The Silence of the Tomb

Spanien, 1976

  • Originaltitel: Un silencio de tumba
  • Alternativtitel:

    A Silence of the Grave

  • Regisseur: Jesús Franco
  • Kamera: Javier Pérez Zofio
  • Musik: Jesús Franco, Fernando García Morcillo
  • Drehbuch: Jesús Franco
  • Inhalt:

    Die erfolgreiche Schauspielerin Annette Lamark (Glenda Allen) hat eine sonnige, kleine Insel mit einer Villa gekauft und versammelt dort ihre Speichellecker und Förderer um sich, aber auch ihre Schwester Valerie (Mostserrat Prous), die sich als Einzige um Annettes kleinen Sohn kümmert. Ferner sind der Detektiv Juan (Alberto Dalbés) vor Ort, sowie die Hausangestellten Laura (Kali Hansa) und der alte Bongo (Manuel Pereiro).

     

    Als Annette verkündet, sie wolle sich fortan mehr um ihren Sohn kümmern, bzw. jemanden bestimmen, der es für sie tut, wächst Valeries Wut auf ihre zügellose Schwester. Doch die schlägt schnell in Sorge um das Kind um als dieses entführt wird, und der unbekannte Erpresser viel Geld für seine Freilassung fordert. Und den Anwesenden auf der Insel wird schnell klar, dass nur einer von Ihnen der Entführer sein kann - genauso wie der Mörder, der in Folge einen nach dem Anderen um die Ecke bringt.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Jess Francos erste (komplett eigene) Eigenproduktion „Un silencio de tumba“ für seine Manacoa Films entstand bereits im Herbst 1972, fand aber erst 1976 einen ersten spanischen Verleiher. Als Vorlage diente hier – diesmal wirklich – ein Pulp-Roman, von einem spanischen Autor namens Enrique Jarnés Bergua, der unter diversen Pseudonymen Krimis, Liebes- und Abenteuerromane schrieb. Zuvor war er als Übersetzer tätig.

     

    Die Geschichte der Romanvorlage von Bergua klingt erst mal sehr interessant, wenn auch nicht neu. Und keine Sorge, hier wird nicht gespoilert, denn Franco hat am Ende alles ein wenig umgemodelt, wohl aus Budget- oder zeitlichen Gründen. Ein Detektiv inszeniert in einem verschneiten, französischen Schloss in den Bergen oben in der Inhaltsangabe erwähntes Treffen und faked mithilfe der dort versammelten Gesellschaft eine Reihe von Morden, um eine/n psychisch kranken Anwesenden per Schockzustand zu heilen – was ziemlich in die Hose geht. Francos Geschichte hätte ebenso ablaufen können, worauf auch ein völlig anderes Ende im Drehbuch hindeutet (ja, es gab eins!), das aber so nicht umgesetzt wurde. Für dieses Ende wäre eine zweite, völlig andere Location nötig gewesen, die wollte oder musste man sich dann wohl sparen, vermutlich aus Kostengründen, wie bereits erwähnt.

     

    Franco verlegte die Geschichte aus nahe liegenden Gründen auf eine spanische Insel und erzählt eine Geschichte in Zehn-kleine-Negerlein-Tradition, und das gar nicht mal schlecht. Die Darsteller sind weitgehend überzeugend, die Charaktere, die sie verkörpern zwar Stereotypen aber doch irgendwie stärker charakterisiert als in so manch anderem Franco-Film. Lag wohl an der Existenz eines richtigen Drehbuchs. Die meiste Screentime fällt dabei wohl Montserrat Prous zu, die zeigen darf, was sie wirklich kann. Auch Glenda Allen schuldet Franco Credit, und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn trotz diverser Filmauftritte wird sie nur in Francos „Les Ébranlées“ und „Un silencio de Tumba“ namentlich genannt. Eine eher kleine Rolle fiel hier Yelena Samarina zu, Kali Hansa wiederum schafft es durch ihre Schönheit und Präsenz mit einem kleinen Part trotzdem in Erinnerung zu bleiben.

     

    Nun zum Spannungsfaktor. Seine Spannung bezieht der Film hauptsächlich aus seinem Handlungsablauf und den Dialogen. Die Morde geschehen dagegen weithin im Off, was ebenfalls darauf hindeutet, dass Franco während der Dreharbeiten noch das Originalende verwenden wollte und erst später seine Meinung änderte. Stärkstes Indiz hierfür ist jedoch die mehrfache Einblendung eines beobachtenden Auges, welches in der Romanvorlage einen Irrenhaus-Pfleger symbolisiert, der den/die später in demselben Einsitzende/n durch die Tür observiert. In Francos Film ist diese Einstellung wegen der veränderten Auflösung dagegen eher sinnlos. Meine Meinung: ein etwas schockierenderes Ende hätte dem Film gut getan. Trotzdem ein sehenswerter und überraschend konservativer Franco-Film mit ein paar schönen Bildern.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

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