Sound of Horror

Spanien, 1966

  • Originaltitel: El sonido de la muerte
  • Alternativtitel:

    Prigionieri dell'orrore (ITA)

    Sound from a Million Years Ago

    The Prehistoric Sound

  • Regisseur: José Antonio Nieves Conde
  • Kamera: Manuel Berenguer
  • Musik: Luis de Pablo
  • Drehbuch: Sam X. Abarbanel, José Antonio Nieves Conde, Gregorio Sacristán de Hoyos, Gregg C. Tallas
  • Inhalt:

    Prof. André (Antonio Casas), seine Tochter Maria (Soledad Miranda, in der US-Fassung nicht die Tochter sondern die Nichte) und der Archäologe Dr. Asilov (James Philbrook) suchen in einer verfluchten griechischen Höhle nach einem alten Schatz. Nach einer Sprengung finden sie stattdessen ein prähistorisches Ei, dass der Professor in das nahegelegene Landgut mitnimmt, sehr zum Ärger der abergläubischen Hausangestellten Calliope (Lola Gaos).

     

    Doch ein zweites Ei haben sie übersehen, aus dem eine seltsame Kreatur schlüpft, die nach Kontakt mit der Luft unsichtbar wird. Eine zweite Sprengung fördert wieder nicht den Schatz zutage sondern eine Mumie. Am nächsten Tag treffen Prof Andrés Geschäftspartner, ein Fahrer und die junge Sofia (Ingrid Pitt) ein. Es kommt zu einem ersten Todesfall in der Höhle. Dieser gewaltsame Tod wird von den seltsamen Schreien und den schleichenden Schritten der unsichtbaren Kreatur begleitet, die offenbar gewachsen ist. Der Körper des Toten scheint völlig blutleer.

     

    Zunächst will man nicht auf den Schatz verzichten und wagt einen weiteren Vorstoß in die Höhle, wo man den Schatz auch findet. Doch das unsichtbare Monster treibt die Männer in die Flucht, und diesmal folgt es Ihnen nach Draußen. Von seinen furchteinflößenden Schreien begleitet, belagert das prähistorische Monster das Haus.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Try to be patient with her.
    She’s only an amateur – and a woman.”
    (Dialog aus “Sound of Horror”)

     

    Jeder dem klassischen B-Horrorfilm freundlich gesinnte Amerikaner kennt „Sound of Horror“, den José Antonio Nieves Conde 1965 in den Samuel Bronston Studios in Madrid drehte. Leider weniger bekannt scheint der Film in Spanien selbst und dürfte den spanischen Zensoren damals auch in den Todesszenen etwas zu heftig gewesen sein. Überhaupt scheint Nieves Conde – Regisseur der beiden Marisa Mell/Stephen Boyd-Filme „Marta“ und „The great Swindle“ (beide 1971) in Spanien weitgehend verkannt.

     

    Stilistisch orientiert sich „El Sonido de la Muerte“ an den amerikanischen B-Movies der 50er Jahre und präsentiert eine Mischung aus Horror uns Sci-Fi, mit einer nicht übermäßig ausgeklügelten Story um schablonenartige Charaktere. Dabei gelingt es Nieves Conde durchaus eine beklemmende Spannung zu erzeugen, die nur selten in budgetbedingte Niedlichkeit abdriftet. Natürlich ist die Tatsache, dass dieses prähistorische Vampirwesen unsichtbar ist, ebenfalls dem Budget geschuldet.

     

    Hier findet sich ein interessanter Aspekt bezüglich der Wahrnehmung damaliger Zuschauer. Warum glauben die Amerikaner, die den Film wohl einst erstmalig noch als Kind im TV gesehen haben, dieses unsichtbare Wesen sei ein Dinosaurier? Offenbar haben sie das als Kind so wahrgenommen und halten daran fest. Nicht alles was prähistorisch ist, muss ein Dinosaurier sein, außerdem trinkt dieses Wesen Blut, und als man es ganz am Schluss kurz zu sehen bekommt, sieht es einem Dino nun wirklich nicht ähnlich. Die Special Effects hierzu schuf Manuel Baquero, weitgehend im Bereich des Westerns tätig, mit ein paar wenigen Ausnahmen, wie z. B. Eloy de la Iglesias „Cannibal Man“ oder dem Mehrteiler „Die geheimnisvolle Insel“ mit Omar Sharif.

     

    Das Innere der Höhle wurde wie erwähnt in den Samuel Bronston Studios gebaut, und bei den Außenaufnahmen erkennt man die Berge von Cabrera nahe Madrid. Gedreht wurde zwischen dem 3. Mai und dem 5. Juni 1965, und somit handelt es sich hier um den ersten größeren Filmauftritt von Ingrid Pitt, die es hier auch in den Vorspann schaffte. Auf diesen Film aufmerksam geworden bin ich allerdings wegen der Beteiligung von Soledad Miranda, und hier gibt es eine interessante Szene. Während des ersten gemeinsamen Abends tanzt Ingrid Pitt zu moderner Musik aus dem Radio, also ganz am Puls der Zeit. Soledad Miranda als Maria hingegen schaut zunächst nur zu, wechselt dann den Sender auf traditionelle griechische Musik und legt dann ihre Tanzszene hin. Nett anzuschauen, mit leichtem – aber vermutlich unbeabsichtigtem - Symbolwert.

     

    Thema Symbolwert, aufgrund der recht schlecht erhaltenen Public Domain-Kopie, die noch von dem Film erhältlich ist, fällt ein Kontext unter den Tisch, weil man den aufgrund der grauslichen Qualität einfach nicht bemerkt. Alle sind sie auf Schatzsuche. An einem Abend erklärt man den Unbeteiligten, um was für einen Schatz es sich handelt, nämlich alte Artefakte aus Griechenland. Man zeigt die Zeichnung einer kleinen Statuette eines trojanischen Soldaten, mit einem goldenen und juwelenbesetzten Schild. Später, nachdem Prof André versucht hat, den Eingang der Höhle zu sprengen um das Monster (vergeblich) darin einzusperren, liegt genau dieses Artefakt inmitten des Gerölls, weit Unten am Bildrand – nur erkennt man das in dem verblassten Geflimmer kaum, zudem geht keiner der Darsteller in irgendeinem Dialog darauf ein. Dies ist offenbar aber eine Anspielung auf die Geschichte vom Goldenen Vlies, wo ebenfalls ein Monster über einen Schatz wacht und die Menschen für ihre Gier bestraft. Dem Monster aus „El Sonido de la Muerte“ ist der Schatz freilich schnurz, es will nur Blut.

     

    Diese Public Domain-Kopie ist unter zahlreichen Titeln erschienen, selten – aber erhältlich – auch mit spanischem Originalton, der dem englischen Dubbing freilich überlegen ist. Die junge Soledad klingt in der Dubbing-Version als wäre sie Vierzig. Ansonsten scheinen die Spanische und US-Version identisch, auch mal was Neues.

     

    „El Sonido de la Muerte“ ist sicher kein Meisterwerk, und der Genuss wird durch die erhältliche Kopie getrübt. Ein interessantes Frühwerk des spanischen Horrorfilms ist er allemal, und mit etwas Phantasie kann man sich vorstellen, wie gut einige der Aufnahmen in guter Bildqualität aussehen könnten. Und – Soledad Miranda ist dabei, das reicht ja wohl.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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