Slavers - Die Sklavenjäger

Deutschland, 1978

  • Originaltitel: Slavers - Die Sklavenjäger
  • Alternativtitel:

    Esclavos (ESP)

    Razza schiava (ITA)

    Escravos (POR)

    Slavers

  • Deutsche Erstaufführung: 24. Februar 1978
  • Regisseur: Jürgen Goslar
  • Kamera: Igor Luther
  • Musik: Eberhard Schoener
  • Drehbuch: Henry Morrison, Jürgen Goslar, Nate Kohn, Nathaniel Kohn, Marcia McDonald
  • Inhalt:

    In Ostafrika liefern sich arabische und portugiesische Sklavenhändler schwere Revierkämpfe, obwohl der Handel mit Menschen offiziell längst abgeschafft wurde. Die Auseinandersetzungen sind nicht nur untereinander geprägt von Brutalität und Gewalt, sondern vor allem die unterjochten Einheimischen bekommen die Grausamkeiten von Anführern und Handlangern zu spüren, sodass unzählige Köpfe rollen werden. Bei der Menschenjagd liefern sich Hassan (Ray Milland), Anführer der arabischen Menschenjäger, und der Portugiese DaSilva (Cameron Mitchell) blutige Kämpfe um Macht und Ansehen. Eine Gruppe Europäer rund um den Diplomaten Max von Erken (Jürgen Goslar) und seine Frau Anna (Britt Ekland), gerät ins Kreuzfeuer der konkurrierenden Banden und es kommt zu schicksalhaften Begegnungen und fatalen Launen des Todes...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    "Die Sklavenjäger" stellt den Abschluss von Jürgen Goslars Phase des sozusagen beunruhigenden Films dar, bevor er sich eine lange Auszeit nahm, um 1987 für den deutschen Serien-Straßenfeger "Das Erbe der Guldenburgs" vor und hinter der Kamera zur Verfügung zu stehen. Anhand dieses Kontrastprogramms kann man sehen, dass Goslar als Schauspieler und Regisseur in zahlreichen Genres zu Hause war und diese auch gewinnbringend bedienen konnte. Über die Marschrichtung in diesem Film lässt sich sicherlich streiten, wird der Zuschauer doch mit sehr expliziten und strapaziösen Szenen konfrontiert, die die zeitgenössische Kritik zu Verrissen in Hülle und Fülle animierte, und in denen Schlagworte wie Menschenverachtung oder Zynismus auftauchten. Goslars Werk ist in der Tat auf Spektakel und Geschmacklosigkeiten gebürstet worden, jedoch stellt diese Handhabe auch das Elixier des Films, und sozusagen die Basis der imaginären Glaubwürdigkeit dar.

     

    Die Szenerie beginnt in winterlicher Landschaft mit einem Duell, bei dem es naturgemäß dazu kommt, dass einer ins Jenseits befördert wird. Diese kurzen Eindrücke ebnen den Weg in andere klimatische Verhältnisse, wo es sofort Schlag auf Schlag weitergehen darf, da eine Horde von "Sklavenjägern" auftaucht, deren Brutalität eines der typischen Charakteristika für den Verlauf darstellen wird. Das Einfangen dieser Menschen treibt sehr abstoßende Blüten, wenn geschildert wird, wofür einige von ihnen überhaupt benötigt werden. Man sieht die örtliche Hautevolee, die zu beruhigenden Harfenklängen Trophäen schießt. Hierbei wird vollkommen klar, dass es sich um einen Zeitvertreib aus purem Vergnügen handelt und es hagelt Jubel und Applaus, wenn man einen der Sklaven mit einem Kopfschuss erlegen konnte. Selbstverständlich entstehen bereits hier Szenen in denen der Zuschauer in sich hineinhorcht und hinterfragt, ob man überhaupt gewillt ist, sich eine derartige Trostlosigkeit zuzumuten, sodass sich bereits in dieser Frühphase einiges darüber entscheiden wird, ob der Film steht oder fällt.

     

    Betrachtet man die Riege der Darsteller, ist es auf den ersten und zweiten Blick mehr als erstaunlich, welch prominentes Star-Aufgebot internationalen Formats Jürgen Goslar für seinen Film mobilisieren konnte. Profilierte Darsteller scheuen sich also letztlich nicht, den teils widerwärtigen Verlauf mit noch widerwärtigeren Skizzierungen ihrer Charaktere auszustaffieren, wie insbesondere Ray Milland oder Cameron Mitchell. Im Kreise der Sympathieträger bekommt man recht konventionelle Schablonen präsentiert, die allerdings oftmals nicht genügend Möglichkeiten bekommen, für einen Ausgleich zu sorgen, wobei man aber auch vermuten darf, dass es weniger in der Absicht der Regie gelegen hat, tiefschürfende Psychogramme zu präsentieren. Diverse Grausamkeiten und zahlreiche gepfefferte Dialoge (Kostprobe: »Jetzt kannst du ja deine schwedische Hure schön bedienen, du Wichser!« oder »Heute Nacht bekommst du eine andere Rute zu spüren!«), sorgen letztlich dafür, dass etliche Personen einen bleibenden Eindruck hinterlassen werden, obwohl man bei den wenigsten einen darstellerischen Kraftakt geboten bekommt, was aber von der Dramaturgie ebenfalls nicht vorgesehen war.

     

    Die große, vielleicht sogar zweifelhafte Stärke des Films, entwickelt sich über das Spiel mit den Grenzen der Vorstellungskraft. Es werden Dinge gesagt, bei denen man glaubt, nicht richtig gehört zu haben und es werden Bilder gezeigt, bei denen man nicht richtig gesehen haben möchte. Der rote Faden präsentiert sich somit beinahe ausschließlich in unbändiger Schockform und unterm Strich bleibt "Die Sklavenjäger" so gut wie in jeder Beziehung eine Botschaft schuldig, da man weder an geschichtlichem Kontext, noch an der Moral von der Geschicht' interessiert ist. Diese Tatsache fällt allerdings weniger schwer ins Gewicht, da der Film schließlich so wahrgenommen werden kann, wie es die Anlegung fordert, nämlich als verstörendes Schreckensspektakel, das Nervenkitzel, Unterhaltungsambition und Abscheu in sich zu vereinen versucht. Als deutscher Beitrag bleibt er alleine schon aus diesem Grund ein irgendwie beeindruckender Film, bei dem man sich am Schluss selbst fragen muss, ob man ihn überhaupt so einschätzen darf, da Jürgen Goslar gleich mit mehreren Gratwanderungen unterwegs ist. Aber Wegschauen gilt mal wieder nicht. Im Positiven wie im Negativen irritierend, trostlos und streckenweise überaus schockierend!

  • Autor: Prisma
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