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Dial: Help

Italien, 1988

Originaltitel:

Minaccia d'amore

Alternativtitel:

Angoisse sur la ligne (FRA)

Telefono mortal (ESP)

Regisseur:

Ruggero Deodato

Inhalt

Gestresst von einer anstrengenden Anreise sucht das britische Foto-Modell Jenny Cooper (Charlotte Lewis) gleich nach ihrer Ankunft in Rom die erstbeste Absteige auf, um von dort aus ihren dubiosen Freund Marco anzurufen. Doch leider wählt Jenny infolge ihrer Aufgewühltheit die falsche Telefonnummer, was wiederum zur Folge hat, dass ihr anstatt Marco plötzlich ein ganzer Haufen angsteinflößender Stimmen ins Ohr säuselt. Völlig verdattert über das soeben Erlebte begibt sich Jenny direkten Weges in ihr frisch angemietetes Luxus-Apartment, wo ihr beim Abhören ihres Anrufbeantworters erneut die unheimlichen Stimmen entgegenhallen. Doch dies scheint gerade erst der Anfang eines schier nicht mehr enden wollenden Alptraums zu sein, denn egal wo Jenny im weiteren Verlauf auch geht und steht, lauern mordlüsterne Telefonapparate, die mit ihrem todbringenden Kabelsalat dem bereits am Rande des Nervenzusammenbruchs stehenden Fotomodell unentwegt nach dem Leben trachten...

 

Was Jenny bis dahin aber noch nicht ahnt: Durch ihr versehentliches Verwählen setzte sie bei der angerufenen Telefonanlage eine mordsmäßige Energie frei, die wiederum die Macht über sämtliche Telefonleitungen der Stadt sowie über die daran angeschlossenen Gerätschaften übernahm, die Jenny seitdem pausenlos attackieren. In ihrer Verzweiflung bittet das britische Modell schließlich ihre beiden Bekannten Carmen (Carola Stagnaro) und Mole (Mattia Sbragia) um Hilfe. Wird es den drei Freunden gelingen, das Geheimnis der mordgeilenTelefonapparate zu lüften?

Review

"Baby, you don't answer the telephone!"

 

In der zweiten Hälfte der 80er Jahre produzierte die bereits völlig am Boden liegende italienische Filmindustrie immer hanebüchener werdende Filmschoten, zu denen ich persönlich solch illustren Unfug wie beispielsweise AMERICAN RIKSCHA, RATMAN, ANIMAL RAGE, MIAMI GOLEM oder eben auch Ruggero Deodatos DIAL: HELP zähle. Gelang es dem Regisseur fünf Jahre später, eine übersinnlich-mordende “Waschmaschine” in subtilerer Weise gekonnt in Szene zu setzen, so schuf er bereits 1988 mit DIAL: HELP einen profanen Gegenentwurf, in dem entsprechend alles drunter und drüber geht: Ein britisches Modell setzt versehentlich eine mörderische Energie frei, die sich daraufhin unaufhaltsam über das örtliche Stromnetz ausbreitet und die Verursacherin auf Schritt und Tritt tyrannisiert - und zwar vorwiegend durch einen Telefonterror der übelsten Sorte. Dabei traktieren die Telefonapparate nicht nur durch ihr ständiges klingeln, sondern hypnotisieren auch handzahme Nachbarn, massakrieren friedfertige Zierfische oder lassen grundlos Wandspiegel zerplatzen. Hinzu gesellen sich schießwütige Münzsprecher, die ihren todbringenden Inhalt salvenartig auf einen notorischen Triebtäter abfeuern; eine fahrerlose U-Bahn, die mit Jenny an Bord völlig außer Kontrolle geraten im gesamten Metronetz Roms herumgeistert und selbstzerstörerisch veranlagte Telefonzellen, die vor lauter Scham im Boden versinken. Weiterhin geben sich die Ehre: Ein hochmodernes Telefongerät, das mit seinen hypnofrequenten Piepslauten nicht nur Menschen manipuliert, sondern diese auch noch fast in den Selbstmord treibt; ein vermummtes Meucheltelefon, das zunächst aus der giallotypischen Egoperspektive eine Wendeltreppe erklimmt, um dann genüsslich aus dem Hinterhalt heraus mit seinem tödlichen Kabelsalat unerbittlich zuzuschlagen; mordsgefährliche Deckenventilatoren, ein explodierender Herzschrittmacher und drosselgeile Magnetbänder, die der entgeisterten Hauptprotagonistin gegen Ende des Films noch einmal so richtig in bester Bondage-Manier zusetzen. Absurderweise greift Ms. Cooper trotz der ständigen Todesangst im Nacken bis zum bitteren Finale beharrlich nach jedem Hörer, sobald auch nur das leiseste Klingeln in ihrer Nähe zu vernehmen ist.

 

Keine Ahnung, was Ruggero Deodato damals geritten hat, als er sich dazu entschied, dieses völlig abstruse Drehbuch zu verfilmen. Dabei erzählte er in einem Interview, dass das Drehbuch schon einige Zeit unverfilmt herumlag, eben weil es gerade den Ruf besaß, viel zu konfus für eine Verfilmung zu sein. Die genauen Hintergründe werden wir wohl nie erfahren, was aber letzten Endes auch egal ist, denn Deodatos 'Giallo Assurdo' bietet trotz des hanebüchenen Handlungsverlaufs beste Unterhaltung. Hinzu gesellen sich eine gelungene Kameraarbeit und ein tadelloser Schnitt. Leider wurde dem Film vom damaligen Verleiher mit DIAL: HELP ein völlig uninspirierter Titel verliehen, denn wäre dieser ungeheuerliche Telefonslasher bereits in den glorreichen 70ern erschienen, hätte er bestimmt einen imposanteren Titel wie beispielsweise "Hatchet for the Telekom", "Schön, nackt und anrufstoll", "Wenn Du telefonierst, krepiere ich" oder "Die letzte Telefonrechnung schreibt der Tod" getragen. Neben der etwas ausdrucksschwachen Darbietung der dennoch stets bemüht wirkenden Hauptdarstellerin Charlotte Lewis sollte auch noch der unfassbare Gastauftritt von William Berger seine Erwähnung finden, der in der Rolle des übersinnlichen Energieberaters Prof. Irving Klein einen äußerst konfusen Auftritt aufs Parkett legt, bei dem sogar seine eigene Herzfrequenz schlagartig bis zum Zerbersten in die Höhe schnallt.

 

Das Einzige, was jetzt noch fehlt, wäre ein brandaktuelles Remake von DIAL: HELP: Kaum vorstellbar, wenn sich die mordsmäßige Energie von einer Trollfabrik ausgehend über die gesamten Mobilfunknetze ausbreiten und sämtliche Streichelhandys dieses Planeten in mordlustige CGI-Bestien verwandeln würde. Die Folge wäre höchstwahrscheinlich ein globales Worst-Case-Szenario, bei dem das hippe Smartmünzphon konsequenterweise auch noch mit wertlos gewordenen Bitcoins um sich schießen müsste.

 

Fazit: Telefone töten nicht unbedingt leise...

Links

OFDb
IMDb

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