Satanische Spiele

Vereinigte Staaten, 1967

  • Originaltitel: Games
  • Alternativtitel:

    O Terceiro Tiro (BRA)

    La muerte llama a la puerta (ESP)

    Le diable à trois (FRA)

    Assassinio al terzo piano (ITA)

    La muerte toca la puerta (MEX)

    Jogos Perigosos (POR)

    Der Tote von Etage 3

  • Deutsche Erstaufführung: 01. Februar 1968
  • Regisseur: Curtis Harrington
  • Kamera: William A. Fraker
  • Musik: Samuel Matlovsky
  • Drehbuch: Gene R. Kearney, Curtis Harrington, George Edwards
  • Inhalt:

    Ursprünglich als Vehikel für Marlene Dietrich gedacht, bot das originelle Drehbuch der inzwischen etwas üppigen Simone Signoret eine willkommene Plattform, einmal mehr ihre Fähigkeiten als wandlungsfähige Charakterdarstellerin unter Beweis zu stellen. Sie verkörpert die aus Deutschland stammende Vertreterin Lisa Schindler (aus der in der hiesigen Synchronfassung die Ungarin Ilona Kerenci wurde), welche die Bekanntschaft des wohlhabenden New Yorker Ehepaares Montgomery macht. Paul (Caan) und Jennifer (Ross) frönen in ihrem schicken Stadthaus extravaganten Partys für die upper class, in deren Mittelpunkt eine Vielzahl obskurer und phantasievoller Spiele steht. Die Montgomerys nehmen Lisa vorübergehend bei sich auf und quartieren sie im Gästezimmer ein. Mit interessanten Anekdoten aus ihrer mysteriös-bewegten Vergangenheit macht sich Lisa bei ihren Gastgebern immer beliebter und wird bald schon unverzichtbarer Bestandteil ihrer Spielchen. So heckt man gemeinsam einen Plan aus, um den Lieferanten Norman (Stroud) zu foppen: Jennifer soll ihn als Dame des Hauses verführen und sich dann in einer verfänglichen Situation von ihrem vermeintlich eifersüchtigen Mann erwischen lassen. Doch das Spiel läuft aus den Fugen, als der arme Norman mit einer versehentlich scharf geladenen Pistole tatsächlich erschossen wird. Anstatt die Polizei zu alarmieren, beschließen die Montgomerys, die Leiche verschwinden zu lassen…

  • Autor: André Schneider
  • Review:

    Zeitlebens blieb Curtis Harrington ein beschämend unterschätzter Regisseur, der sein Hauptbetätigungsfeld im US-Fernsehen fand, wo er vornehmlich für Aaron Spelling tätig war und unter anderem Folgen von »Dynasty«, »The Colbys«, »Hotel« oder »Charlie’s Angels« inszenierte. Dabei hatte der begeisterte Cineast schon früh angefangen, mit Größen wie Maya Deren und Kenneth Anger gearbeitet und sein Handwerk von der Pike auf gelernt. Zu den neun abendfüllenden Kinofilmen, die Curtis Harrington zwischen 1961 und 1985 realisieren durfte, ist »Games« vielleicht der interessanteste. Bis kurz vor Schluss hält der raffiniert konstruierte und subtil aufgebaute Thriller mehr als nur eine Wendung für den Zuschauer parat, doch leider wird das Gros davon schon viel früher signalisiert, als sie dann tatsächlich eintreten. Die dadurch etwas geschmälerte Spannung macht diese farbenfrohe Geisterbahnfahrt durch ihre Atmosphäre und eine glänzende Besetzung wieder wett. Neben Signoret, deren Spiel für einen BAFTA nominiert wurde, bleibt vor allem Estelle Winwood als zerstreute Nachbarin im Gedächtnis. Darüber hinaus ist es das umwerfende Dekor der späten Sechziger inklusive der schillernden Kostüme von Morton Haack (Please Don’t Eat the Daisies), was den Film ausmacht. Darüber hinaus spielt Harrington effektiv Realität und Illusion gegeneinander aus, so dass der Zuschauer zusehends in einen Sog gerät, in welchem er die Geschehnisse nicht mehr ganz zuordnen kann. Dabei vermeidet es der Regisseur wohltuend, das Verwirrspiel an seine Grenzen zu treiben. »Games« nimmt nur langsam Fahrt auf, der Zuschauer erhält ausreichend Raum, sich einzufinden und zu orientieren. Das Handeln der drei Protagonisten geschieht mit einer angemessenen Behäbigkeit, während uns die Bildkompositionen mit zunehmender Wucht vereinnahmen. Das (oder die) Spielzimmer der Montgomerys ähnelt mal einem Casino, dann wieder mehr einem Zirkus, einem Spukhaus, einer pop art extravaganza à la Mario Bava oder einer Krypta; »Games« steht ganz im Zeichen des Grand Guignol. Wer Night Watch, Eye of the Cat oder The Big Cube liebt, wird sich der Magie von »Games« sicher nicht entziehen können.

     

    Harrington wird dem New Queer Cinema zugeordnet, und aus dieser Perspektive heraus ist »Games« gleich zu Beginn ein bemerkenswertes Kleinod: Wir sehen das Ehepaar Montgomery in opulenter Aufmachung als Alleinunterhalter bei einer ihrer Partys. Nach dieser begleiten wir Paul und Jennifer in ihr Schlafzimmer, wo sie sich ihrer Kostüme entledigen. Dabei nimmt Jennifer ihrem Mann den angeklebten Schnurrbart ab. Dieser klebt ihn seiner Frau über  die Oberlippe. Als sie ihn küsst, goutiert er es mit einem »Mmhhh, what a nice scratch!« und schläft mit ihr. James Caan ist teuflisch sexy in seiner Gelassenheit und legt ein gehöriges Maß Erotik in seine tiefe, weiche Stimme, während Katharine Ross sich naiv, verletzlich und unbekümmert gibt. Die beiden langweilen sich, aber nicht im Sinne einer farblosen Ehe: sie haben einfach zu viel Kohle, um sich noch wirklich für etwas begeistern zu können. — Ross galt anno 1967 als aufstrebender Star und hastete als Vertragsschauspielerin bei Universal von Film zu Film. Nur zwei Jahre später geriet sie 29jährig gemeinsam mit ihren Kolleginnen Joanna Shimkus und Claude Jade während der großen Studiokrise in die Vertrags-Annullierung der Universal und fiel in ein Karriereloch, aus dem sie erst sechs Jahre später mit »The Stepford Wives« (Regie: Bryan Forbes) wieder herauskrabbelte.

     

    Mit einem Budget von einer Million US-Dollar war »Games« vergleichsweise kostengünstig produziert worden, und der moderate Erfolg auf beiden Seiten des Atlantiks verschaffte Curtis Harrington in der Folgezeit eine Reihe von Regieaufträgen ähnlicher Couleur, so zum Beispiel zwei Filme mit Shelley Winters: »What’s the Matter with Helen?« (1971, mit Debbie Reynolds) und »Whoever Slew Auntie Roo?« (1972).

     

    Die DVD erschien in der »Hollywood Klassiker«-Reihe von Universal und bietet beste Bild- und Tonqualität.

  • Autor: André Schneider
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