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Drei Nonnen auf dem Weg zur Hölle

Italien, 1973

Originaltitel:

Più forte sorelle

Alternativtitel:

Des dollars plein la gueule (FRA)

Kansas City (FRA)

For a Book of Dollars

Deutsche Erstaufführung:

17. Juni 1976

Regisseur:

Mario Bianchi

Inhalt

Amen ist ein emsiger Kopfgeldjäger, dessen Beute so hoch ist, dass der Sheriff kein ausreichendes Budget besitzt, um den Bounty Hunter entsprechend zu entlohnen. Da Amen viel Freude an seinem Job empfindet, verzichtet er jedoch zuweilen auf ein paar tausend Taler und ist gar bereit für 50 Dollar in den Dienst von drei Nonnen, denen von Catapult und seinen Lumpenhunden eine hohe Geldsumme, die zur Errichtung gemeinnütziger Einrichtungen angedacht war, gestohlen wurde, zu treten, um die Desperados zu stellen und das Geld zurückzuerobern.

Review

Als es einst mit dem Privatfernsehen losging, durfte ich via Zimmerantenne die zahlreichen Filme, die bis dato von den Öffentlich Rechtlichen ignoriert wurden, wie beispielshalber die Vehikel mit Teri Tordai als Frau Wirtin von der Lahn, schauen. Einer dieser Beiträge, der dem selten erotischen, da zumeist schmuddeligen wie bleihaltigen Programmschema von RTL verpflichtet war - und sich von mächtig viel Bildschnee begleitet in meinem zentnerschweren Röhrenfernseher sowie in meinem Gedächtnis einnistete - bezeichnete die Programmzeitschrift, dem Beispiel des bundesrepublikanische Alemannia-Filmverleih folgend, als „Drei Nonnen auf dem Weg zur Hölle“. Dessen Eröffnungscredits einen gewissen Frank Bronston als Regisseur vor stellen, was mir zugleich die Enkodierung dieses Pseudonyms deutlich erleichterte, denn hinter dem Namen (Frank Bronston) verschanzt sich, die Inspektionen der italienischen Western „In nome del padre, del figlio e della Colt“, „Hai sbagliato... dovevi uccidermi subito!“ wie „Sing mir das Lied der Rache“ bekräftigen es, der für diversen Sleaze wie „Das Sex Taxi - Taxifahrer Report“ und „La Bimba di Satana“ verantwortlich zeichnende Mario Bianchi. Warum die OFDb, den großenteils als Regieassistent aktiven, Renzo Girolami (die italienischen Credits verweisen übrigens auf Renzo Spaziani, wohinter sich ein weiteres Pseudonym von Mario Bianchi versteckt) als Regisseur benennt, kann ich nicht beantworten, was uns auch nicht weiter interessieren sollte, denn die drei Nonnen tragen reichlich Bockmist wie flankierende Eulenspiegelei in ihren Koffern, worüber es sich schon eher zu plaudern lohnt.

 

„Weiß du Amigo, er ist ein guter Killer, aber leider etwas sensibel, er hat ein schlechtes Elternhaus.“ (Catapult)

 

Um es auch gleich klipp und klar zum Ausdruck zu bringen, hinter dem Terminus „Drei Nonnen auf dem Weg zur Hölle“ versteckt sich ein Film, der unabänderlich dem Bodensatz der italienischen Lichtspiele zuzuordnen ist. Aber: Angesichts der deutschen Bearbeitung von Schier-Film bekommt dieser Kappes eine deutliche Aufwertung spendiert, denn die saudummen Dialoge, die Michael Eder bastelte, spielten der erwarteten Zeitvergeudung einen Streich, sodass mir aus heiteren Himmel unterhaltsame 70 Minuten ins Haus standen.

 

Zitate wie „Lass´ dir vorm Einschlafen noch einen runterfummeln“, „Hilfe! Ich versinke in der Scheiße meiner Leute“ oder „Der schlägt wie Old Shatterhand“ reichen Personenbeschreibungen wie „anarchistische Schlampe“, „Reserve-Christus“, „alte Sau“ und „Hinterlader“ partnerschaftlich die Hände und provozieren den TV-Lautsprecher dazu, sich im Fremdschämmodus zu verschanzen. Genau dort nistete er sich ein, der Speaker, genervt von einem offensiven Krawallgeschnodder und einer hauchdünnen Story, die sich sukzessive im Irrsinn verliert und einhergehend einen Kopfgeldjäger gegen eine Bande von hirnamputierten Strauchdieben und deren Anführer, Catapult (dessen Optik an Frank Zappa erinnert), zu Felde ziehen lässt.

 

Währenddessen gibt Amen, warum soll ein Kopfgeldjäger nicht auf einen solchen Namen hören (?), andere heißen schließlich auch Hallelujah, nicht den Typ Antiheld, der per Maschinengewehr eine gegnerische Übermacht ins Jenseits transportiert. Amen lässt die Phantasie spielen und nutzt die Rezeptur, ein Abführmittel, eines fahrenden wie stets alkoholisierten Quacksalbers, um die Lumpenschar in den kollektiven Durchfall zu befördern. Was dann abgeht ist nahezu unfassbar, dass Plumpsklo wird gestürmt, Darmgeräusche und Kalauer, deren Patentierung jedem noch so untalentierten Hofnarren keine 2 Cent wert wären, wechseln sich ab und erzeugen ein Primatenspektakel, dass dem Aufruhr im Affenhaus kinderleicht zur Ehre gereicht. Der anbei gelieferte Soundtrack, das von den Eldorado Stones interpretierte Leitmotiv “Catapult” ist merklich an den Kompositionen von Oliver Onions angelehnt. Jenes Gute-Laune-Geträller, das auf Dauer gewaltig nerven und einen gegenteiligen Gemütszustand evozieren kann.

 

Die finale Überraschung, dass Aufdecken der Karten - die Identitätsdemaskierung - wird mit einem Halali begrüßt, das dem per Axt transportierten finalen Clou aus „Tenebrae“ nun wirklich - na was wohl? - keine Konkurrenz - sagen Sie bloß, Sie hätten etwas Gegenteiliges erwartet? - bereiten kann. Die Dechiffrierung ist demgemäß ebenso absehbar wie die Tatsache, dass dieser Film ein Tänzchen aufführt, welches total neben der Spur stattfindet. Ab und an kann sich jedoch eine ebensolche Debilitäts-Polka als eine willkommene Abwechslung vor- wie darstellen, denn Indianer kennen bekanntlich keinen Schmerz! Jetzt würde mich nur noch interessieren, welchem Stamm Schier und Eder angehören. Ei(eiei)ner geht noch:

 

Desperado 1 behauptet: „Er ersäuft ja!“
Desperado 2 antwortet: „Na und, das kann er ja wieder auspissen.“

Links

OFDb
IMDb

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