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Krieg der Roboter

Italien, 1978

Originaltitel

La guerra dei robot

Alternativtitel

La guerre des robots (FRA)

La guerra de los robots (ESP)

The War of the Robots (USA)

Reactor

Robots

Stratostars

Regisseur

Alfonso Brescia

Inhalt

Irgendwo und irgendwann auf einem weit vom Erdball entfernten Planeten hat Professor Carr eine Maschine konstruiert, die es ermöglicht, künstliches Leben zu erschaffen. Die revolutionäre Konstruktion erweckt unversehens das Interesse einer fremdartigen Lebensform, deren Abgesandte den Professor und seine Assistentin entführen. Im flotten Eifer des Gefechts vergisst der Professor allerdings seinen Atomreaktor, dessen ordnungsgemäße Bedienung nur er beherrscht, zu deaktivieren, sodass dem Himmelsköper nur noch wenige Tage bis zu seiner unumstößlichen Vernichtung bleiben. Folglich sind schnelles Handeln sowie im Besonderen die Fähigkeiten von Captain John Boyd und seiner Spezialcrew, welche postwendend die Verfolgung der Entführer aufnehmen, gefragt. Ein technischer Defekt zwingt das Team allerdings zu einer Notlandung auf dem Planeten Azar, dessen Bewohner von den Anthorianern bedroht werden. Werden John Boyd und seine Mannschaft die Verfolgung wieder aufnehmen können oder ist die nukleare Katastrophe unabwendbar?

Review

Hiroshima und Nagasaki hatten bewiesen, zu welch Bestialität der Mensch fähig ist. Doch das Ende des Zweiten Weltkriegs respektive die Kapitulation des japanischen Kaiserreichs bedeuteten zugleich den Anfang eines emsigen Wettrüstens zwischen Ost und West. An die atomare Sprengkraft (13.000 Tonnen TNT) der Hiroshima-Bombe sollte 16 Jahre nach deren Abwurf die Sprengkraft (57 Millionen Tonnen TNT) der Zar-Bombe treten. In den US-amerikanischen sowie sowjetischen Forschungslaboren ratterten jedoch weiterhin die Maschinerien, mit dem Ziel diese unfassbare Zerstörungskraft zu maximieren. Jenes Rüstungswettrennen der Supermächte ließ die weltweite Panik vor dem inflationär zitierten Knopfdruck, mit dem die nukleare Katastrophe jederzeit und überall ausgelöst werden konnte, stets weiter eskalieren.

 

Der Science Fiction-Film beantwortete diese Schreckensvision mit zwei Gestaltungen. Einerseits mit der Invasion: Außerirdische, die mit einer der Menschheit weit überlegenen Waffentechnologie ausgestattet sind, überschreiten die frontier und attackieren die Erde. Andererseits mit der Evasion: Die Verlagerung des Lebensraums von der Erde in das Weltall, um auf diese Weise die frontier zu schützen und die Auseinandersetzungen von der Erde fernzuhalten. „Krieg der Roboter“ nimmt sich der zweiten Methode an.

 

Zur Erinnerung: Die im Weltraum stationierten Menschen versuchen die nukleare Katastrophe zu verhindern, indem sie sich auf die Suche nach dem entführten Professor, der als einziger den finalen Countdown stoppen kann, machen. Aus dieser Konstellation bildet sich eine weitere für den Science Fiction- wie den Horrorfilm typische Formel heraus: Der Wissenschaftler folgt der Unvernunft, strebt nach alleiniger Macht und wechselt die Seiten (also vom Guten zum Bösen). Er will das Gleichgewicht der Natur zerstören und fällt schlussendlich der eigenen satanischen Arbeit zum Opfer. Wahrlich kein revolutionärer, da unzählige Male verbrochen, Twist, aber in letzter Konsequenz einer der Bereichungsaspekte, die „Krieg der Roboter“ registrieren lässt. Als ein weiterer positiver, da unfreiwillig-humoresk mutender, Faktor lassen sich die Anthorianer suggerieren. Eine stocksteife Schar von Außerirdischen, die im Stile der „Lords“ (eine deutsche Beatband, die in der zweiten Hälfte der 1960er aktiv war) frisiert sind, silberne Gummianzüge tragen und von Captain John Boyd beziehungsweise von dessen deutscher Synchronstimme (die übrigens auch von Imperium-Schwertern spricht, um dem letzten Hornochsen plausibel zu machen, das „Krieg der Roboter“ Verweise in Richtung „Krieg der Sterne“ inkludiert) als „Weihnachtsmänner“ suggeriert werden.
Diese erfolgreiche Stimulation der Lachmuskeln verliert allerdings über weite Strecken des Films ihre Kraft beziehungsweise ihre Magie… Magie? Ja, denn ein Lichtspiel, welches mich unfreiwillig (!) zum Lachen bringt, beweist eindeutig, dass es mit Zauberkraft also mit einer beispiellosen Magie gesegnet ist!

 

Auch wenn „Krieg der Roboter“ weniger mit den Bestandteilen einer Filmparodie hantiert, entfernt sich das Werk deutlich von der Ernsthaftigkeit seiner zentralisierten Dystopie und lässt somit die Angst vor der Vernichtung wie einen begleitenden Heroismus deutlich abschwächen, sodass sich das Geschehen seiner eingangs umrissenen Schreckgespenster überwiegend entledigt. Währenddessen erweist sich die Abwesenheit einer Reflektorfigur als deutliches Filmmanko, da ein Mitfiebern erschwert und infolgedessen die Erfolgsaussichten beim Zuschauer heruntergeschraubt werden. Trotzdem mag ich dieser kostengünstig inszenierten, im Atelier fotografierten und etwas zäh wirkenden „Krieg der Sterne“-Nachahmung ihren speziellen Charme nicht absprechen.

 

Und wer ähnlich wie ich ticken sollte und jederzeit bereit ist, dieses Glaubensbekenntnis in Stein zu meißeln, der wird begreifen, dass dieser respektloserweise als Trash suggerierte Film keinen Müll reflektiert, sondern - wie viele andere seiner Spielkameraden - so liebevoll wie möglich inszeniert wurde. Das Wort liebevoll ist von dem Wort Liebe abgeleitet und versinnbildlich in diesem Fall eine Liebe zum Medium Film, welche das Potential besitzt, zu einer positiven Manie zu reifen. Wer die Aussage nachvollziehen kann, der ist innert solcher Filmproduktionen gut aufgehoben, denn er/sie weiß die Arbeit der verantwortlichen - von den Filmschädlingen mitunter als Dilettanten beschimpften - Regisseure zu würdigen. Oder, um es eindringlicher zu umschreiben: Die Filmwelt benötigt keine Kalkofes und Rüttens, sondern Enthusiasten, welche sich außerhalb des Massenstroms bewegen und in ihren Herzen die Wertschätzung für das Außergewöhnliche tragen.

 

Einer dieser Menschen ist kürzlich von uns gegangen, sodass ich diese Worte weniger „Krieg der Roboter“, sondern primär Markus Nowak (Dr. Acula) widme und ihm auf diese Weise eine gute Reise in eine hoffentlich bessere Welt wünsche.

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