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Himmelfahrtskommando El Alamein

Deutschland | Italien, 1968

Originaltitel

Commandos

Alternativtitel

Los chacales del desierto (ESP)

Sullivan's Marauders

Mit Eichenlaub und Schwertern

Deutsche Erstaufführung

08. August 1969

Inhalt

Nordafrika gegen Ende des Jahres 1942. Deutsche Truppen sind unter Befehl von Generalfeldmarschall Rommel auf dem Vormarsch in Richtung Ägypten. Den US-Amerikanern Sergeant Sullivan (Lee Van Cleef) und Captain Valli (Jack Kelly) gelingt es mit ihren Leuten, das strategisch wichtige Lager in El Alamein in ihre Gewalt zu bringen. Um unerkannt zu bleiben, müssen sie einige Tage lang in italienischen Uniformen auf Verstärkung warten. Das Lager entwickelt sich zum Pulverfass, dessen Lunte bereits gezündet ist, zumal die deutschen Soldaten rund um Oberleutnant Heitzel (Joachim Fuchsberger) bereits eingetroffen sind. Wird sich die wacklige Tarnung aufrecht erhalten lassen..?

Autor

Prisma

Review

Die Karriere des italienischen Regisseurs Armando Crispino erstreckt sich leider nur über einen kurzen Zeitraum von gerade einmal weniger als zehn Jahren, in dem lediglich acht Spielfilme unter seiner Leitung entstanden, von denen heute nur noch wenige in Erinnerung geblieben sind. Crispino war unter anderem auch als Drehbuchautor tätig und diesbezüglich werden ihm häufig Unstimmigkeiten bezüglich der Kohärenz bescheinigt, was ebenso für manche Filme gilt, bei denen er als Regisseur tätig war. Vielleicht tut man dem Italiener Unrecht, wenn vorschnell mangelnde Routine oder Unerfahrenheit unterstellt wird, denn manche seiner Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen, da diese bei gerne angewandter, teils offensiver Härte und Brutalität auch Doppelbödigkeit in Genres anbieten, in denen solche Voraussetzungen weniger gefragt waren. Als eines der prominentesten Beispiele ist in diesem Zusammenhang sicherlich der in der Bundesrepublik unter dem Banner Bryan Edgar Wallace vermarktete Giallo "Das Geheimnis des gelben Grabes" zu nennen, der mehr offeriert, als ihm attestiert wird. Dies gilt bestimmt auch für seinen Kriegsfilm "Himmelfahrtskommando El Alamein", der erneut mit deutscher Beteiligung und internationalem Star-Aufgebot entstanden ist. Crispino geht auch in dieser 1968 entstandenen Produktion mit bewährter Handschrift vor, denn er verliert ungern Zeit, was der dramaturgischen Schärfe vielleicht vielerorts ein Dorn im Auge sein will. Im Gegensatz zu einer Originalfassung von 112 Minuten, kam der Film in der Bundesrepublik in einer um 24 Minuten gekürzten Fassung in die Kinos, was im Endeffekt für das Tempo, die Brisanz und fehlenden Atempausen sorgen wird, die die Geschichte nötig hat. Kriegsschauplätze werden von ausgehebelten Gesetzen beherrscht und es scheint, als existierten in der ägyptischen, von Schauplätzen auf Sardinien simulierten Wüste überhaupt keine Werte mehr, die die Zivilisation mühsam aufgebaut hatte.

 

Zu erkennen sind nur noch feindliche Lager und aus Strategie geschmiedete Allianzen, die bei jeder Gelegenheit dazu gemacht sein könnten, in Stücke zu zerfallen. Das Publikum darf sich unter Armando Crispinos drastischer, aber gleichzeitig hochwertiger Bebilderung auf schwere Gefechte und brutale Phasen gefasst machen, in denen er sich nicht scheut, Schockmomente zu konstruieren, um sie anschließend genüsslich auszureizen. Im Grunde genommen rückt die recht simple Geschichte zugunsten von Spektakel und Massakern schnell in den Hintergrund, und beinahe ist einem so, als bleibe nichts als Kugel- und Bombenhagel, Tod, Gemetzel und Verderben in der Erinnerung zurück. So einfach macht es sich dieser möglicherweise unterschätzte Beitrag allerdings nicht, denn lose Skizzen einzelner Schicksale deuten persönliche Niederlagen an. Interessant bei dieser brisanten Produktion bleibt schließlich, dass die Sinnlosigkeit derartiger Manöver und des Krieges im Allgemeinen unverschlüsselt an den Pranger gestellt werden - natürlich unter strikter Berücksichtigung des Publikumsinteresses, das bei solchen Veranstaltungen wohl nicht primär auf tiefschürfende Dramatik und entwaffnende Dialoge aus sein dürfte. Angesichts der gewählten Marschrichtung ist der Regie ein effektiver Mittelweg zwischen strapaziöser Unterhaltung und ein paar subtilen Elementen gelungen, wobei Letzteres beinahe im Rahmen von Kugelfeuer, Explosionen und Todesschreien untergeht. Der wohl interessanteste Kniff besteht allerdings in der Tatsache, dass sich nach dem bitteren Ende zeigen wird, dass es sich um kein im Vorfeld auf bestimmte Nationen beziehungsweise Personen zugeschnittenes, glorifizierendes Helden-Epos handelt, sondern sich nachhaltig um eine überaus destruktive Balance bemüht, die unterm Strich am meisten beeindruckt oder schockiert. Effektive Schützenhilfe hierbei leistet das internationale Star-Aufgebot, das mit denkwürdigen Leistungen aufrüstet.

 

Allen voran steht zweifellos Western-Ikone Lee Van Cleef als getrieben und bedenklich unemotional wirkender Sergeant Sullivan, der vor seiner blutigen Vergangenheit gezeichnet ist und flüchtet, diese aber stets zu Überholmanövern ansetzt, da sie ihn physisch und psychisch zu Grunde gerichtet hat. Zur Schau gestellt als Haupt-Aggressor der Geschichte, wirkt es geradezu so, dass er das Fass jederzeit zum überlaufen bringen könnte, was für eine unangenehme Spannung sorgt. Als Antagonist in den eigenen Reihen ist sein US-amerikanischer Kollege Jack Kelly zu sehen, der vergleichsweise zu weich und bedacht wirkt, um neben Sullivan bestehen zu können, obwohl dieser nicht das Privileg des Oberbefehls in der abgesandten Truppe genießt. Für Zündstoff ist also genügend gesorgt und wenn es schon intern zu eskalieren droht, stellt sich die berechtigte Frage wie es letztlich aussehen mag, wenn der tatsächliche Feind direkt vor den Soldaten steht. Diese Hochspannung definiert sich über den Verlauf gesehen als Leitmotiv und ist ausschließlich dazu gemacht, um in den entscheidenden Phasen hochzukochen. Gerne gesehene Darsteller repräsentieren die jeweiligen Truppen verschiedener Herkunftsländer und hier ist vor allem die ausgiebige Ansammlung deutscher Top-Interpreten zu nennen, die der Anforderung nach ein- bis zweidimensional denken und agieren. Es ist erstaunlich, wie frappierend echt die Darstellungen von Götz George oder Helmut Schmid in Sachen Ideologie oder Aggressivität wirken, wenngleich auch hier deutliche Gegenentwürfe von Joachim Fuchsberger oder Heinz Reincke angeboten werden, die sich im Endeffekt gegen die Eintönigkeit stellen. Gleiches kann durchaus von ihren italienischen Kollegen gesagt werden, die ebenfalls angemessene Zeichnungen durch Interpreten wie Pier Paolo Capponi oder Marino Masè erfahren. So wurde im schauspielerischen Bereich nichts dem Zufall überlassen, der am Kriegsschauplatz naturgemäß von Männern geformt wird.

 

In diesem Sinn ist zwischen all der nach Tod riechenden Luft und dem mit Blut getränkten Sand nur eine einzige Frauenrolle zu finden, die ausschließlich zur Verlustierung der Soldaten dient. Die italienische Interpretin Marilù Tolo als Adriana bringt es lediglich auf ein paar unscheinbare und wenig geschmackvoll arrangierte Szenen, in denen ausschließlich ihr Dasein als Objekt dokumentiert wird, doch unter Crispino wird es auch diesbezüglich keine Kehrtwende oder gar ein versöhnliches Ende geben, da so viele harte Schocks wie nur möglich gesetzt werden sollen. Die Simulation der Kriegsschauplätze ist gelungen und aufwändig inszeniert, genau wie die Simulation dieses vollkommen trostlosen und gottverlassen wirkenden Fleckchens Erde. Zahlreiche pyrotechnische Akzente und durchschlagende Bilder der Qual wollen das Verderben hautnah schildern und in diesem Zusammenhang ist nicht zu leugnen, dass die Regie eine nicht nur beunruhigende, sondern phasenweise sehr erschreckende Atmosphäre erschaffen konnte, das ihre eigentliche Intention nicht schuldig bleibt. "Himmelfahrtskommando El Alamein" möchte anscheinend genau der deprimierende Film über die schlimmste, künstlich am Leben gehaltene und niemals enden wollende Geißel der Menschheit sein, die er ist. Ohne Lichtblicke und Hoffnung fortfahrend, ist daher so gut wie vorbestimmt, dass sich der Verlauf nach und nach selbst exekutiert und sich kaum an Sympathieträgern - geschweige denn Überlebenden - interessiert zeigt. Unterm Strich bleibt vielleicht nur einer von zahllosen Kriegsfilmen, die möglicherweise mehr unterhalten als aufklären möchten, der aber vergleichsweise auch ebenso wie sein Regisseur unterschätzt wird. "Himmelfahrtskommando El Alamein" lässt sich bei Interesse an der Thematik sehr gut anschauen, außerdem kommen Anhänger der insbesondere deutschen Darsteller in den Genuss ungewöhnlicher Interpretationen, die nicht alle Tage abgerufen werden mussten. Ein Film, der trotz seiner reißerischen Seele das Potential besitzt, nachdenklich zu stimmen.

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