Alle guten Dinge sind 3 - SWC meets Dirty Pictures

Ein kleines Resümee zum DP-Forentreffen am 29. August 2015 in Köln

Schon zum 3. Mal lud das Something Weird Cinema, welches im Kölner Filmhaus sein cineastisches Unwesen treibt, zum Forentreffen der Dirty Pictures-Gemeinde ein - seines Zeichens ein beliebtes Eurokult-Forum und Anlaufstelle zahlreicher Indie-Labels rund um den unterschlagenen Film.

Zugkraft des Ganzen war natürlich auch die Sichtung zweier älterer 35mm-Perlen und so entschied man sich für einen schlüpfrigen Italo-Sleazer, sowie einen amerikanischen Überraschungsfilm zu mitternächtlicher Stunde - neben diesen beiden Präsentationen und der Zusammenkunft gleichgesinnter Filmfans, natürlich Grund genug für die Italo-Cinema-Gang, der Domstadt einen Besuch abzustatten.

Nachdem der Magen gut gefüllt wurde und die ersten Plauschereien hinter uns lagen, begab sich der Trupp' gegen 21:00 Uhr in Richtung Maybachstrasse, wo das Filmhaus seinen Sitz hat. Im Foyer prangt auf einem SWC-Plakat hinter der Bar, durchströmt von grellem Licht der Spruch: "One Man's Garbage Is Another Man's Gold" und mit solchen Phrasen in Bezug auf Cinephelie hat man mich ganz schnell an den Eiern. Viel Platz zum Plauschen konnte der Vorraum bieten und zwei alte Projektoren wurden ebenfalls stilvoll platziert - ein wonniges Gefühl keimte in mir auf und so ging es nach etwas Smalltalk endlich rein in den gemütlichen Saal.

Nach einer kleinen Trailershow für kommende Attraktionen, startete endlich der Film, nämlich Silvio Amadio's Schundbombe "Wenn bei süßen Teens die Hüllen fallen". Unvermeidlich denkt man sofort an ähnlich-gelagerte Filmtitel aus der "Flotten Teens"-Reihe oder vergleichbare Werke aus dieser Filmepoche, aber mitnichten sollte man Amadio's lüsternes Liebesdrama zu diesen klamaukhaften Reigen mit dazuzählen, denn dieser Film schmiert wie eine ölige Fahrradkette und kann damit durchaus ein maximales Unterhaltungspotential verbuchen. Mit Teenie-Schnuckelchen Gloria Guida in der Hauptrolle, sowie Anita Sanders als Mütterchen mit lasterhaften Gelüsten, gibt es zwei adrette Ladies zu bestaunen, welche das männliche Publikum vehement bei der Stange halten dürften. Nino Castelnuovo übernimmt die Rolle des Berufsversagers, dem sich eine neue Aufstiegschance in der Gärtnerbranche bietet. Frau Sanders scheint dem Ungelernten blind abzukaufen, dass er gewillt ist, den Familiengarten in Küstennähe fachmännisch zu betreuen. Aber da ist noch Mimmo Palmera, welcher nur Augen für Frau Guida hat und dementsprechend ausflippend agiert. Absoluter Höhepunkt ist dann aber, als Palmera einen epileptischen Ekstase-Tanz par excellence aufführt, bei dem ich fast aus dem Kinosessel geflogen wäre - ja, Palmera ist hier der heimliche Star, dicht gefolgt von Roberto Pregadio's Easy-Listening-Gedudel, welches eingängig in bester Cipriani-Manier in die Hörritzen gleitet und dem Film (aus meiner Sicht) noch ein bisschen mehr Flitterprestige verleiht. Erwähnte ich schon die dt. Synchronisation aus dem Hause Schier? Nein? Okay, dann sei auch an dieser Stelle nochmal gesagt, dass Uwe Schier's galante Vertonungskünste Amadio's Werk in ungeahnte Sleaze-Sphären schleudert - ob die Akteure in der Urspungsversion verbal auch so hemmungslos zu Werke gingen? Auf alle Fälle wurde meinerseits wieder eine kleine Perle entdeckt, welcher ich mich sicher noch öfters hingeben werde.

Kurzer Plausch zu einem aufputschenden Getränk, dazu etwas frische Luft um die benebelten Sinne wieder etwas auf Vordermann zu bringen und schon ging's in die zweite Runde pünktlich zur Geisterstunde, was sich als sehr treffend erwies - denn die Beschreibung "Midnight Nastie" passte zum nächsten Film wie die Faust auf's Auge. Zuvor noch eine aufschlussreiche und amüsante Einführung des SWC-Spielleiters, wo man über die versteckte Bildung in Bezug auf Fremdsprachen beim damaligen Importieren holländisch-untertitelter VHS-Kassetten von Filmen sinnierte, welche in der BRD (meist zu Unrecht) einen schweren Stand hatten. Ich kannte dieses Phänomen selbst noch, denn in meiner VHS-Sammlung befanden sich mit "Freitag der 13. - Das letzte Kapitel" und "The Texas Chainsaw Massacre" ebenfalls zwei niederländische Tapes in meinem Besitz, wo man beim Schauen unbewusst die untertitelten Textpassagen aus dem Tulpenland wahrnehmen konnte. Aber zurück zum Mitternachts-Schlocker, dessen Sichtung in diesem Fall schon die unzähligste sein müsste - zu oft flog VHS oder DVD davon schon in den heimischen Player. Leider aus meiner Sicht kein Film, dem man das Prädikat "absolut zeitlos" verleihen kann, zu sehr lahmt doch der Mittelteil, welcher zwar gewisse "tromatische" Tendenzen aufweist, aber nicht mehr die schwarz-humorige Intensität vergangener Male (zumindest meinerseits) aufweisen konnte, auch wenn ich den Anfang und das erbarmungslose Ende immer noch extrem stimmig finde, vielleicht war ich auch in einer schlechten Verfassung oder die süßen Teens haben meine Sinne davor zu stark ge-blurred, wer weiß? Trotzdem eine schöne Sache, diesen damaligen Eltern-Empörer mal auf der großen Leinwand zu sehen!

Danach ging's mit den restlichen Verbliebenen noch in eine kleine köll'sche Trinkspelunke, um nochmal den Abend Revue passieren zu lassen und über eventuelle zukünftige Sausen zu philosophieren.

Einen kleinen Wermutstropfen gab's aus meiner Sicht dennoch, nämlich die miserable Beteiligung seitens der User des doch so hochgelobten "besten Forums des italienischen Genrefilms". Da werden zwei absolute Knaller von 35mm in stimmiger Atmosphäre serviert und der (zumindest nicht von mir) erwartete Ansturm blieb erneut aus. Was ist los mit der eingeschworenen Italo-Front? Lieber zu Hause vor der Glotze hocken? War das Wetter zu straff für solche kontrastreichen Filmexperimente? Jedenfalls sehr schade, dass die Nachfrage für solche internen Events nicht so groß zu sein scheint - zudem es sich um ein schönes Kino mit netten Leuten drumherum, sowie absolut schicken Ambiente handelt. Das IC-Grüppchen fand es jedenfalls schön im SWC-Korsett vom Filmhaus und kommt bestimmt irgendwann mal wieder (spätestens zum "Besonders Wertlos" - Festival im März nächsten Jahres) - auch an dieser Stelle nochmal vielen Dank an das Filmhaus, Something Weird Cinema, DirtyPictures und den angereisten Enthusiasten von nah und fern!

 

PS: Hat zwar mit dem italienischem Genrefilm rein gar nix zu tun, aber etwas Sightseeing und Kontrastprogramm muss ja trotzdem sein, zumindest wenn man schon knapp 900 Kilometer im Auto an einem Wochenende verkutscht. So trieb es uns auf der Rückfahrt durch den Spessart und da nicht zuletzt, durch den unermüdlichen Einsatz des Münchner Werkstattkinos, mein Geschmacksempfinden für den Heimatfilm etwas feiner geschult wurde, machten wir einen kurzen Abstecher zum Schloß Mespelbrunn (im gleichnamigen Ort). Filmhistorische Verwendung fand dieses Wasserschloss übrigens in Kurt Hoffmann's "Das Wirtshaus im Spessart" mit Liselotte Pulver von 1958 und wir waren von der idyllischen Ruhe der Ortschaft und vom schönen Burganwesen absolut verzückt!

 Tobias Reitmann

 

 Something Weird Cinema-Programm