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The Iron Crown

Italien, 1941

Originaltitel:

La corona di ferro

Alternativtitel:

La Couronne de fer (FRA)

La corona de hierro (ESP)

Inhalt

Nach Jahren des Krieges ist es König Licinio (Massimo Girotti) gelungen, die Armee des benachbarten Königreiches zu besiegen. Der großherzige Licinio sehnt sich aber nach Frieden, und so will er das Königsehepaar des Feindeslandes verschonen und die Hälfte der eroberten Güter dem Volk schenken. Doch sein Bruder Sedemondo (Gino Cervi) jagt Licinio einen Pfeil in den Rücken, tötet ebenso den feindlichen König, gibt dessen Frau zur Massenvergewaltigung frei und schwingt sich selbst zum neuen König auf.

 

Auf dem Heimweg trifft er auf eine Prozession, die die eiserne Krone, geschmiedet aus einem der Nägel der Kreuzigung Christi, zum Papst nach Rom geleiten soll. Sedemondo stiehlt die Krone, doch eine alte, weise Frau an einer Spindel macht ihm die düstere Prophezeiung, sein Sakrileg würde nicht ungestraft bleiben. Eine Frau würde zum Brudermord geboren, ein Mann zum Ermordeten, der sie lieben wird, bis sie selbst stirbt.

 

Als Sedemondo zum Palast zurückkehrt, erfährt er, ihm sei eine Tochter geboren worden, seinem ermordeten Bruder Licinio ein Sohn. Doch die Kinder wurden von den Müttern vertauscht, und obwohl Sedemondo zunächst beide als sein eigen Fleisch und Blut ausgibt, geht ihm die Prophezeiung der Spindel-Frau nicht aus dem Kopf. Er beschließt, das männliche Kind im Tal der Löwen auszusetzen, das Mädchen lässt er im Palast isolieren, auf dass sich die beiden nie wieder begegneten. Die eiserne Krone, mit der die Prophezeiung ebenfalls verknüpft ist, versinkt im Tal des Vergessens in der Erde, wo Sedemondo einen Wächter zurücklässt, der jeden töten soll, der sich besagter Stelle nähert.

 

20 Jahre vergehen. Im Tal der Löwen lebt Arminio (Massimo Girotti), der von den Löwen großgezogen wurde und keinerlei Erinnerung an seine frühe Kindheit im Palast besitzt. Ein Reh führt ihn nun aus dem Tal heraus und er begegnet der kriegerischen Tundra (Luisa Ferida), Tochter der Massenvergewaltigung an der Feindeskönigin 20 Jahre zuvor. Ihr Volk ist versklavt, doch Tundra sammelt im Wald Soldaten, um Rache an König Sedemondo und seinem Reich nehmen zu können. Sie überredet Arminio, an einem von Sedemondo ausgerufenen Turnier teilzunehmen, in dem der Sieger die Hand der in der Isolation allmählich dahinsiechenden Königstochter Elsa (Elisa Cegani) erhalten und der künftige König werden soll. Tundra verliebt sich dabei selbst in Arminio, und auch der ist nicht abgeneigt – bis er auf Elsa trifft.

 

Das Turnier steht kurz vor seinem Beginn, und von einem der Teilnehmer erfährt König Sedemondo, dass das Tal der Löwen von einem Erdbeben vernichtet wurde. Nun, da er den Sohn seines Bruders Licinio endgültig tot glaubt, entlässt er seine Tochter Elsa vorzeitig aus der Isolation, die gleich bei ihrem ersten Freigang auf Arminio trifft, und die zwei verlieben sich. Zum Ärger der Turnierteilnehmer ändert Sedemondo nun den Hauptgewinn: der Sieger erhält weder Tochter noch Krone, dafür aber die Hälfte seines Vermögens. Als nur noch einer der Teilnehmer übrig ist und auf Einhaltung von Sedemondos ursprünglichem Angebot besteht, schaltet sich Arminio in den Kampf ein und entscheidet den Sieg für sich - die Prinzessin ist sein. Oder doch nicht? Denn da wäre noch Tundra, die sich das erste Mal, in dem sie in ihrem Leben so etwas wie Glück und Liebe empfunden hat, nicht nehmen lassen will.

 

Im Tal des Vergessens kommt es zur Entscheidung.

Review

Alessandro Blasettis „La corona di ferro“ ist ein aufwändig produzierter Fantasy-Film aus Mussolinis Zeiten, der mit faszinierenden Bildern zu überzeugen und mit einer arg verschachtelten Story zu verwirren weiß. Blasetti bedient sich hierbei – so sah er selbst es ebenfalls – bei Sagen und Märchen aller Zeiten und formiert diese zu einer Geschichte von der Sehnsucht nach Frieden und Freiheit. Dass Mussolinis Schergen den Film für ihre Ideologie zu nutzen wussten, ist fast schon absurd, denn hinter den vordergründigen verschachtelten Ebenen der Geschichte, findet sich ein König/Diktator, der seinen offensichtlich kommunistisch angehauchten Bruder ermorden ließ. Nun versuchen die Protagonisten die natürliche Ordnung und den Frieden wiederherzustellen und zu gewinnen gibt es Liebe und wieder Kommunismus. Amüsant, dass das den Mussolini-Schergen entgangen ist, aber die waren bestimmt von den ersten nackten Brüsten in einem italienischen Tonfilm abgelenkt.

 

„La corona di ferro“ ist auch einer der Lieblingsfilme eines gewissen Martin Scorsese, den dieser erstmals als Kind im Einwanderer-TV (in gekürzter 83-Minuten-Fassung) sah. Er zollte diesem Tribut in seiner Dokumentation „Meine italienische Reise“ (Il mio viaggio in Italia, 1999), in der er von seinen Lieblingsfilmen aus italienischen Landen berichtet. Man muss zwar einräumen, dass die ersten 30 Minuten von „La corona di ferro“ mitunter anstrengend sind, denn es gilt zahlreiche Verwicklungen in diesen engen Zeitrahmen zu pressen, die im weiteren Verlauf zu Bedeutung gelangen werden. Wer jedoch Geduld beweist, wird reich belohnt werden.

 

Normalerweise endet jedes Märchen mit dem schönen Prinzen, der seine Prinzessin bekommt, bzw. umgekehrt. Doch ich war von Anfang an Team Tundra, und tatsächlich ergibt das auch mehr Sinn. Tundras Mutter wurde auf Befehl von Sedemondo dessen Soldaten überlassen, sie ist das Kind einer Massenvergewaltigung, viel Unrecht wurde an ihrem Volk verübt. Sie ist klug, sie ist kämpferisch, sie hat ein Happy End verdient, und Alessandro Blasetti sah das ebenso. Das Finale von „La corona di ferro“ ist eine Botschaft des Friedens und Elsa opfert sich für die Freiheit, nach der sie sich in jahrelanger Isolation so gesehnt hat. Die Botschaft: einen Diktator kann man auch friedlich stürzen. Mussolini hat dennoch bekommen, was er verdient.

 

Alessandro Blasetti stützt sich „La corona di ferro“ ebenso auf Peplum-Stummfilm-Vorbilder, wie er Grundlagen für die zweite Peplum-Welle in den Sechziger Jahren legt. Ein kleiner Junge, der im Tal der Löwen von selbigen großgezogen wird, um dann gegen einen bösen König in den Kampf zu ziehen? Das erinnert an Ursus. Und - selbst wenn das weit hergeholt scheint – Tundras Augen werden als „buono“, „brutto“ und „cattivo“ beschrieben, alles in einer Person. Auch das erinnert mich an was. Da Männer jedoch weniger komplex gestrickt sind, musste Sergio Leone diese Eigenschaften auf gleich drei männliche Charaktere verteilen, wo Blasettis Tundra diese allein in sich vereint.

 

Massimo Girotti, Elisa Cegani und Luisa Fetida spielen Doppelrollen, jede dieser Rollen wurde in der italienischen Tonfassung aber von unterschiedlichen Dubbing-Stimmen gesprochen, um die Zuschauer nicht noch mehr zu verwirren. Die ungekürzte Fassung von „La corona di ferro“ hat eine Lauflänge von 104 Minuten, Regisseur Alessandro Blasetti assistierten Renato Castellani und Lionello de Felice.

Links

OFDb
IMDb

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