X 312 - Flug zur Hölle

Deutschland | Spanien, 1971

  • Originaltitel: Vuelo al infierno
  • Alternativtitel:

    X312 - Flight to Hell (USA)

    Infierno, tuya es la victoria

    Amazonas

    Die grüne Hölle des Amazonas

    Hölle, dein Sieg ist dir sicher

  • Deutsche Erstaufführung: 20. August 1971
  • Regisseur: Jesús Franco
  • Kamera: Manuel Merino
  • Musik: Wolf Hartmayer, Bruno Nicolai
  • Drehbuch: Artur Brauner, Jesús Franco
  • Inhalt:

    Tom Nilson (Thomas Hunter) nimmt in seinem Büro in Rio mit letzter Kraft einen Bericht auf Tonband auf. Nur er kann über die mysteriösen Umstände des Absturzes einer kleinen Chartermaschine berichten, die irgendwo im brasilianischen Urwald verloren ging. Da sich herausstellte, dass einer der Passagiere, der Bankpräsident Ruprecht (Siegfried Schürenberg), wertvolle Juwelen überführen sollte, schaltete sich eine Verbrecherorganisation ein, die die Beute rücksichtslos an sich zu bringen versuchte. Zwar hatten alle Fluggäste den Absturz überlebt, doch es kam dennoch zu lebensgefährlichen Komplikationen, die im Urwald lauern. Wer hat den Kampf ums Überleben gewonnen und kann Nilson seine Informationen rechtzeitig weitergeben..?

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Jess Francos "X 312 - Flug zur Hölle" ist angesichts des tatsächlichen Ergebnisses ohne jeden Zweifel einer seiner angepassteren Filme geworden, außerdem bekommt man wie üblich einen hohen Unterhaltungswert geboten, da der Regisseur zu jener Zeit auch noch nicht so kopflastig inszenierte. Zu sehen sind bereits viele Ansätze seiner später immer deutlicher werdenden Handschrift, wobei hier alles noch eher verhalten wirkt. Der Spielfilm schafft es, einen überzeugenden, wenn auch nur vagen Spannungsbogen aufzubauen und zu transportieren, er wirkt relativ klar im Aufbau und es kommt zu sehr begrüßenswerten Überraschungsmomenten. Bei Betrachtung der Besetzung gehen einem hier vor Freude fast die Augen über, vor allem, weil die bunte Mischung auch noch hauptsächlich zu überzeugen weiß. Franco selbst erklärte in einem Interview, dass ursprünglich Susann Korda, alias Soledad Miranda,  für weibliche Hauptrolle vorgesehen war, schließlich von Gila von Weitershausen ersetzt werden musste, da die Spanierin kurz vor Drehbeginn tödlich verunglückte. An dieser Information bleibt man gedanklich immer wieder hängen, wenn man sich vorstellt, welchen Reiz die so geheimnisvoll wirkende Susann Korda dieser Geschichte zusätzlich gegeben hätte. Schön und gut, Franco lässt also schon einmal die Turbinen warm laufen und der Flug in die grüne Hölle kann losgehen, der sich immer wieder mit obligatorischen, sehr schönen Landschaftsaufnahmen schmückt und durchaus ein spezielles Flair vermittelt.

     

    Thomas Hunter als Berichterstatter der Geschichte, die als Film eine komplette Rückblende darstellt, wirkt recht überzeugend, vor allem aber agil, sodass er dem Szenario einen deutlichen Stempel aufdrücken kann. Die schöne und darstellerisch sehr stichhaltige Esperanza Roy, hier unter anderem zuständig für die erotischen Momente, darf man von oben bis unten in ihrer besten Verfassung bestaunen, im Gegensatz zu Kollegin Gila von Weitershausen, die hier eine erschreckend schwache 08/15-Nummer abspult. Franco erwähnte, sie sei zu den Dreharbeiten total ausgelutscht gewesen, da sie angeblich unter gewissen Substanzen gestanden haben soll, genau wie Partner Hans Hass Jr., den man auch schon deutlich lebendiger gesehen hat. Auch die hochverehrte Ewa Stroemberg, die doch stets einen Grund zum Jubeln darstellt, bleibt weit hinter ihren Möglichkeiten, hier als nervende und oberflächliche Mrs. Wilson. Fernando Sancho als abstoßender Gauner spielt wie immer bemerkenswert, er wird im Gedächtnis bleiben, genau wie Howard Vernon als Boss der Dschungel-Clique. Mit Goldkette, Schnapsflasche in der einen, und Gespielin Beni Cardoso in der anderen Hand, wirkt er wie ein übler Zuhälter, der sich später noch genüsslich lesbische Liebesspiele zwischen Beni Cardoso und der frisch eingefangenen Esperanza Roy anschauen wird. Die Stammbesetzung rundet Paul Muller in einer kleinen Rolle ab, und Routinier Siegfried Schürenberg sorgt für einen Hauch anderer darstellerischer Sphären. Insgesamt eint tolle Runde; es geht kaum besser!

     

    Mit seiner spartanischen Ausstattung und einigen einkopierten Bildern wirkt "X 312 - Flug zur Hölle" natürlich nicht gerade besonders hochwertig und es sieht tatsächlich so aus, als sei der Film auch recht schnell hergestellt worden. Die wenigen Räumlichkeiten sehen beinahe aus wie Steinzeithöhlen, der Flugzeugabsturz stellt keine inszenatorische Meisterleistung dar, die Dialog-Arbeit ist schon sehr simpel veranstaltet, man möchte beinahe sagen etwas einfältig geraten, was aber natürlich auch einen gewissen Reiz ausmachen kann. Wie erwähnt gibt es auch erotische Sequenzen, die hier dank Esperanza Roy noch wirklich sehr ästhetisch wirken, was Jess Franco in späteren Jahren ja leider häufiger verloren ging. Für das Produktionsjahr und Francos damalige Verhältnisse wirkt der Film recht brutal bei den Ermordungsszenen, vor allem durch das Entledigen der Leichen im Dschungel, wenn man zum Beispiel einkopierte Bilder von heran schwimmenden Krokodilen sieht. Es werden also ungewöhnlich viele Köpfe rollen, außerdem gibt es noch einen ganz ordentlichen Whodunit-Effekt als Bonus, den man vom spanischen Regisseur ja nicht gerade immer gewöhnt war. Musikalisch wirkt die ganze Chose eher unauffällig, die Musik von Wolf Hartmayer und vor allem Bruno Nicolai klingt im Wesentlichen recht unspektakulär. Im Endeffekt sieht man mit "X 312 - Flug zur Hölle" einen eher untypischen Franco, der aber genau wie etliche seiner anderen Arbeiten wirklich gut unterhalten kann, auch wenn hier und da manchmal scharenweise Patzer auftauchen. Charme und Trash, das ist doch stets eine günstige und unterhaltsame Mischung!

  • Autor: Prisma
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