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Cocü

Frankreich | Italien, 1964

Originaltitel

Il magnifico cornuto

Alternativtitel

Le cocu magnifique (FRA)

Celos a la italiana (ESP)

The Magnificent Cuckold (USA)

Die große Hahnrei

Deutsche Erstaufführung

18. Dezember 1964

Inhalt

Der Hut-Fabrikant Andrea Artusi (Ugo Tognazzi) hat mit Maria Grazia (Claudia Cardinale) ein sehr schöne, lebenslustige und vor allem ehrliche Frau. Dessen ist er sich bewusst, und etwaige Eifersucht hält sich in Grenzen. Doch dann lässt er sich auf eine kurze Affäre mit Cristiana (Michéle Girardon), der Ehefrau des Industriellen Mariotti (Bertrand Blier) ein. Mariotti ist in Freundeskreisen eh schon als „der Gehörnte“ bekannt, denn seine Frau hat viele Affären. Sie ist dem auch gewachsen, ganz im Gegensatz zu Artusi. Schon nach dem ersten Date mit Michèle in einem Hotel manifestiert sich ein Gedanke, der durch zufällige Bemerkungen seines Bekanntenkreises stärker und stärker wird – wenn er seine Frau so einfach betrügen konnte, warum nicht auch umgekehrt? Andreas Eifersucht wächst und nimmt überaus groteske Formen an.

Review

Okay, hier ist der Spaß am ganzen Film: Zeuge zu werden, wie ein Mann sich komplett zum Narren macht. Andrea Artusi, glaubhaft verkörpert von Ugo Tognazzi, verkehrt in erlesenen Kreisen. Geschäftige und erfolgreiche Männer, die mit schönen Frauen mit sehr viel Freizeit verheiratet sind, die diese zu gelegentlichen Affären nutzen. Doch Andrea besitzt die große Ausnahme: die wundervolle Maria Grazia, wunderschön, offen, ehrlich, flirtet zwar durchaus, zieht aber ebenso schnell Grenzen zu den Bewerbern. Wir Zuschauer glauben keine Sekunde, dass diese Frau ihren Mann betrügen könnte, was das darauf folgende Szenario auch so verzwickt macht.

 

Andrea schläft mit einer anderen. Erst will er das gar nicht, doch er lässt sich von der gutaussehenden und leidenschaftlichen Cristiana herausfordern und geht darauf ein. Die fährt schwere Geschütze auf, erregt ihn gar mit dem Anblick des nackten Hinters ihrer schlafenden Hausangestellten. Die Affäre findet statt, ein sorgfältig ausgeklügeltes Treffen in einem Hotel findet statt. Schon auf der Heimfahrt zu seiner Frau zeigen sich bei Andrea erste Symptome – er hat das Gefühl, seine Hände würden nach Cristianas Parfüm riechen und dass er diesen Duft nicht abwaschen könne. Symptome eines schlechten Gewissens, dass sich aber schnell in etwas anderes verwandelt, nämlich in die Angst, dass seine Frau ihn ebenso leicht hintergehen könne, es vielleicht sogar längst getan hat. Von Andreas „schlechtem Gewissen“ werden wir für den Rest des Films absolut NICHTS zu Gesicht bekommen, lediglich von seiner steigenden, wahnhaften Eifersucht.

 

„Cocü“ fährt hier ein paar herrlich abgedrehte Momente auf, die letztendlich gerade deshalb so gut funktionieren, weil sie der Realität so nahe sind. Er durchsucht die Handtaschen seiner Frau, findet auf der letzten Seite eine verdächtige Nummer. Er telefoniert herum, um herauszufinden, zu wem diese Nummer gehört, streitet sich gar mit der Telefonzentrale, die behauptet, eine solche Telefonnummer würde nicht existieren. Tut sie auch nicht, es ist das Autokennzeichen seiner Frau. Er lässt Maria Grazia von einem Angestellten bespitzeln. Er will einen Freund überreden, sie zu verführen, um ihr so einen Betrug nachweisen zu können. Er täuscht einen Ausflug vor, nur um des nachts das Haus mit dem Fernglas beobachten zu können. Dabei qualmt er eine Zigarette, seine Frau und die Angestellten stehen derweil fassungslos hinter dem Fenster und sehen, wie hinter der Gartenmauer Andreas Rauchwölkchen aufsteigen. Andrea hat herrliche Visionen von der „Untreue“ seiner Frau. Besonders erwähnenswert ist hier, wie Maria Grazia bei einer Party den Gästen das neueingerichtete Schlafzimmer zeigen will. Er wartet unten und stellt sich vor, wie seine Frau die Gäste in schwarzem Negligé betört, während diese Nummern aus einer Lostrommel ziehen, wer wann an der Reihe ist. Und so weiter.

 

Claudia Cardinale ist absolut bezaubernd in diesem Film, Schönheit gepaart mit Ehrlichkeit. Und so fällt es uns schwer, das Ende des Films nachzuvollziehen, welches irgendwie nicht zu der Figur passt, die sie darstellt. „Cocü“ entstand nach einem Theaterstück des Belgiers Fernand Crommelynck, als Drehbuch adaptiert von Diego Fabbri, Ruggero Maccari, Ettore Scola und Stefano Strucchi. Die komödiantischen Szenen werden von einem schwungvollen Score von Armando Trovajoli untermalt, der Film beginnt und endet mit dem Song „La notte che son partito“, gesungen von Jimmy Fontana.

 

In größeren Nebenrollen und kleinen Cameos gibt es einige Prominenz zu sehen, auch wenn 1964 noch nicht alle davon wirklich prominent waren: größere Parts für Gian Maria Volontè und Susy Andersen, kleine Parts für Laura Antonelli, Lando Buzzanca, Brett Halsey und Fred Williams. Eine deutsche Kinofassung erschien im Dezember 1964 (leider um 20 Minuten gekürzt) im Verleih von Schorcht, wurde angesichts des drohenden Konkurses des Verleihers nur zwei Monate später an atlas weiterverkauft. In der DDR wurde der Film als „Der große Hahnrei“ gezeigt, Lauflänge unbekannt, auc ob es eine Defa-Synchro gab oder die „West-Fassung“ gezeigt wurde.

 

„Cocü“ ist eine herrliche Komödie des viel zu früh verstorbenen Antonio Pietrangeli, sollte man wirklich gesehen haben.

Links

OFDb
IMDb

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