Sumpf der lebenden Toten

Frankreich | Spanien, 1981

  • Originaltitel: Le lac des morts vivants
  • Alternativtitel:

    O Lago dos Zumbis (BRA)

    El lago de los muertos vivientes (ESP)

    El lago de los zombies (ESP)

    Zombie Lake

    Zombies Lake

  • Regisseur: Jean Rollin, Julian de Laserna
  • Kamera: Max Monteillet
  • Musik: Daniel White
  • Drehbuch: Julián Esteban, Jesús Franco
  • Inhalt:

    Ein Trupp von deutschen Wehrmachtssoldaten wird, gegen Ende des 2. Weltkriegs, von französischen Partisanen niedergemetzelt. Die Leichen versenkt man in einem See. 40 Jahre später erwachen die „toten“ Soldaten, sie entsteigen dem „Tümpel der Verdammten“, um Rache zu nehmen.

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    „Zombie Lake“ aka „Sumpf der lebenden Toten“ ist eine Produktion der Eurociné. Ein kleines, berühmt-berüchtigtes Familienunternehmen aus Paris. 1937 von Marius Lesoeur gegründet. In den frühen 1960er Jahren rückte Daniel Lesoeur (der Sohn von Marius) verstärkt in den Mittelpunkt des Unternehmens. Die Eurociné bietet einen umfangreichen Output von Filmproduktionen. Diese bedienen sich unterschiedlicher Filmgenres wie Horror, Western, Erotik und Eurospy. Die produktivste Phase des Unternehmens begann in den 1970er Jahren und lief bis in die frühen 1980er. In diesem Zeitraum findet man (auch gleichzeitig) die bekanntesten Produktionen aus dem Hause Eurociné. Eines ihrer skurrilsten Werke (und davon gibt es zahlreiche) ist „Zombie Lake“. Eine Billigproduktion bei der - so ziemlich - alles schief ging.

     

    Der „Sumpf der lebenden Toten“ sollte ursprünglich von Jess Franco gedreht werden. Dieser sagte jedoch kurz vor Beginn der Dreharbeiten ab. Die Eurociné kontaktierte Jean Rollin und bat ihn „Zombie Lake“ (so schnell wie möglich) „runterzukurbeln“. Jess hatte schließlich alles vorbereitet. Ganz bestimmt, das Projekt konnte nur „in die Hose gehen“.

     

    „Sie kennen doch Franco. Vielleicht drehte er zu dem Zeitpunkt einen anderen Film.“
    (Jean Rollin)

     

    Durchaus möglich das Franco den Fokus auf „Lolita am Scheideweg“ legte, anstatt seine kostbare Zeit am „Pfuhl der lebenden Toten“ zu verschwenden. In einem Interview teilte Jess übrigens mit, dass er absolut nichts zum „Sumpf der lebenden Toten“ beigetragen hat.

     

    „Zombie Lake“ wirkt (was für die Eurociné eine typische Untugend ist) wie aus mehreren Filmen zusammen geschnitten. Der Anfangslook (eine junge Frau zieht sich aus, räkelt sich auf einem Baum und erfrischt sich anschließend im Wasser) ist vollkommen divergent zu den späteren Bildern. Dieser Weichzeichnerlook passt zu einem Erotikfilm, aber keinesfalls zu einem Zombiefilm mit Schmuddelsexelementen.

     

    Einer der raren Höhepunkte ist der nächtliche Einmarsch der Wehrmachtszombies. Sie torkeln durch dunkle Gassen, vorbei an alten Gemäuern und Ruinen. Bei Betrachtung dieser Szenerie, fühle mich ein wenig an die Atmosphäre von Rollins „Foltermühle der gefangenen Frauen“ erinnert. Wenn jetzt noch Brigitte Lahaie auf der Treppe gestanden hätte…

     

    …nee, Biggi hätte auch nichts retten können.

     

    (Bereits) 1977 lieferte Ken Wiederhorn (mit „Schreckensmacht der Zombies“) eine Einheit von deutschen Soldaten die als Untote aus einem See steigen um anschließend die „Inselbewohner“ abzuschlachten. Diese, dem Volksmusikbarden Heinz Georg (Heino) Kramm nicht unähnlichen, Nazi-Zombies sind jederzeit in der Lage für eine ausgelassene Stimmung beim Publikum zu sorgen. Das unterscheidet sie deutlich von ihren Pendants aus dem „Sumpf der lebenden Toten“. Denn bei „Zombie Lake“ kann der unfreiwillige Humor einfach nicht zünden. Der Film ist schlichtweg langweilig, was Stanley Kubrick - vollkommen zu Recht - als die Todsünde des Kinos bezeichnet.

     

    ...einen hab ich noch! (Otto Waalkes)

     

    „Das neue Lexikon des Horrorfilms" schießt, mit dessen Inhaltsangabe und Kurzkritik zu „Zombie Lake“, den Vogel ab. Dort bezeichnet man die Untoten als:

     

    „Geile Zombies die in einem See in Frankreich leben…“

     

    „…ein auf dem See lastender Fluch hat sie wieder lebendig gemacht.“

     

    In der Fußnote steht die Bezeichnung AIDT was (nicht für eine unbekannte Geschlechtskrankheit steht, sondern) „Ab in die Tonne“ bedeutet.

  • Autor: Frank Faltin
  • Veröffentlichungen:

    Die deutsche Erstveröffentlichung von „Zombie Lake“ erfolgte ca. 2000. Sie ist Teil der „X-RATED KULTVIDEO Verleihkassetten“ die zwischen 1998 und 2002 erschienen. „Zombie Lake“ ist innerhalb dieser Reihe, als die Nummer 25 suggeriert. Die spätere DVD-Veröffentlichung (aus dem Jahr 2001) erhielt die gleiche Nummer. Das („deutsche“) Coverdesign (Sumpf, Kopf, Stahlhelm, Hand) zählt zum Besten was ich (im Horrorbereich) jemals gesehen habe.

     

    Im Sommer 2015 spendierte X-Rated dem Film eine HD-Auswertung. Die Bildqualität ist gut, und es wurde für ausreichend Körnung gesorgt. Innerhalb der Extras darf man sich auf die Interviews von Antonio Mayans und Jean Rollin freuen, die uns diesem obskuren Film etwas näher bringen. Weitere Infos zu „Zombie Lake“ erhaltet ihr innerhalb der Dokumentation „Bloody Lips and Iron Roses“. Enthalten auf der Cineclub DVD „Foltermühle der gefangenen Frauen“.

  • Autor: Frank Faltin
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