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Ator II - Der Unbesiegbare

Italien, 1982

Originaltitel:

Ator 2 - L'invincibile Orion

Alternativtitel:

Ator 2 - El invencible (ESP)

Ator the Invincible (GBR)

The Blade Master (USA)

Ator - Der Barbar kehrt zurück

Deutsche Erstaufführung:

24. Februar 1984

Regisseur:

Joe D'Amato

Kamera:

Joe D'Amato

Drehbuch:

Joe D'Amato

Inhalt

Akronos, ein weiser Mann, der in weit entfernter Vergangenheit auf einem Schloss lebt und dort neues Wissen schafft, hat ein Element, das er das Strahlende und wir die Kernenergie nennen, erforscht. Die Entdeckung bringt zwei Optionen mit sich: Sie könnte die Welt vernichten oder in ein Paradies verwandeln. Akronos, der im Dienste der Wissenschaft steht, will freilich die Realisierung der erstgenannten Option verhindern. Demzufolge schickt er seine Tochter, Mila, fort, um Ator, der uns als Herr des Feuers bekannt ist, zu finden. Ator soll verhindern, dass das Strahlende in die Hände Zorans (wie Ator ein einstiger Schüler des weisen Akronos) fällt. Doch Milas Weg zum  Heilsbringer birgt unzählige Gefahren!

Review

Auch wenn die Barbarenfilme eine deutliche Portion Peplum inkludieren und demzufolge ebenfalls einen muskulösen Helden in das Zentrum stellen, lässt sich die eigentliche Divergenz dieser beiden Filmheroen selbst mit einem ungeschulten Auge leicht enkodieren. Jene barbarischen Kämpfer besaßen zwar einen ähnlichen Körperbau wie beispielsweise Herkules, Maciste und Ursus, allerdings nicht die übermenschlichen Kräfte, mit denen die neomythologischen Helden tonnenschwere Lasten durch die Antike schleppten wie schleuderten. Sie (die Barbaren) waren eher humaner Natur, verletzlich wie sterblich und demgemäß in ihrer Handlungsweise eingeschränkt, was ihnen Kampf gegen Monster und Sektenoberhäupter erschwerte. Die Beweggründe ihrer Kämpfe beziehungsweise ihrer Auflehnungen sind hingegen weitestgehend konform, sodass ihre Motivationen zur Befreiung oder zur Rache von Tyrannei oder dem Verlust geliebter Menschen aufgerufen werden. Ator ist eine dieser Figuren, die ihm Dienste der Schwachen stehen und die Urwelt vom Bösen befreien wollen.   

 

Nach einer ergiebigen Rückblende auf den Vorgänger, „Ator - Herr des Feuers“, werden wir mit einer Entdeckung konfrontiert, die in den falschen Händen nicht zum Segen, sondern zum Fluch für die Menschheit geraten wird. Jene Konstellation lässt das klassische Gut und Böse Thema sowie das Geschwistermotiv, da es sich bei den Kontrahenten um zwei ehemalige Schüler, Ator und Zoran, desselben Lehrers handelt, in Aktion treten. Während der Jagd über Wiesen, Wälder und durch Höhlen, eigentlich müsste man den Singular verwenden, da stets dieselbe Grotte frequentiert wird, konfrontiert D´Amato seine Zuschauer mit einer Art Steinzeitmenschen, die etwas an die Kannibalen der italienischen Lichtspiele erinnern und zugleich als die Hüter der sakralen Zeit fungieren. Gemäß des Off-Kommentators (der ein tolles Dialogbuch nutzen durfte) glüht in diesen Typen bereits ein höherer Funken Intelligenz, denn sie haben gelernt das Feuer zu beherrschen und denken über Gut und Böse nach. D´Amato wäre allerdings nicht D´Amato, wenn er es bei einer solch einseitigen Reflektion belassen würde. Demgemäß schafft der Regisseur ein paar wenige Meter entfernt mithilfe eines Schlosses, dessen Äußeres an Neuschwanstein (was freilich dem urlauberischen Archivmaterial zu verdanken ist) und sein Inneres an einen Mad Scientist-Film späterer Prägung (man denke an „Frankensteins Höllenmonster“) erinnert, ein frappierendes Bild, das ergo zwei weit entfernte Punkte auf der imaginären Zeitachse aufeinanderprallen lässt. Sie sollten sich demgemäß darauf vorbereiten, dass Ihre Kinnlade während der Filmsichtung dann und wann nach unten klappen wird.     

 

Auch wenn „Ator 2“ so manches inszenatorische Defizit aufweist, kann man dem Film die erfolgreiche Zündung seines einhergehenden, unfreiwilligen Humors nicht absprechen, was übrigens nicht allein Miles O'Keeffe, dessen Mimik wie Gestik beim Geheimnisvollen Filmclub viel Applaus evozieren würde, verpflichtet ist. „Ator 2“ hat den Erwartungen entsprechend halt manch willkommenen Unfug, wie den Kampf des Helden mit einer Riesenschlange, im Gepäck. Ungeachtet des überdimensionalen Gummigetiers, sind die Schwertkämpfe, also die Mann gegen Mann Auseinandersetzungen, ordentlich choreographiert. Was dem Film allerdings fortwährend schlecht zu Gesicht steht, ist seine banale Synthesizermusik, welche dem Produktionsmusikarchiv entstammen könnte und die Kraft eines Tranquilizers besitzt. In der Türkei wäre man bestimmt cleverer gewesen und hätte einfach den Conan-Score eingesetzt. „Conan - Der Barbar“ liefert, was niemanden überraschen wird, auch die Inspirationsquelle, aus der sich D´Amato einen kräftigen Schluck Met genehmigte, um seine schnell erzählte Geschichte zumindest halbwegs attraktiv zu gestalten. Demzufolge setzt der Regisseur auch auf Milius stereotype Darstellung und bedient sich seiner (Milius) Antagonisten, sodass wir unter anderem mit einer Schlangenkultsekte und deren tyrannischem Treiben konfrontiert werden.     

 

Fazit: Von schäbigen Kulissen und kostengünstigen Requisiten begleitet, stolziert Ator mit frisch geföhnter Pornomatte durch kahle Landschaften, um die verschobene Urwelt zumindest halbwegs ins Lot zu rücken. Wer die erwähnten inszenatorischen Defizite tolerieren kann und ggf. gar ein Faible für derartige Unzulänglichkeiten hegt, der kann sich Ators Fantasy-Trip wohlgemut anschließen. Alle anderen sollten sich in ihrem eigenen Interesse lieber aus der Nummer raushalten, ansonsten würde das Geschehen vornehmlich mit einem missmutigen Gejammer rezipiert werden. - und das wollen wir doch alle nicht, oder?

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