Two Female Spies with Flowered Panties

Frankreich | Portugal | Spanien, 1980

  • Originaltitel: Ópalo de fuego: Mercaderes del sexo
  • Alternativtitel:

    Deux espionnes avec un petit slip à fleurs (FRA)

    Ópalo de fuego

  • Regisseur: Jesús Franco
  • Kamera: Gérard Brisseau
  • Musik: Jesús Franco, Daniel White
  • Drehbuch: Jesús Franco
  • Inhalt:

    Die Stripperinnen Cecile und Brigitte (Lina Romay u. Nadine Pascal) werden von dem US-Senator Connolly (Olivier Mathot) aus einem Gefängnis in Brasilien geholt, wo sie wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses für ein Jahr einsitzen. Connolly verspricht ihnen Straffreiheit, wenn sie ihm einen kleinen Gefallen tun. Sie sollen für einen Monat in einem Club namens „Flamingo“ arbeiten und werden auf Staatskosten in einer Villa untergebracht. Dort soll Cecile das Haus gegenüber im Auge behalten und bei verdächtigen Ereignissen Fotos machen. Ihrer Freundin Brigitte soll Cecilia nichts davon erzählen.

     

    In der Villa gegenüber der beiden Stripperinnen gehen tatsächlich seltsame Dinge vor. Ein Mr. Forbes (Claude Boisson) und dessen Frau Irina (Joelle Le Quémont) entführen schöne junge Frauen, um diese an sadistische Millionäre weiterzuverkaufen. Irina bedient sich dabei eines besonderen Tricks. Mithilfe eines Feueropals hypnotisiert sie die Frauen und macht diese glauben, bald die große Liebe ihres Lebens zu treffen – zu perfekten Sklavinnen also. Zudem haben die Forbes hochrangige Kontakte, so dass sie schnell erfahren, dass Cecile eine Spionin ist. Doch zunächst ist es ihre nichtsahnende Freundin Brigitte, die in tödliche Gefahr gerät.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Die langsam ausgehenden 70er Jahre waren für Jésus Franco eine Zeit der Neuerung und somit auch eine schwierige Phase. Während seiner letzten Regiearbeit für den Schweizer Produzenten Erwin C. Dietrich erfolgte die Scheidung von Lina Romay und Ramon Ardid, mit dem sie seit Anfang der Siebziger verheiratet gewesen war. Nahezu gleichzeitig trat die Scheidung zwischen Franco selbst und Nicole Guettard in Kraft. Franco und Romay waren längst ein Paar und hatten vor nach Paris zu ziehen, was einen Schlussstrich der Arbeit für Dietrich gleichkam. Gesagt, getan, doch Franco musste feststellen, dass in den fast vier Jahren die er nahezu ausschließlich für Elite Film gearbeitet hatte, seine Kontakte nicht mehr die Besten waren.

     

    Seine zwei wichtigsten Kontaktversuche in dieser Zeit betrafen alte Bekannte, nämlich Robert de Nesle von CFFP und – anschließend - natürlich Eurociné. Zunächst musste Franco jedoch feststellen, dass es um de Nesle, der nie viel an Budget investieren konnte, inzwischen finanziell noch schlechter bestellt war. Er drehte nun drei Filme für de Nesle (Cocktail spécial, Elles font tout und Je brule de partout) und mit keinem war er besonders glücklich. Zudem verstarb Robert de Nesle im April 1978. Somit dürfte es auch finanziell nicht gut für Franco ausgesehen haben, was vielleicht seinen Deal mit Eurocinè erklärt, denn just in diesen Jahren tauchen vier mit Zusatzmaterial ergänzte Regiearbeiten Francos als Eurociné-Produktionen auf. Die Bekannteste dürfte wohl „Le Sadique de Notre Dame“ sein, eine zu einem Drittel neu gedrehte und mit neuem Ton versehene Fassung des 1973 entstandenen „Nackte Haut und Schwarzes Leder“ (Exorcisme). Der Berüchtigste dagegen ist wohl „Les gardiennes du pénitencier“ (Frauengefängnis 2/Jailhouse Wardress), von dem Franco freilich Stein und Bein schwor, nichts darüber zu wissen. Na gut.

     

    Eine vorläufige und  kurzlebige Zusammenarbeit mit der spanischen Produktionsfirma Triton Films brachte 1977/78 zwei neue Regiearbeiten hervor (deren Kino-Premieren aber erst später erfolgten). Eine davon ist der hier besprochene „Ópalo de fuego: mercaderes del sexo“, der andere die de Sade-Adaption „Sinfonía erótica“, deren Entstehung sich irgendwie miteinander verknüpft. Denn von „Ópalo de fuego: mercaderes del sexo“ gibt es zwei recht unterschiedliche Fassungen. Da wäre einmal die komplett in Las Palmas, Gran Canaria entstandene spanische Originalversion von Triton Films. Und dann die Eurociné-Fassung unter dem Titel „Deux espionnes avec un petit slip à fleurs“ (Two Female Spies with Flowered Panties), die nicht nur anders geschnitten und vertont wurde, sondern auch viel neu gedrehtes Material enthält, das deutlich sichtbar am portugiesischen Set von „Sinfonía Erótica“ entstand. Franco-Biograph Stephen Thrower meint, es könne technische Gründe gehabt haben, dass so viel neues Material gedreht wurde, und tatsächlich scheint vieles „Out-of-focus“-Material aus der spanischen Originalfassung in der Eurociné-Version entschwunden. Aber wir kennen doch Eurociné, und wir kennen Franco. Meiner faktisch völlig unfundierten Ansicht nach hat er Eurociné das Ding als völlig neuen Film angedreht und dafür abkassiert. Und seit wann schert sich Eurociné um unscharf gefilmte Szenen? Aber egal, das interessiert doch keinen.

     

    „Two Female Spies with flowered Panties“ ist ein wichtiger Franco-Film, denn er ist – obwohl die spanische Fassung bereits Ende 1977 gedreht worden zu sein scheint -  die Einstiegsdroge in das Francoversum der Achtziger. Dass Franco Genres miteinander vermischt ist nicht grundsätzlich neu, die Wende wird jedoch eingeleitet durch die deutliche Absicht, sich gar nicht mehr um Genres zu scheren. Die Grundidee der Geschichte um zwei spionierende Stripperinnen ist offensichtlich an das Detektivinnen-Duo „Rote Lippen“ angelehnt, das Franco zu diesem Zeitpunkt in vier früheren Filmen verwendet hat. Und hier ist bereits die Eröffnungsszene der französischen Version interessant. Die Polizei hat unsere beiden „Heldinnen“ im Auftrag des Senators Connolly in eine schlecht beleuchtete Spelunke geführt, wo sie ihm ihre Fertigkeiten vorführen sollen. Und da stehen sie, in graublauer Gefängniskleidung und führen mit schlecht gemachten Haaren eine völlig altmodische Revue-Nummer vor, als hätten sie nicht nur zwei Monate, sondern zwei Jahrzehnte im Gefängnis gesessen. Und schon hier fragt sich der Zuschauer, ob das wirklich gut enden kann, denn die Leichtigkeit, mit der die „Roten Lippen“ in den Sechzigern ihre Gegner austricksten und an der Nase herumführten, kann in den Achtzigern doch nicht mehr funktionieren, oder?

     

    Nein, das kann sie tatsächlich nicht. Und so gelingt Franco in „Two Female Spies with Flowered Panties“ eine filmisch durchaus riskante Gradwanderung zwischen Krimi, Comedy und düsteren Folterszenarien, die schockierend genug sind, um im Gedächtnis zu bleiben. Erstaunlicherweise gelingt dieser Drahtseilakt, auch wenn es in der französischen Fassung ein paar Widersprüche gibt, da die neugedrehten Szenen nicht immer mit der Kontinuität zusammenpassen. Das auffälligste Beispiel ist Connolly, der in besagter Anfangsszene die zwei Stripperinnen für ihren Auftrag engagiert – und doch weiß Brigitte später nicht, wer er ist und erkennt ihn nicht mal als er sich ihr erklärt? Nun, in der spanischen Fassung existiert diese Anfangsszene nicht, somit ergibt das dort noch Sinn, nicht so in der Eurociné-Version. Letztere ist dagegen deutlich flüssiger als die Originalfassung, welche auf längere Einstellungen und Szenen zurückgreift.

     

    Interessant sind auch die Credits der beiden Fassungen, in die es die schöne und von mir sehr bewunderte Susan Hemingway (Maria Rosalia Coutinho) gar nicht geschafft hat. In den französischen Credits sind wiederum zahlreiche Pseudonyme zu finden, was auf strenge Gewerkschaftsregelungen jener Zeit in Frankreich zurückgeht, nach denen Franzosen bei der Vergabe von Rollen und als Crew zu bevorzugen waren und ausländische Regisseure überhaupt nicht gern gesehen waren. Bei manchen Franco-Filmen (z. B. der Eurociné-Version „Cecilia“) war hinter dem Regiepseudonym gar ein Franzose (bei „Cecilia“ war es Olivier Mathot) vertraglich als Strohmann hinterlegt. Die Filmmusik zu „Two Female Spies with Flowered Panties“ ist eine Zusammenarbeit zwischen Daniel White und Jess Franco selbst, wobei Franco bei den gemeinsamen Vertonungen meist nur das Titelthema vorgab, welches dann von White ausgearbeitet wurde. Der Kamera-Credit Gérard Brissaud ist in diesem Fall frei erfunden. Natürlich existiert besagter Brissaud und hat auch an anderen Filmen mit Franco gearbeitet, nicht jedoch bei diesem hier, Franco drehte alle Szenen selbst.

     

    Fassungsunterschiede:

     

    Da es nahezu unmöglich ist, alle Fassungsunterschiede bei Szenen, Dubbing und Stimmung aufzuzählen, hier nur ein paar Beispiele. Der Anfang ist in beiden Versionen unterschiedlich. In der Französischen gibt es das bereits erwähnte Prequel, in dem Cecile und Brigitte von Senator Connolly aus dem Gefängnis geholt wurden. Dieses fehlt in der Spanischen komplett, hier wird nur in einem Off-Dialog erklärt, dass die beiden Frauen für 5000 Dollar engagiert wurden, um Fotos der Villa gegenüber zu machen. Die Spanische beginnt mit dem ersten Einsatz des Feueropals also einer Szene, in der Mrs. Forbes eine Gefangene hypnotisiert. Die sehr gelungene Szene mit Susan Hemingway fehlt in der Spanischen komplett, ebenso wie die Folterungsszene von Brigitte. Die von Cecilia dagegen ist drin. In der französischen Fassung wiederum fehlt die lange Strip-Nummer von Joelle Le Quémont, bei deren Ende ein abgetrennter Kopf eine wichtige Rolle spielt. Das ist sehr Achtziger, und somit auch hier wieder ein starker Kontrast zu der eher altmodischen Auftrittsweise des an die „Roten Lippen“ angelehnten Detektivinnen-Duos, die eher nicht mit einem abgetrennten Kopf auf der Bühne erscheinen würden. Ebenso fehlt, wie Cecilia einen Toten in ihrem Kleiderschrank findet und Milton (Mel Rodrigo) ihr hilft, diese loszuwerden. Einen wesentlichen Unterschied beim Dubbing ergibt sich bei der Rolle ebendieses Milton. In der spanischen Fassung ist er ein Agent, der sich als Homosexueller ausgibt (wohl um sich gegen Annäherungsversuche der immerscharfen Brigitte zu schützen), in der französischen Fassung ist er ein Homosexueller.

     

    Beide Fassungen haben den Franco-Touch, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Francos Einfluss auf die Endmontage war bei der spanischen Originalversion natürlich größer, insgesamt ist diese aber – trotz fehlender Logiklücken, die sich aus den späteren nachgedrehten Szenen ergeben – schwerer zugänglich. Die Eurociné-Fassung wirkt leichter und lockerer, obwohl der Comedy-Anteil in der Spanischen eigentlich größer scheint. Fazit: als Franco-Fan muss man beide gesehen haben.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Die ultimative Veröffentlichung stellt die Blu-ray von Severin dar, die Codefree ist. Neben der hochauflösenden Eurociné-Version in Englisch (grauenvolles Dubbing) oder Französisch mit englischen Untertiteln, enthalten die ersten 3000 Exemplare als Bonus-DVD noch die spanische Fassung mit englischen Untertiteln. Beide Fassungen enthalten exklusives Bildmaterial, das in der jeweils anderen Fassung nicht vorhanden ist. Als Bonusmaterial der Blu-ray findet man neben dem Filmtrailer ein kurzes Interview mit Jess Franco aus dem Jahr 2007, ein weiteres kurzes Interview mit Daniel White von 1991, sowie ein halbstündiges Resümé von Stephen Thrower. Exklusiv sind ein paar Outtakes (ohne Ton, ca. 9 Minuten) vom Dreh.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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