Weiße Haut auf schwarzen Schenkeln

Schweiz, 1976

  • Originaltitel: Weiße Haut auf schwarzen Schenkeln
  • Alternativtitel:

    Weiße Haut und schwarze Schenkel

    White Skin Black Thighs

  • Deutsche Erstaufführung: 14. Juni 1977
  • Regisseur: Jesús Franco
  • Kamera: Peter Baumgartner, Jesús Franco, Ruedi Küttel
  • Musik: Walter Baumgartner
  • Drehbuch: Erwin C. Dietrich, Jesús Franco
  • Inhalt:

    Robert Kühn (Roman Huber) bekommt von seiner Frau nicht immer das was er möchte und so geht er zu der Prostituierten Marga (Diotta Fatou). Während er ermattet den Schlaf der erschöpften Männer schläft, springt Marga aus dem Fenster. Kühn wird verhaftet und beschuldigt, die dunkelhäutige Prostituierte aus dem Fenster gestoßen zu haben. Seine Frau Lola (Pilar Coll) ist entsetzt, weil ihr Ehemann bei einer Hure war („noch dazu bei einer Schwarzen!“), glaubt aber an seine Unschuld und will ihm helfen. Sie macht sich an die Nachtclubtänzerin Lena (Kali Hansa) heran, die ihr aus Margas Tagebuch vorliest, im Gegenzug für Lolas lesbische Dienste.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

     „Weiß und schwarz, reicht euch die Hand“
    (Poster-Tagline)

     

    „Weiße Haut auf schwarzen Schenkeln“ ist ein weiteres Softcore/Hardcore-Produkt aus dem Hause Erwin C. Dietrichs unter der Regie von Jess Franco. Die Story ist simpel und wurde von Franco schon einmal unter dem Titel „Sinner: Diary of a Nymphomaniac“ (Le journal intime d’une nymphomane, 1973) verfilmt. Kali Hansa spielt gar eine ganz ähnliche Rolle in Beiden. Während Letzterer das Ganze jedoch recht düster angeht, hat „Weiße Haut auf schwarzen Schenkeln“ jedoch eher den Dietrich-Touch. Begeben wir uns also mitten in Kali Hansas Abschied von der großen Leinwand.

     

    Welche Fassung soll man schauen, Hardcore oder Softcore? Die Hardcore-Fassung wird von vielen als die Urfassung betrachtet, da sie handlungsmäßig schlüssiger wirkt, und in vielen Szenen ist die Softcore-Fassung eben schlicht gekürzt. Die SC-Version enthält dafür zwei Alternativszenen, eine S/M-Szene mit Kali Hansa und Pilar Coll als Hauptprotagonisten und eine weitere, in der Eric Falk als Psychiater mithilfe von Hypnose erst Uschi Karnat und anschließend Esther Moser beglücken darf. Beide Damen tauchen in der HC-Fassung gar nicht auf, ebensowenig wie die sprechende Gurke. Während die erste Alternativszene noch halbwegs in die Handlung passt und ebenso Francos Handschrift trägt, wirkt die zweite eher wie Füllmaterial von Dietrich, eingefügt um die SC-Fassung noch auf eine vertretbare Kinolauflänge zu bekommen.

     

    Zur Sache. Robert geht zur Prostituierten Marga, die begeht nach der Nummer einen Selbstmordversuch. Seine Frau Lola will ihrem Mann helfen, damit er nicht wegen Mordversuchs verurteilt wird und wendet sich an die Clubbesitzerin (?) Lena. Hierauf folgt ein „Anfüttern“ durch Lena an Lola in die Freuden der lesbischen Liebe. Doch Lena lässt Lola angespitzt liegen, und so folgt daraufhin eine der besten und stimmungsvollsten Szenen des Films – in der HC-Fassung. In einer langen Halb-Traum/Halb-Wach & Masturbierend-Sequenz präsentiert uns Franco unter surrealistischer musikalischer Untermalung und verzerrten Lustseufzern ein optisches Inferno der unbefriedigten Wollust. Pilar Coll und Kali Hansa sind eh ein ziemlicher Hingucker, und das während des ganzen Films. Die Handlung wird dabei schnell zur Nebensache, auch wenn das nicht nett gegenüber der bandagiert im Krankenhaus schorenden Marga sein mag. In Rückblenden wird uns jedenfalls die Geschichte von Marga erzählt und diese wirft auch obiges Fragezeichen auf, was die Besitzerschaft des Clubs angeht. Lena erzählte Lola, sie wäre die Besitzerin, Margas Geschichte zufolge würde er aber Marga gehören. Unwichtig.

     

    Als störend erweist sich für Franco-Vielgucker dass die Settings, die in den Elite Studios entstanden, eine Vielfachverwendung fanden. Hier wurden Nachdrehs für „Die Sklavinnen“ (1975/76) ebenso getätigt wie der komplette „Mädchen im Nachtverkehr“ (1976), alles in immer denselben Kulissen. Sogar die beiden Papageien aus „Die Sklavinnen“ sind wieder im Bild, halten aber diesmal weitgehend die Klappe. In einer Szene mit Sigad Sharaf liegt diese in genau dem gleichen Bett wie in „die Sklavinnen“ und qualmt dieselben Zigaretten mit grünem Papier. Und wieder muss Erik Falk an ran. Einen Umstand möchte ich erwähnen, der die Entscheidung zwischen Softcore/Hardcore-Fassung betrifft. Kali Hansa hatte in „Weiße Haut auf schwarzen Schenkeln“ ihren letzten Leinwandauftritt. Hier mag der Fan selber entscheiden, ob er sie als Schauspielerin oder mit Eric Falks Penis im Mund (und anschließend in der Vagina inkl. Internal Cumshot) in Erinnerung behalten will. Andererseits hat gerade diese Hardcore-Szene eine gewisse Wirkung, nämlich dadurch, dass man als Kali Hansa-Fan den gleichen seelischen Schmerz durchleidet, der Marga zu ihrem Fenstersprung veranlasst hat.

     

    Noch ein kleiner Blooper kurz vor Schluss. In einer Szene, in der Kali Hansa und Pilar Coll zugange sind, will Jess Franco Colls Schamlippen sehen und filmen. Unglücklicherweise wird das Bett von so einer weißen Decke mit sehr langen Flusen bedeckt, die sich immer wieder aufrichten und den Intimbereich verdecken. Kali Hansa versucht mehrfach – während sie dabei trotzdem in ihrer Rolle bleibt - die Flusen runterzudrücken, damit man Colls Schamlippen sehen kann, doch die Flusen richten sich immer wieder auf und bedecken den Intimbereich. Das ist witzig und so typisch Franco, dass er das im Film dringelassen hat.

     

    „Weiße Haut auf Schwarzen Schenkeln“ gehört keinesfalls zu meinen Lieblingsfilmen von Franco, hat aber seine Momente. Und ich gestehe, die Pilar Coll/Kali Hansa/Esther Moser-Kombi macht mich richtig scharf. Auf Wiedersehen in „Mondo Erotico – In 80 Betten um die Welt“, diesmal aber ohne die leidenschaftlich-charismatische Marisol Hernández.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Nach seiner Kinouraufführung im Juni 1977 wurde „Weiße Haut auf schwarzen Schenkeln“ erstmals 2014 wieder veröffentlicht, auf DVD und Blu-ray von Ascot Elite. An Bord sind die SC-Fassung (74 Min.) und die HC-Fassung (79 Min.), beide mit deutschem Ton und optionalen englischen Untertiteln. Das Bonusmaterial bietet dagegen nichts, was man nicht auch auf anderen Veröffentlichungen der „Jess Franco Golden Goya Collection“ fände. Trailer, das Audio-Interview zwischen Furrer und Franco von 1976 und „Eric im Nachtverkehr.“

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb
    IMDb

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