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Herr Doktor, die Leiche lebt

Italien, 1963

Originaltitel

Omicron

Deutsche Erstaufführung

25. Juni 1965

Regisseur

Ugo Gregoretti

Inhalt

Auf dem Fabrikgelände wird die Leiche des Arbeiters Angelo (Renato Salvatori) gefunden. Es sieht nach natürlicher Todesursache aus, allerdings ist der Tote ungewöhnlich steif. Die Polizei findet zunächst heraus, dass Angelo kurz vor seinem Tod Angst hatte zu schlafen und glaubte, jemand wolle seinen Verstand übernehmen. Zu Beginn der Autopsie erwacht der Tote wieder zum Leben, jedoch sind seine Bewegungen ungewöhnlich mechanisch, er kann nicht sprechen und versucht durch Mimikry seine Fähigkeiten wiederzuerlangen. Tatsächlich handelt es sich nicht um Angelo – denn der wurde von der außerirdischen Intelligenz Omicron in Besitz genommen, der als Kundschafter für die Föderation von Ultra die Eroberungsmöglichkeiten der Erde auskundschaften soll.

Review

„Ein Fabelwesen von einem anderen Stern bemächtigt sich des Körpers eines italienischen Fabrikarbeiters, um eine Invasion der Erde vorzubereiten. Ein ganz auf komische Wirkung bedachter, anfangs amüsanter, später aber immer konfuser werdender Science-Fiction-Film mit einigen geschmacklichen Entgleisungen.“ (Filmdienst)

 

Über Ugo Gregoriettis Film „Omicron“ scheint bisher weltweit nicht viel geschrieben worden zu sein. Auch Hintergrundinformationen sind spärlich gesät. Bei „Omicron“ – der in Deutschland unter dem Titel „Herr Doktor, die Leiche lebt“ im Juni 1965 im Verleih der Paramount lief – handelt es sich um eine kuriose Sci-Fi-Komödie mit deutlichem sozialen und politischen Kontext. Der Humor ist nicht wenig verschroben, viele überaus amüsante Momente bilden ein Wechselspiel mit exzentrischen Eigenheiten. Dem Filmdienst möchte ich hierbei völlig entgegengesetzt kontern. Ich fand „Omicron“ zu Anfang recht nervig und habe mich erst im weiteren Verlauf so richtig auf dessen Stil und Komik einlassen können.

 

Regisseur Ugo Gregorietti kam ursprünglich aus dem Dokumentarfilmbereich, andere Themen seiner Filme sind oft im sozialen, politischen oder biographischen Bereich angesiedelt. So dürfte man von „Omicron“ auch keine leichtherzige Komödie erwarten. Angelo/Omicrons zunächst rein mechanische und imitierende Lebensweise macht ihn zum perfekten Arbeiter, und so besteht ein wesentlicher Teil der Handlung aus seinem konfliktbeladenen Verhältnis zur Firma SMS und seinen Kollegen. Seine überschnelle Arbeitsweise führt schnell zum Ärger seiner linken Kollegen, deren Arbeitspensum vom Vorarbeiter dem Omicrons angepasst wird. Der Vorarbeiter wiederum erhofft sich von dem Sonderling einen Aufstieg innerhalb der Firma, weshalb er ihn bei sich wohnen lässt. Die Lebensgefährtin desselben ist allerdings neugierig auf Omicrons sexuelle Fähigkeiten. Als dies allerdings nicht zum gewünschten Ergebnis führt, versucht Omicron sein sexuelles Glück beim Vorarbeiter selbst, der ihn daraufhin brüsk den wütenden Fabrikarbeitern überlässt. All das ist überaus amüsant in Szene gesetzt.

 

Irgendwann hat Omicron allerdings die Nase voll von den Menschen und will weg. Der einzige Weg scheint ihm, den Körper von Angelo zu töten, doch das wird ihm von Ultra verboten. Und so sucht er nach einem intensiven Studium der Tagespresse allerlei Menschen dazu zu bringen, ihn zu töten. Unter anderem will er hier die junge Lucia (Rosemary Dexter) vergewaltigen (sie soll sich rächen, um ihre Ehre zu retten), was ebenso misslingt wie andere Versuche. Lucia ist es am Ende, die Omicron zu Fall bringt, indem sie das Gewissen in ihm und damit den totgeglaubten Angelo wieder zum Leben erweckt. Doch es ist zu spät, die Invasion von Ultra ist nicht mehr zu verhindern. Zu den herausragenden Momenten des Films gehört auch ein Report an Ultra, in dem Omicron in wenigen einfachen Worten und Bildern das System der Erde erklärt: Klassengesellschaft, monetäre Herrschaft, Kontrolle und Unterwerfung.

 

In Filmdatenbanken wird „Omicron“ als rein italienische Produktion gelistet, im Vorspann ist allerdings auch eine Pariser Gesellschaft genannt. Als Hauptproduzent wird Franco Cristaldi für Lux Film angegeben, gezeigt wurde „Omicron“ im Verleih der Paramount Italy. Als Organisator der Produktion wird Giuseppe Colizzi angegeben. Mit sichtlichem Spaß agiert Renato Salvatori, der die anarchische Hauptrolle bekam. Die musikalische Untermalung von Piero Umiliani ist bisweilen eingängig, bisweilen anstrengend.

 

Die Laufzeitangabe auf IMDb von 102 Minuten ist anscheinend falsch. Die deutsche Kinofassung lief 85 Minuten, was in etwa der italienischen TV-Ausstrahlung von 82 Minuten entspricht. Ein Kuriosum ist mir im Film aufgefallen. In der italienischen Tonfassung spricht die Frau, die zu Anfang Angelos Körper findet, Englisch. In einer Hospitalszene sprechen zwei Angestellte miteinander, die Krankenschwester Italienisch, der Krankenpfleger Deutsch. Hatte man kein Geld fürs Dubbing mehr? Oder nur eine weitere beabsichtigte Exzentrizität?

Links

OFDb
IMDb

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