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Awkward Hands

Italien | Spanien, 1970

Originaltitel:

Manos torpes

Alternativtitel:

Clumsy Hands (GBR)

La venganza de Manos Torpes (MEX)

Matar, Fugir ou Morrer (PRT)

Quand Satana empoigne le Colt (FRA)

Quando Satana impugnò la Colt (ITA)

Quando um Bravo Empunhou o Colt (BRA)

When Satan Grips the Colt (GBR)

Inhalt

Peter Cushmich arbeitet als Handlanger auf der Warren-Ranch. Der Ranch-Eigentümer betreibt eine Pferdezucht und ist vom Wohlwollen seines reichen Nachbarn abhängig. Denn sollte dieser den örtlichen Fluss umleiten, wozu er das Recht wie die Macht besitzt, dann sitzt die kleine Ranch im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Trockenen. Doch Johnny, erwähnter Nachbar und selbsternannter Souverän, ist bereit Gnade walten zu lassen, sofern Warrens Tochter (Dorothy) seine Ehefrau wird. Ergo könnten sich alle Probleme in Wohlgefallen auflösen, wenn doch bloß nicht der in Dorothy verliebte Laufbursche Peter Cushmich wäre. Was die Waagschale gänzlich aus dem Gleichgewicht reißt und sie mit dem untersten Negativwert kokettieren lässt: Dorothy erwidert Peters Gefühle. Demgemäß verlässt das Paar die Warren-Ranch, um in einem schäbigen Saloon zu heiraten. Freilich können Warrens Häscher das Paar ausfindig machen und zur Ranch zurückbringen. Peter wird vom alten Warren fast zu Tode gepeitscht und anschließend (einen besonders qualvollen Tod vor Augen) in der Wüste ausgesetzt. Doch an die Stelle des erwarteten Sensemanns tritt einer seiner (die Todeskonjunktur antreibenden) Zuarbeiter, der Kopfgeldjäger Latimore, der Peter vor dem Verdursten rettet und ihn zu dem Chinesen Chang bringt, der den jungen Blondschopf gesund pflegt. Peter dürstet von Stund an nach Rache, und Chang ist bereit ihm das dazu benötigte Rüstzeug zu vermitteln.

Review

Die Kugel, die innert des Filmauftakts in die Stirn des Hauptprotagonisten eindringt und ihm auf diesem Wege ein Ticket in Himmel oder Hölle in Aussicht stellt, lässt eigentlich eine fortan regierende Rückblende erwarten. Doch dazu kommt es nicht, denn Peter Cushmichs Ermordung fand nur in Peters Traum statt, womit er (Peter Cushmich) allerdings nicht allein dasteht. Schließlich haben im Dunstkreis von MANOS TORPES einige geträumt. Damit möchte ich zuerst den bundesdeutschen Verleih ansprechen, der sich nach TWO CROSSES AT DANGER PASS einen weiteren starken Western von Rafael Romero Marchent entgehen ließ. Ebenfalls geträumt hat der/die Autor/in der Wikipedia-Inhaltsangabe, denn nur so konnte er/sie aus dem zitierten Traum Taten ersehen, die - zumindest nicht in jenem eingangs angesprochenen Traum - stattfanden.

 

Die kraft der Inhaltsangabe mögliche wie ggf. von Ihnen erwartete Familienfehde findet ebenfalls nicht statt. Der Großrancher Johnny hat nämlich alle Trümpfe in der Hand. Sich gegen ihn und seine Gefolgschaft aufzulehnen, wäre glatter Selbstmord. Johnny könnte Warren jederzeit das Wasser abgraben und ihn ruinieren, da können der eher salomonisch eingestellte Charly (gespielt vom IW-Abo-Sheriff Luis Induni) als auch Warrens kleine Folterschwadron (besetzt wie geführt von einem fiesen Frank Braña) nichts ausrichten.

 

Dereinst war die Sachlage noch eine andere. Beide Ranches florierten und ihre Eigner zählten zur Präriearistokratie. Doch Warren konnte den Hals nicht voll genug bekommen und verlor beim Pokerspiel sein Hab und Gut an Johnnys Vater. Seither wird die Warren-Ranch nur geduldet, aber nicht geachtet. Warrens einzige Kostbarkeit ist seine Tochter Dorothy, die von Johnny als auch vom Stallburschen Peter begehrt wird. Und wie das mit den Pfeilen des listigen (auch als schalk- wie boshaft verrufenen) Cupido so ist, entscheidet sich das Mädel nicht für den - wie sie ihn bezeichnet - „dummen, unhöflichen und eingebildeten“ Krösus, sondern für den Habenichts, den sie schon bald in einem Saloon ehelichen wird. Das klingt etwas nach Tragik-Western - und es wird gar ein bisschen Tragik-Western. Sodass ich hin und wieder an Baldis Glanzstück SEINE KUGELN PFEIFEN DES TODESLIED (ja, der spielt in einer anderen Liga, ich spreche ja nur auf den Kontext Tragik-Western an) denken musste. Für die kurzen Gedankenausflüge sorgen notabene auch Pilar Velázquez und Alberto de Mendoza, auch wenn sie bei MANOS TORPES nicht so gigantisch gut wie bei TODESLIED sind, aber das erwarte(te) ich ja auch nicht.

 

MANOS TORPES hat eh einiges auf der Pfanne, das nicht unbedingt im Tagesmenü zu erwarten war. Ich war nämlich äußerst erstaunt, als ich in einer von Menschen wie Gott verlassenen Kleinstadt urplötzlich mit einer Atmosphäre versorgt wurde, wie ich sie in italienischen Zombiefilmen der 1980er erfahren habe. Und in diesem Kontext erfolgt eine der vielleicht fiesesten Todesarten, die das italienische Westernkino hervorgebracht hat. „Zu jeder Gelegenheit und allerorten: Eieiei Verpoorten“ oder einfach nur mal laut und kräftig „Heidewitzka, Herr Kapitän“.

 

Mit dem Gütesiegel „Fies“ mag ich auch den Rancher Warren, der nicht nur seine Tochter wie Ware behandelt, sondern auch Peter das ein ums andere Mal seine handwerklichen Fähigkeiten an der Bullenpeitsche spüren lässt, etikettieren. Das klatscht ganz gewaltig und der Rancher, der jegliche aufrufbare Energien in jeden einzelnen Peitschenhieb legt, kommt dabei arg ins Schwitzen. Eine sadistische Veranlagung mag ich Warren allerdings nicht attestieren. Warren ist frustriert und bündelt Hass wie Enttäuschung, um das der Verbitterung geschuldete Gemenge an Peter, der seine Hoffnungen zerstörte und den vermeintlich rettenden Strohhalm ins Unerreichbare beförderte, zu entladen.

 

Im Punkto Sadismus fällt mir (mit Blick auf die reale Geschichte Amerikas) der Rinderbaron Isom Prentice Olive alias Print Olive ein. Olive war ein übler Zeitgenosse, der sich beispielsweise für zwei ertappte Viehdiebe etwas ganz Besonderes einfallen ließ: Den Spanischen Tod. Die Diebe wurden bei lebendigem Leib in die Häute frisch geschlachteter Rinder eingeschnürt. Der Fall löste zwar allgemeines Entsetzen aus, aber es geschah nichts. Denn obwohl Olives Missachtung fremden Lebens dem Ehrenkodex des Rindereichs widersprach, gehörte er nun mal zur Präriearistokratie, und die war quasi ihr eigener Richter. Allzu lange konnte Olive, der später von den Zeitungen auf den Namen Menschenverbrenner getauft wurde, seine tödlichen Fisimatenten allerdings nicht treiben, und wurde alsbald aus Nebraska vertrieben. Dazu bei nächster Gelegenheit mehr.

 

Also zurück zum Film, der sich meines Erachtens erfolgreich an die Ingredienzien einer Tragödie hält. Die Exposition ist flott abschlossen, und wir lernen die bereist erwähnten Charaktere (die nicht jener intensiven Psychologisierung unterzogen wurden, wie es in R. R. Marchents TWO CROSSES AT DANGER PASS der Fall ist) flink kennen. Demgemäß ist die Ausgangslage dito fix definiert: Es geht um die Existenz einer Ranch, um zwei Männer die dasselbe Mädchen begehren, um jenes love-interest sowie dessen frustrierten Vater. Diese Konstellation sorgt erfolgreich für erregende wie retardierende Momente, die den Zuschauer in das Geschehen hineinziehen. Über dem Ganzen schwebt der symbolische Sensemann (der Kopfgeldjäger Latimore), der für eine Katharsis sorgen oder sie schlussendlich verhindern könnte? Denn Fakt ist, dass sich der Zuschauer während der Sichtung auf die Seite von Peter Cushmich schlägt und simultan eine Akzeptanz für die Gewalt entwickelt. Er akzeptiert, dass Gleiches mit Gleichem vergolten wird.

 

Dass das Gesamte den Sehwerkzeugen besonders appetitlich lanciert wird, ist Antonio Gimenos Kameraarbeit wie Miguel Fernández Milas hervorragender Montage verpflichtet. Es werden starke Parallelmontagen geboten, und die Präsentation des finalen Duells kitzelt eine beachtliche Note heraus.

 

Das Leitmotiv wurde von Antón García Abril (der der NACHT DER REITENDEN LEICHEN ihre schaurigen Klänge spendierte) komponiert und klingt etwas nach „Scarborough Fair“, bevor das Theme in eine Art Easy Listening mündet. Das hört sich außergewöhnlich an? Das ist ja auch ein außergewöhnlicher Western, Sie Nase!

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