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Conquest

Italien | Mexiko | Spanien, 1983

Originaltitel:

Conquest

Alternativtitel:

El bárbaro (MEX)

Conquest: À Conquista da Terra Perdida (POR)

La conquista de la tierra perdida (ESP)

Regisseur:

Lucio Fulci

Inhalt

Der junge Ilias (Andrea Occhipinti) wird aufs Festland geschickt, um im Kampf seine ersten Erfahrungen als Krieger zu sammelt. Ausgerüstet mit einem Zauberbogen stößt er auf das Böse in Form der maskierten Tyrannin Ocron (Sabrina Siani), die sich, umgeben von menschenfressenden Wolfskreaturen, selbst zur Göttin erklärt hat. Ocron ist allerdings tatsächlich mit mächtigen Kräften im Bunde, doch Ilias erfährt tatkräftige Unterstützung von dem erfahrenen Kämpfer Mace (Jorge Rivero). Um an Ilias‘ Zauberbogen zu gelangen, ruft Ocron schließlich den Dämon Zora (Conrado San Martin) zu Hilfe, und das Schicksal der beiden Helden scheint besiegelt.

Review

„Conquest“ ist bei vielen Fulci-Fans nicht so hoch angesehen, stellt er bei aller Genrezugehörigkeit ein Kuriosum dar. Filmautor Troy Howarth bezeichnet „Conquest“ als den Jess Franco unter den Fulci-Filmen, und tatsächlich finden sich Parallelen. Eine hauchzarte Storyline wird zu einem Eintopf an episodenartigen Szenen und Begegnungen, Kameramann Alejandro Ulluoa (welcher sich hinter dem Pseudonym Alejandro Alonso García zu verbergen scheint), taucht diese in Weichzeichner, wallende Nebelschwaden, filmt gegen das Licht, legt Negative übereinander, um Darsteller mitunter transparent erscheinen zu lassen. Das Kuriosum liegt vor allem darin, dass beabsichtigt war, einen kommerziellen Film zu drehen und diesen recht aufwändig in den USA in die Kinos zu bringen. Stilistisch verweigert sich Fulci mit „Conquest“ jedoch jeglicher Kommerzialität, mehr als je zuvor. Die Kinoaufführungen in den USA finden statt, Kritiker- und Zuschauerreaktionen kommen allerdings einer (künstlerischen, nicht kommerziellen) Katastrophe gleich.

 

Bleiben wir kurz bei Jess Franco, der mit diesem Film rein gar nichts zu tun hatte und doch so präsent wirkt. Fulci hatte keinerlei Beteiligung am Drehbuch von „Conquest“, und es steht zu bezweifeln, ob Fulci sich Francos Stil je bewusst gewesen wäre. Womöglich kannte er nicht mal dessen Namen. Und so steht zu vermuten, dass etwaige Ähnlichkeiten den spanischen Beteiligten zuzurechnen wären. Grundsätzlich erinnert das Konzept von Conquest – die episodenhafte Story mit ihren surrealen Wendungen und ihren diffus gefilmt und beleuchteten Szenerien - an Francos „Les exploits érotiques de Maciste dans l'Atlantide“ (1974), von dem leider nur noch die Hardcore-Fassung „Les Gloutonnes“ in Umlauf scheint. Niemand scheint zu wissen, wie Francos Original- bzw. Ursprungsfilm ausgesehen haben mag. Kameramann Ulloa hat in der Vergangenheit gar mit Franco gearbeitet, etwa an „Das Geheimnis des Dr. Z“ (Miss Muerte, 1966). Die Momente, in denen Ocron die Sonne aufgehen lässt (netter Trick, den ihr nicht mal die stumpf dreinblickenden Neandertaler abzukaufen scheinen), erinnern an Silhouhetten-Shots aus „Sadomania - Hölle der Lust“ (1981) oder die Hypnose/Voodoo-Szenen in „Macumba Sexual“ (1983).

 

Sabrina Siani wird von Fulci auf ihren Körper reduziert und bekam somit eine Maske aufgesetzt. Böse Zungen könnten jetzt behaupten, er habe sie nicht etwas aussetzen wollen, was sie nicht beherrscht – Mimik zum Beispiel – aber am Ende von „Conquest“ erfahren wir, warum sie diese Maske tatsächlich trägt. Apropos Masken. Conrado San Martin war wirklich ein Urgestein unter den spanischen Schauspielern, bekannt, beliebt und renommiert. Bis zu seinem 94. Lebensjahr war er in Film und Fernsehen präsent, zuletzt 2015 in einer kleinen Gastrolle in Victor Matellanos Vampyres-Remake. Conrado San Martin starb am 24. April 2019 im Alter von 98 Jahren, war bis dahin in mehr als 130 Rollen zu sehen, war seit 1955 verheiratet und konnte sich über einen Stapel Enkelkinder freuen. Ein erfülltes Leben. Doch auch ihm stülpte Fulci eine Maske über, und da „Conquest“ nur in gedubbter Form existiert, haben wir alle nur sein Wort darauf, dass sich unter dieser Maske tatschlich der Genannte verbarg. Egal.

 

Trotz aller Unterschiede zu anderen Werken Fulcis gibt es freilich Gemeinsamkeiten. Hierzu gehört selbstredend die Detailverliebtheit wenn es um die Darstellung von nässenden, pulsierenden und blubbernden Wunden geht. Für Gore sorgen zudem die Fressgewohnheiten der Wolfsmenschen und deren Göttin/Königin, wobei Erstere handfeste Fleischfetzen bevorzugen, während Ocron indes eher cerebrales Gekröse bevorzugt. Claudio Simonetti untermalt dieses eher von Annauds La Guerre du Feu als von Conan inspirierte Fantasy-Abenteuer mit Synthie-Sounds, die für ihn – damals zumindest – einen Neuanfang bedeuteten. Er entfernt sich von Goblin-typischen Tracks oder seinen kommerziellen Disco-Versuchen und sucht einen eigenen Stil zu finden, was ihm recht gut gelingt. Simonetti erstellte den Soundtrack in der Post-Production-Phase, Lucio Fulci selbst sei er nie begegnet.

 

Apropos Produktion. Niemand hat es je gewagt, die ungefähren Kosten von „Conquest“ zu schätzen. Trotz zahlreicher Außenaufnahmen auf Sardinien hat man einiges in Masken und technische Umsetzung (Nebel, sehr viel Nebel) investiert, doch Fulci ist – mal wieder – sauer. Obwohl er einen Vertrag für zwei Filme mit dem italienischen Produzenten Giovanni Di Clemente hatte (Film No. 2 sollte „Alibi“ werden), bricht er den Vertrag. Clemente verklagt Fulci, scheitert aber vor Gericht.

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