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Katarsis

Italien, 1963

Originaltitel

Katarsis

Alternativtitel

Sfida al diavolo (ITA)

Inhalt

Eine Gruppe von drei exzessiven Kleinkriminellen mit ihren Bräuten verprügelt auf einer Spritztour einen Autofahrer, bevor sie anschließend in einem modrigen Gemäuer Rast machen. Dort begegnen sie einem alten Mann (Christopher Lee), welcher den Verlust einer geliebten Frau betrauert. Im Suff lässt sich die Gruppe auf ein Spiel ein, das ihnen Vermögen verspricht, aber letztlich zur Wiederentdeckung ihrer eigenen Menschlichkeit führt.

Review

Um zu verstehen, was bei „Katarsis“ schiefgelaufen ist, muss man zunächst die Hintergrundgeschichte seiner Entstehung kennen, was dann auch zu einer erweiterten Inhaltsangabe führen wird. Dass das, was man heute von „Katarsis“ sehen kann, ziemlich gequirlte Affenkacke ist, hat nämlich seine Gründe.

 

„Katarsis“ war der einzige Film eines Mannes namens Giuseppe Veggezzi. Ich könnte jetzt über den späteren Verbleib dieses Mannes spekulieren, aber das wären nur Gerüchte also lasse ich es. Produziert und gedreht wurde „Katarsis“ 1963 mit dem Geld von Ulderico Sciaretta, welcher auch eine kleine Rolle spielt. Christopher Lee wurde das Projekt als eine faust’sche Gothic-Horrormär beschrieben. Das Budget soll etwa 4 Millionen Lire betragen haben, wenn mich mein gedanklicher Umrechner nicht täuscht, waren das damals etwa 200.000 DM. Doch nach Fertigstellung meldete Sciaretta bankrott an, und es ist unklar, ob die 87-minütige Originalfassung im Jahre 1963 tatsächlich aufgeführt oder nur registriert wurde. IMDb nennt als Premieredatum den 9. Juni 1963, andere Quellen dagegen besagen, dass die Ursprungsfassung nie gezeigt wurde. Wie auch immer, sie gilt als verschollen.

 

Sciaretta verkauft „Katarsis“ 1963 an Eco Films, und es wird eine Rahmenhandlung hinzugefügt, die… Gott, ist mir schlecht. Auf jeden Fall hat „Katarsis“ nun einen neuen Titel: „Sfida al diavolo“, welcher 1965 premierte. Zum Inhalt. Ein Gangster hat einen anderen Gangster erpresst, und dieser will ihn nun töten. Angeschossen flüchtet er in ein Kloster, wo er auf seinen alten Kumpel trifft, der inzwischen seinen Frieden mit Gott und Gewissen gemacht hat. Nun wird es kompliziert, denn dem Erpresser wurde sein brisantes Material von seiner Geliebten Alma (Alma de Rio) gestohlen. Kürzen wir ab, der Mönch geht zu Alma, um an ihr Gewissen zu appellieren.

 

Doch der Film kürzt nicht ab, sondern streckt uns grauenhaftes Material entgegen. Im Nachtclub angekommen, sehen wir zuerst eine altmodische Tanznummer. Dann eine Schlagersängerin. Dann die dicke Alma, ja, die hat schon bessere Zeiten gesehen, nämlich über 10 Jahre zuvor, in Filmen von Matarazzo, Campogalliani und Paolella. Alma tanzt sich in unsere Lachmuskeln, das ist echt mies, was man der in die Jahre gekommenen Dame da angetan hat. Egal. In ihrer Garderobe erzählt ihr der Mönch, wie er vom Gangster zum frommen Glaubensbruder geworden ist. Und diese Geschichte besteht aus dem verbliebenen Material aus „Katarsis.“

 

Qualitativ liegen Welten zwischen jenen Szenen und dem ganzen neugedrehten Material. Zwar haben die Filmszenen aus „Katarsis“ ebenfalls nur wenig Substanz, können aber eine gewisse Faszination hervorrufen, was nicht zuletzt an der eigenwilligen Inszenierung und der unheimlichen Musik von Berto Pisano liegt. Viel passieren tut im Grunde nicht. Das Grüppchen der Sechs säuft sich einen an und tanzt wild herum, dann treffen sie auf Christopher Lee, saufen weiter und irren durch das Gemäuer. Am Ende (der Katarsis-Szenen) gibt es noch einen netten Story-Twist, und schon sind wir bei den neugedrehten Restminuten, in denen die dicke Alma zu Tränen gerührt von des Mönches Erzählungen ihr Gewissen entdeckt.

 

Schauspielerisch liegen Welten zwischen der Darstellung von Christopher Lee und den übrigen Knallchargen. Selbst George Ardisson wurde auf die Rolle eines stumm-verrückten Poeten festgelegt, und so hat er nicht eine Dialogzeile, sondern lacht und schreit sich abwechselnd durch das Szenario.

 

Gedreht wurde „Katarsis“ auf dem Castello Orsini-Odescalchi (Bracciano, Lazio, Rom) und in Montelibretti. Die Nachdrehs entstanden in den Olympia Studios in Rom. Das Castello Orsini-Odescalchi ist eine sehr bekannte Location, kann in Filmen wie Viscontis „Der Leopard“ (Il gattopardo, 1963), Castellaris „Ein Haufen verwegener Hunde“ (Quel maledetto treno blindato, 1978), Ferronis „The Night of the Devils“ (La notte dei diavoli, 1972) oder Warren Kiefers „Castle of the Living Dead“ (Il castello dei morti vivi, 1964) entdeckt werden. Aber wie auch immer, „Sfida al diavolo“ ist ein zwiespältiges Vergnügen, weil dieses unstrukturierte Desaster Auskunft darüber gibt, dass mal eine bessere Fassung existiert hat, die durch Nachdrehs zerstört wurde und anscheinend verloren ist.

 

Etwas Musik aus „Katarsis“ scheint sich später in Andrea Bianchis „Die Rückkehr der Zombies“ (Le notti del terrore, 1981) verlaufen zu haben.

Filmplakate

Links

OFDb
IMDb

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