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Die Bestie

Italien, 1970

Originaltitel:

La belva

Alternativtitel:

Le goût de la vengeance (FRA)

The Taste of Revenge (GBR)

The Beast (USA)

The Bell (USA)

Rough Justice (USA)

Regisseur:

Mario Costa

Drehbuch:

Mario Costa

Inhalt

Johnny Laster ist weder mit Intelligenz noch Charme und erst recht nicht mit Taktgefühl gesegnet. Stattdessen wütet in seinem Inneren eine Hypersexualität, die ihn dazu  nötigt, es mit jedem Weibsbild zu treiben, das ihm über den Weg läuft. Da jedoch kein Frauenzimmer der Welt bereit ist, sich diesem Scheusal hinzugeben, muss der lasterhafte Johnny rasch zu viel Geld kommen, um seinen Hormonhaushalt unter Mithilfe käuflicher Damen zu regulieren. Also tüftelt er gemeinsam mit Ricardo und dessen Freundin Juanita (muss ich sagen, was Johnny postwendend von ihr will?) einen Plan aus, der viel Zaster in die klamme Sexkasse und noch mehr Leichen in den Wüstensand befördert.

Review

Es mag sein, dass „Die Bestie“ zu Recht keinen guten Ruf innerhalb des IW-Universums innehat und dementsprechend ohne viel Federlesen dem Bodensatz zugeführt wird. Im Zuge dieser Kategorisierung sollte man jedoch nicht außer Acht lassen, dass der Film von etwas Außergewöhnlichem dominiert wird, denn es gibt - mir fällt immo jedenfalls nichts Vergleichbares ein - keinen Italo-Western, der eine derart unsympathische Hauptfigur zentralisiert: Johnny Laster, ein widerwärtiges Scheusal, dessen Nachname zu exzessiven etymologischen Wortspielereien einlädt und dessen Über-Ich vor langer Zeit die Flucht ergriffen hat. Die italienische sowie die bundesrepublikanische und englische Firmierungsschmiede waren sich demzufolge einig und verpassten Mario Costas Film, selbstredend in der jeweiligen Landessprache, den angemessenen Titel: „Die Bestie“.

 

„Ich mach dich nicht kalt. Ich will mich nur mit dir vergnügen.“ (Johnny Laster)

 

Das der Löwenanteil von Lasters Vergewaltigungsversuchen in die Hose geht, bewegt den von Humanität und Intelligenz befreiten Triebtäter freilich nicht zur Kapitulation, da ihn sein Sexualtrieb zu einer fortwährenden Unrast und rezidivierenden Sexoffensiven anspornt. Sollten diese von Erfolg gekrönt und das weibliche Opfer chancenlos ausgeliefert sein, wächst in Laster eine Souveränität, welche simultan einen Hochgenuss, die Herrschaft über den weiblichen Körper, evoziert. Eine Konstellation, die Laster in zweierlei Hinsicht befriedigen kann. Einerseits das Tilgen des Sexualtriebs und andererseits die Macht über Leben und Tod (die Vernichtung des benutzten Körpers, die sich in Costas Film auf der Metaebene abspielt) zu entscheiden. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass der Film dem Zuschauer eine Verbindung zur abstoßenden wie unberechenbaren Bestie geradezu aufdrängt und ihn in eine perverse Loyalität hineinzwingt. Währenddessen bleibt die Antipathie gegenüber der Bestie und ihren Taten allerdings kontinuierlich aufrechterhalten, sodass man die Eliminierung, egal von welcher Hand, des Scheusals erhofft und eben dieser herbeigesehnte Akt zur eigentlichen Identifikation aufruft.

 

Im Zuge dessen wird deutlich, dass das Westernambiente nur als Rahmung dient. Der Film könnte demnach in einer x-beliebigen Zeit oder an einem x-beliebigen Ort spielen, da er von keiner Epoche abhängig ist und primär in exploitativer Manier mit dem Publikum kommunizieren will. Um diesem Sensationsverpflichteten Filmkonzept gerecht zu werden, montierte man mehrere set pieces aneinander, was die Filmkritik dazu bewegte, diese (ihrer Ansicht nach pornohafte) Erzählstruktur als Manko zu etikettieren. Bei allem Ehrgeiz, den jene Beckmesser zweifelsohne zuhauf besitzen, um dem Verriss ein entsprechend adrettes Gewand zu verpassen, gilt es zu beachten, dass die erwähnten set pieces nicht aus dem Gesamtkontext des Films ausbrechen und stets ihren Bezug zum Sujet aufrechterhalten. Ergo kann und mag ich diese Begründung nicht bestätigen.

 

Jene bereits mehrfach genannte Bestie wird von Klaus Kinski, der, um der Rolle gerecht zu werden, keine große Wandlung durchlaufen und sich stattdessen nur so geben musste, wie er es im realen Leben meistenteils eh praktizierte, verkörpert. Kinskis ausschweifende Darbietung als Falschspieler, Psychopath und Vergewaltiger symbolisiert ein exzessives Flötenspiel, das den Zuschauer erfolgreich ins Kielwasser von Mario Costas explotativer Westernfregatte dirigiert. Wer die dabei verwendeten Karachostexte, also das Dialogbuch, verfasste, konnte ich nicht eruieren. Fakt ist, dass Berno von Cramm, Herbert Weicker wie Alexander Allerson zahlreiche, asozial gefärbte Sprüche in petto haben, die sich hinter den Richtlinien des guten Geschmacks, wie auch immer dieser zu definieren ist, zu einem munteren Whiskeyklatsch zusammentreffen.

 

Neben Johnny Laster offeriert Mario Costa zahlreiche weitere negativ konstruierte Figuren. Dieses Schema, die Zusammenrottung abjekter Westerner, weicht von der üblichen Marschroute (schauen Sie sich Costas Historienvehikel an) des Regisseurs, dem Schurken einen eindeutigen Helden gegenüberzustellen, deutlich ab. „Die Bestie“ könnte demnach auch in den Plural wechseln, da der Film, großzügig formuliert, nur wenige koschere Personen beherbergt.

 

Fazit: Von fiebrigen Basszupfern sowie Pauken und Trompeten begleitet tritt die Bestie in Costas Western-Vehikel ein, um möglichst viele Abscheulichkeiten zu praktizieren, so dass ihr nicht nur die Aufmerksamkeit des Publikums, sondern auch der allegorische Sturz in die Hölle gewiss ist. Trotz der negativen Kritiken und den inszenatorischen Defiziten, die der Film nun mal besitzt und nicht vertuschen kann, mag ich dem Vehikel seinen speziellen Charme nicht absprechen und würde bei einer digitalen Veröffentlichung definitiv zuschlagen.

Links

OFDb
IMDb

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