognostiziert werden, so weiß sie diesen sehr wohl zu entkräften, denn gemäß Messalina „ändert das das Volk seine Meinung sehr schnell und seine Zuneigung gilt immer dem Stärkeren.“ Ergo sind die Lüfte mit Niedertracht und Gewalttätigkeiten durchsetzt, was selbsterklärend dem historischen Schauplatz, die orgiastische wie dekadente Kaiserzeit, verpflichtet ist. Von sexuellen Ausschweifungen, die nachweislich einen festen Bestandteil dieser Epoche reflektieren, ist der Film allerdings entpflichtet. Es wird zwar immerzu auf Messalinas Vorliebe für jüngere Männer angesprochen, aber die Tilgung ihres Sexualtriebs niemals visualisiert. Im Produktionsjahr 1964 konzentrierten sich die italienischen Regisseure und Produzenten im Wesentlichen auf die überlieferten Werte: Intrigen, Verrat, römischer Götterglaube und Christenverfolgung sowie die begleitenden Charaktere respektive Figuren wie den wahnsinnigen Despoten und den befreienden, teilweise bereits zum Christentum bekehrten römischen Helden der US-amerikanischen Lichtspiele. Es gab natürlich reichlich schmatzende Küsse, aber keine feuchten… Ich vermute, ich muss das nicht weiter ausführen! Sie können sich ja, sofern Sie ein Interesse an derartigen Ferkeleien haben, „Messalina - Kaiserin und Hure“ (1977), „Caligula und Messalina“ (1982) sowie die überaus gelungenen (S)Exploiter „Caligula“ (1979) und „Caligula 2 - The Untold Story“ oder - falls Sie Ihre Belastungsgrenze ausloten möchten - den grottenschlechten „Flavia - Die Sex-Sklavin des Cäsar“ (ITA, 1986) anschauen, das bleibt letztendlich Ihnen selbst überlassen. „Der Letzte der Galdiatoren“ bleibt allerdings, wie alle Peplum-Produktionen mit denen Italien in der Zeit von 1958 bis 1965 den Weltmarkt überschwemmte, von solcherart Schweinkram verschont!

 

Ein Film, der in seinem Titel das Wort Gladiator trägt, lässt freilich die Fokussierung wilder Kämpfen im Kolosseum oder zumindest in einer vergleichbaren Arena erwarten. Wenn Sie darauf hoffen, dann muss ich Sie, wie ich es bereits angedeutet habe, leider enttäuschen, denn die Ortschaft von Brot und Spielen spielt, ungeachtet ihrer Eigenschaft als finale Kampfbahn bzw. als finaler Schlachtplatz, nur eine untergeordnete und der Tagesablauf (Einweisung in die Kampfkunst wie begleitende Trainingseinheiten) eines frisch gebackenen Gladiatoren gar keine Rolle. Die Kämpfe sind zwar ordentlich choreographiert und nach dem üblichem, ihre Kostengünstigkeit kaschierendem System (das ich innerhalb vorangegangenen Peplum-Besprechungen bereits beschrieben habe) konstruiert, besitzen allerdings nicht jene Dominanz, die sie als einen unverzichtbaren Filmbestandteil ausweisen. Ihre Aufgabe besteht primär darin, kurz und knapp wie klipp und klar darauf hinzuweisen, dass Glaucus ein nicht nur heldenhafter, sondern nahezu unbezwingbarer Recke ist, der bestens in die fiesen, die Machtergreifung anvisierenden Pläne Messalinas passt. Es ist übrigens auffallend, dass der Held zwar durch Geschicklichkeit und Stärke besticht, sein Körper allerdings nicht jene Erotisierung wie Mechanisierung, welche man den eingeölten antiken Helden der Peplum-Filme x-mal mittels Nahaufnahmen ihrer scheinbar stählernen Muskeln zugesteht, erfährt. Demgemäß verkörpert Glaucus auch nicht die Kampfmaschine, die außerhalb (!) der Arena im Alleingang das Imperium von seinem Tyrannen befreit, sondern lediglich einen tapferen Strategen, der nicht an Verzweiflung und Aufgabe denkt, sondern zu einem Teil des Widerstands gegen die Tyrannei avanciert. Die im Zuge dessen getätigte Aussage, dass Britannien sich auf einen Vergeltungsschlag gegen das römische Imperium vorbereitet, lässt zudem an die Alliierten innert diverser SadicoNazista-Vehikel denken, die in das jeweilige Konzentrationslager einmarschieren und mittels der Befreiung der KZ-Inhaftierten den finalen Sieg über Hitlerdeutschland feiern.

 

Fazit: Das Jahr 1965 kann man (ich mache das einfach mal) als eine Chiffre, als einen Pepla-Abschiedscode definieren. Dabei gilt es festzuhalten, dass die Abschiedstournee, der Ausklang eines von mir überaus geschätzten Genres, so manchen schnell zusammengeschusterten Mumpitz, der meistenteils zurecht als öde und überflüssig rezipiert wird, inkludiert. Von diesen geringwertigen Produkten ist „Der Letzte der Gladiatoren“ allerdings weit entfernt, denn Lenzi lieferte einen spannenden, abwechslungsreichen, durch die Bank gut besetzten, auch für Neueinsteiger geeigneten Genrevertreter.

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