KultKino - Das 35mm-Spektakel im Filmcenter Dillingen

Ein kleines Resümee zur 35mm-Sause vom 13. Juni 2015

Gleich vorweg... ich hatte mich schon Wochen zuvor auf diesen Tag gefreut, nicht nur weil es vier knackige Streifen im allerschönsten Filmformat gab, sondern weil auch viele Filmfreunde und Gleichgesinnte zum besagten Event hinpilgerten, wobei sie dem Hinderniss von langen Wegen und Fahrten regelrecht trotzten, um bei diesem Spektakel "live" mit dabei zu sein.

Pünktlich vor'm Kino angekommen, versammelte sich auch schon eine Schar von Filmliebhabern, um endlich ihre begehrten Tickets (und ganz besonders die Vorbesteller ihre Serum Schwarz-Brause) in Empfang zu nehmen. Es hieß uns ein sehr freundliches Personal willkommen, welches wohl nicht mit so einem Andrang an einem sonnigen Samstagnachmittag gerechnet hatte und nachdem jeder ein Los für's Gewinnspiel vor jeder Vorstellung eingesackt hatte, ging's in den großen Saal hinein, welcher schon anständig mit beschwingtem Gedudel von damals beschallt wurde - natürlich stilecht von einem alten Tonbandgerät, denn wenn man sich schon darauf einläßt, einen langen Abend in der Vergangenheit zu verbringen, dann aber richtig!

Eingeläutet wurde die Festivität vom Spielleiter Bernd, welcher ein paar Worte über das KultKino-Event verlauten ließ, sowie einen herzlichen Dank an's Publikum ausrichtete, weil es so zahlreich erschienen war - nur lieber Bernd, haben wir Dir in erster Linie zu danken, dass Du uns so eine leckere Filmauswahl kredenzt hast und natürlich auch vom Gesamtkonzept, sowie dem ganzen reibungslosen Ablauf - es war wunderschön.

Und endlich fing der Projektor hinter uns zu rattern an...FILM AB! Der erste von vier Streichen war "King Kong gegen Godzilla" - ein japanischer Kaijū-Film von Regisseur Jun Fukuda. Eine tolle Kopie verzückte unsere Augen und das Story-Geflecht um die außerirdischen Invasoren, welche mit ihrer mechanischen Superwaffe King Kong den Erdenbewohnern, sowie den Monstern Godzilla, Rodan und König Caesar mächtig einheizen. Die deutsche Vertonung war natürlich wieder total fesch und hatte wohl das ABC der damaligen Sprecher-Elite an Bord, sehr zum Gefallen des Kinopublikums. Eine feine Sause und erst recht ein gelungener Auftakt, aber keine Angst - die nachfolgenden Filme sollten der asiatischen Monsterklopperei vom Unterhaltungsfaktor in keinster Weise nachstehen!

Weiter ging's nach kurzer Pause, Gewinnspiel und ein paar feinen Trailern mit "Quintero - Das As der Unterwelt", in unseren Breitengraden aber auch schlicht und einfach unter "Der Killer" bekannt. Klaus Kinski prangerte fett mit maschineller Puste auf dem Plakat, aber zog in diesem italienischen Gangster-Thriller nur die Nebenrolle, welche aber trotzdem viel Rabatz machen darf. Mit Nello Pazzafini, Franco Citti und Maurice Poli wurde das Treiben mit bekannten Gesichtern besetzt und konnte so in der ersten Stunde das Publikum in einen Rausch ziehen - vielen beinharten Sprüchen und unfreiwilligen Lachsalven inklusive. Auch hier wieder wunderschöne Farben und überhaupt waren die Filmkopien, daraufhin betrachtet, das sie schon mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel haben, in bester Verfassung - kein Rotstich, ein paar kleine Verunreinigungen, aber sonst wurde uns ein sehr knackiges Bild präsentiert.

Nach einem kurzen Snack zum Abend, ging's in die 2. Halbzeit, welche mit Lee Frost's "Sadomona - Insel der teuflischen Frauen" angestimmt wurde. Hui...was war denn das bitteschön für eine grindhousige Bombe? Dicke Sprüche, hübsche Bräute und ein regelrechtes Verlangen nach Gewaltexzessen - wir waren im 7. Schundhimmel. Sondra Currie heizt hier als Polizistin Lacy Bond (ja, über ihren Nachnamen machen sich auch schon die Kollegen von der Sitte lustig - aber ihnen vergeht das Lachen ziemlich schnell wenn Lacy im Rauf-Modus ist) dem Verbrechergesindel hier mächtig ein und schreckt nicht davor zurück, das elende Pack in ausufernder Notwehr zu malträtieren, welche hier in Form von rebellischen Babes, angeführt von einer älteren Dame, Unruhe stiften wollen. Ein Film, wie gemacht für Subkultur's Grindhouse Collection und eine wahre Partyrakete, der Saal war teilweise am ausflippen, aber staunte auch ab und zu nicht schlecht, mit welche Vehemenz hier gewaltmäßig zugeschlagen wurde - nunja, anscheinend ist auch Mr. Tarantino ein großer Fan von Frost's Werk, wie wir in der Vorrede erfahren durften.

Bevor dann Mario Mancini's Gruselheuler "Frankenstein '80" - ein unfreiwillig-wahnwitziges Horrorschmankerl aus Bella Italia, den Abschluss machte, gab es noch eine kurze Danksagung vom Kinobesitzer, welcher wohl auch nicht mit so einer Resonanz gerechnet hatte und auch für ihn dürfte der Kurztrip in die Vergangenheit geglückt sein, denn er hatte wohl schon seit ein paar Jährchen keinen 35mm-Projektor bedient. Wir waren berührt von seiner Ansage und konnten uns nun, nach heftigen Applaus in's letzte filmische Schundabenteuer stürzen. Nun sah' ich "Frankenstein '80" schon zum vierten Mal, aber trotzdem die Laufstreifen gelegentlich auf und ab tanzten, konnte ich diesen Film in seiner schönen Farbenpracht endlich einmal auf dem großen Screen erblicken und ja...es hat sich vollends gelohnt. Sicher ist, das Mancini etwas holprig zum Ende hin inszenierte, auch musste die Laufzeit mit unwichtigen Kram gestreckt werden - aber was hier in der ersten Stunde für ein Feuerwerk abgefackelt wird, sucht seinesgleichen. Was wäre dieser Film ohne unsere deutsche Vertonung, welche hier vollends auf die Tube drückt, unfreiwillige Mimik - und Vertonungslacher im Minutentakt werden serviert, sowie die obskuren Momente rund um das zusammengeschusterte Monster Mosaic und das berühmte Serum Schwarz - nach der Vorstellung zeigten sich so einige Besucher von diesem rüpeligen Grusler begeistert.

Tja...ein letztes Mal Applaus und dann war es auch schon wieder rum, das schöne Festival im bayrischen Outback - aber wir kommen gerne wieder!

Abschließend auch hier nochmal ein großer Dank an die Veranstalter, das Filmcenter Dillingen, dem freundlichen Personal und natürlich den zahlreich angereisten Fans dieser "leicht angestaubten" Perlen - es war mir wie immer ein großes Vergnügen, einem so feinen Kreis an Filmliebhabern beizuwohnen.

PS: Die gute Mauritia Mayer hat auf ihrem Schattenlichter-Blog ebenfalls ein paar schöne Zeilen zum Event verfasst.

 

Tobias Reitmann