The Fantastic World of Spaghetti Western

  • Komponist: Ennio Morricone - Riz Ortolani - Piero Piccioni - Armando Trovajoli - Francesco De Masi - Antón García Abril
  • Label: EMI General Music
  • Erscheinungsart: CD
  • Erscheinungsjahr: 1996
    • Tracklist:

      Ennio Morricone – VAMOS A MATAR COMPANEROS

      Vamos a matar, companeros

       

      Riz Ortolani – UNA RAGIONE PER VIVERE E UNA PER MORIRE

      Titoli

      Eroicamente insieme

      Il forte

      Una ragione per vivere (Finale)

       

      Piero Piccioni – SE INCONTRI SARTANA PREGA PER LA TUA MORTE

      Sartana’s Theme

      Sycamor Trails

      West of Sunset (Love Theme)

      Mexican Borders (End Title)

       

      Ennio Morricone – TEPEPA

      Al Messico che vorrei

       

      Armando Trovaioli – I LUNGHI GIORNI DELLA VENDETTA

      Titoli

      La prateria

      Amore per uns aquaw (Love theme)

      L’agguato

      Vai, cowboy, vai

       

      Francesco de Masi – 7 WINCHESTER PER UN MASSACRO

      Titoli (Seven men)

      Suspense I

      Suspense II

      Seven men

       

      Ennio Morricone – I CRUDELI

      I crudeli

      Prima dell’assalto

      La congiura

      Dopo la congiura

       

      Antón García Abril – TEXAS, ADDIO

      Texas addio (Vocal)

      Amor por ti

      Angoscia e serenità

      Al tramonto

      Rodeo messicana

      Texas addio (Instrumental)

       

      Ennio Morricone – CHE C’ENTRIAMO NOI CON LA RIVOLUZIONE?

      Che c’entriamo noi

  • Soundtracks zu Italo-Western zu bekommen ist manchmal gar nicht so einfach. Klar, die gängigen Morricone-Gassenhauer wie ZWEI GLORREICHE HALUNKEN oder SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD bekommt man bei jedem großen Drogeriemarkt, aber sobald Komponist und/oder Film etwas obskurer werden steht der Musikfan oft vor unlösbaren Problemen. Und wenn er dann für manchmal recht durchwachsene Beträge das Objekt der Begierde in den Händen hält, dann ist die Enttäuschung oft groß, besteht ein IW-Soundtrack doch nicht nur aus dem feurig-tragischen Titellied in mindestens 3 oder 4 kaum unterscheidbaren Versionen, sondern meist auch aus minutenlangen stimmungsvollen Zusammenspielen zwischen z.B. Schlagzeug und Cello. Musikalisch sicher nicht uninteressant, einer Apocalyptyca-CD inhaltlich allerdings meist unterlegen.

     

    Um dieses Problem zu lösen gibt es Sampler. Auf einem Sampler ist dann z.B. ein Best of Morricone zu finden (ZWEI GLORREICHE HALUNKEN und SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD, wieso kommt mir das jetzt so bekannt vor?), oder aber, wie im vorliegenden Fall, eine etwas inhomogen erscheinende Mischung aus verschiedensten Scores. Eine Art Best-of-Weird-IW gewissermaßen …

     

    Der Einsteiger ist, natürlich, Ennio Morricone, ganz ohne Dollar-Trilogie, sondern stattdessen mit dem schmackigen Titeltrack zu LASST UNS TÖTEN, COMPANEROS. Tempo- und stimmungsreich reiten wir mitsingend der Revolution entgegen, werden dabei aber von den nächsten 4 Stücken aus dem Film SIE VERKAUFEN DEN TOD von Riz Ortolani ausgebremst. Diese klingen durch den starken Einsatz von Streichern und ohne den typischen Badabam-Badabam-Western-Rhythmus in sehr hohem Maße US-amerikanisch und heroisch. Hier ziehen eher Bilder von endlosen Prärien und mutigen Siedlern in Wagentrecks vor meinem Auge vorbei, als unrasierte und braungebrannte Loner die für Geld töten.

     

    Weiter geht es mit SARTANA – BETE UM DEINEN TOD von Piero Piccioni. Hier würden mich die Gründe für Auswahl der 4 Tracks mal interessieren. “Sartana’s Theme“ (ja, so steht es auf der Hülle) ist unerheblich, “Sycamore Trails“ groovt mit der Hammondorgel wie aus einem Giallo, West of Sunset“ ist das Liebesthema des Filmes, klingt auch genauso, und könnte ebenfalls aus einem Giallo stammen. Der Schlusstitel “Mexican Borders“ schließlich hat feinstes Lounge-Flair wie aus einem, man ahnt es schon, Giallo. Alles recht nett, aber nicht unbedingt das was ich erwarte wenn ich einen Western-Sampler hören mag. Ich war zugegeben noch nie ein großer Fan von Piero Piccioni, und mit diesen Stücken wird er es auch weiterhin nicht schaffen mein Herz zu erobern, zumindest nicht im Western-Bereich.

     

    Es folgt das wunderbare und überwältigende “Al Messico che vorrei“ aus TEPEPA, komponiert von Ennio Morricone und gesungen von der Sängerin Christy. Was für ein Unterschied zu dem vorhergehenden Geknödel, welch Dramatik und Gefühl für die Musik. Es hat schon einen Grund warum Morricone nach 50 Jahren Schaffen noch in aller Munde ist, während ein Piccioni nur noch in Fankreisen bekannt ist. Allerdings erschließt sich mir nicht, warum aus dem hervorragenden TEPEPA-Soundtrack nicht noch mehr Stücke beigefügt sind, die sind nämlich alle so toll. Schade, Chance verpasst …

     

    DER LANGE TAG DER RACHE von Armando Trovaioli klingt dann endlich so wie man es haben möchte: Eine Trompete, die über einem langsamen Badabam-Badabam-Marschrhythmus und einer spanisch angehauchten Gitarre das traurige Lied vom Sterben singt, hach wie ist das schön. In den folgenden Tracks (5 Stück sind es insgesamt) kommt dann noch kurzzeitig eine Stratocaster dazu, und sogar das Liebesthema mit der Harmonika passt ganz passabel in den Kontext. Nur das letzte Thema, “Vai, Cowboy, vai“ klingt schon arg nach Ronny …

     

    Genauso stimmungsvoll, aber knalliger, dann DIE SATANSBRUT DES COLONEL BLAKE von Francesco de Masi. Der Titeltrack ist hier einmal instrumental vertreten und einmal gesungen von meinem Lieblingstenor Raouuuuuuuul, was zwar im Film nicht vorkommt, aber toll klingt und echte Ohrwurmqualitäten hat. Dass die anderen beiden Stücke zum Film etwas abfallen (und nach Füllmaterial, siehe oben, klingen) macht da schon gar nichts mehr. Raoul rocks!

     

    Als nächstes folgt DIE GRAUSAMEN von Ennio Morricone. Das Titelstück ist von Moricone-Samplern durchaus bekannt, hier aber nicht in der sonst meist vorhandenen tragischen Version sondern mit Perkussion hinterlegt, was gar nicht schlecht kommt. Danach passiert erstmal nicht mehr viel – Das Warmspielen des Perkussionisten in Kombination mit stimmungsvollen Disakkorden des Klaviers habe ich, man möge es mir verzeihen, schon auf so vielen Soundtracks gehört, dass ich dem nicht mehr so richtig viel abgewinnen kann.

     

    TEXAS, ADDIO, der je nach Lesart erste oder zweite Django-Film mit Franco Nero, hat ein unglaublich schönes und stimmungsvolles Titellied von Antón García Abril zu bieten – zumindest im Film und vermutlich auf der japanischen CD. Im vorliegenden Fall ist die Titelmusik gleich zweimal vertreten: Einmal gesungen, allerdings kommt statt der im Film eingesetzten Streicher hier eine Harmonika zum Einsatz sowie irgendwas was klingt wie Kokosnüsse. Sind denen die Pferde ausgegangen? Klingt auf jeden Fall befremdlich. Die andere Version ist dann instrumental und bietet die Filmversion, aber eben ohne den schönen Gesang. Quasi die Karaoke-Version. Ganz ganz großes “Schade“ in Großbuchstaben, denn auch die anderen Tracks des Films sind brauchbar und machen Lust den Film mal wieder anzuschauen. Und das ist es ja schließlich warum man sich einen Soundtrack kauft – die Bilder des Films kommen beim Hören wieder hoch und man möchte, so der Score gelungen ist, den Film mal wieder sehen.

     

    Den Abschluss bildet dann erneut Ennio Morricone mit der Musik zu BETE, AMIGO. Ein Piano-Thema mit Geräuschen, irgendwo zwischen Saloon-Musik und TODESMELODIE. Nett, aber auch nicht mehr.

     

    Die CD ist erschienen bei EMI General Music und bietet neben sehr rudimentären Stabangaben zu den einzelnen Filmen noch 3 schwarzweiße Ausschnitte aus Filmplakaten sowie 2 ganzformatige farbige Abbildungen von Plakaten (nämlich zu UNA RAGIONE … und TEXAS, ADDIO). Insgesamt ein eher durchwachsener Eindruck den die Veröffentlichung hinterlässt. Den Titel “The fantastic world …“ hätte ich persönlich eher umgeändert in “The something weird world …“, aber die Themen von I LUNGHI GIORNI DELLA VENDETTA und 7 WINCHESTER PER UN MASSACRO reißen es schon halbwegs raus. Und was den Morricone angeht, da rate ich eher zum Kauf derjenigen CD, welche die Soundtracks zu TEPEPA und VAMOS A MATAR enthält, die lohnt nämlich wirklich.

  • Autor: Maulwurf
  • Links

    Discogs

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