Rififí en la Ciudad

Frankreich | Spanien, 1964

  • Originaltitel: Rififí en la Ciudad
  • Alternativtitel:

    Vous souvenez vous de Paco? (CAN)

    Chasse à la mafia (FRA)

    La spia sulla città (ITA)

  • Regisseur: Jesús Franco
  • Kamera: Godofredo Pacheco
  • Musik: Daniel White
  • Drehbuch: Jesús Franco, Gonzalo Sebastián de Erice, Charles Exbrayat
  • Inhalt:

    Als der Franzose Maurice Leprince (Jean Servais) im April 1944 in ein nicht näher benanntes Land in Mittelamerika emigrierte, baute er sich dort ein Netz von Kokainhandel und Prostitution auf, für den Nachtclubs und deren eingetragene Geschäftsführer als Fassade herhalten. Leprince selbst gibt sich öffentlich als seriöser Geschäftsmann. Als er für den Posten des Senatspräsidenten kandidiert, will man ihm endlich das Handwerk legen.

     

    Polizei-Lieutenant Miguel Mora (Fernando Fernán Gómez) hat den jungen Informanten Juan als Barkeeper in das „Stardust“ eingeschleust, doch Juan ist plötzlich verschwunden.

     

    Mora begibt sich auf die Suche nach Juan, stürmt sogar in Leprinces Schlafzimmer und stößt unverhohlene Todesdrohungen aus. Dies führt schließlich bis hin zu seiner Suspendierung.

     

    Lt. Mora ist nicht der Einzige, der Juan vermisst, denn da sind noch seine offizielle Geliebte Juanita (Dina Loy), die Sängerin Nina (Maria Vincent), die ebenfalls Juans Geliebte war und obendrein die Mätresse von Leprince ist. Auch Moras Frau Pilar (Laura Granados) hat Liebesbriefe an Juan geschrieben, die auf eine Affäre hindeuten, doch davon ahnt der Polizei-Lieutenant nichts.

     

    Wegen seines Ultimatums an LePrince wirft man Juans Leiche einfach durch Moras Fenster. Als Mora im „Stardust“ auftaucht, um die mutmaßlichen Mörder Juans zu konfrontieren, versucht man ihn zu töten, doch er überlebt, wenn auch schwer verletzt.

     

    Als dann noch ein maskierter, schwarz-behandschuhter Killer auftaucht, der einen nach dem Anderen von den an Juans Tod beteiligten Leprince-Schergen mit einem Stilett erledigt, wird Mora schnell zum Hauptverdächtigen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Nachdem Orson Welles sich Jesús Francos „Death whistles the Blues“ angesehen hatte, schlug er seinem spanischen Produzenten  Emilano Piedra vor, Franco an der Regie von „Falstaff“ (Chimes at Midnight) zu beteiligen. Piedra riet ihm jedoch dringend davon ab, denn Franco hätte einen der bis dahin „schlimmsten“ spanischen Filme gedreht, nämlich diesen hier, „Rififi en la Ciudad.“ Orson Welles sah sich auch diesen nun auch noch an und zeigte sich alles andere als ablehnend.

     

    Warum ein spanischer Produzent diesen Film nun so fürchterlich fand, hatte wohl reine politische Gründe, die mit der Diktatur in Spanien und der dortigen Zensur zu tun hatte. Was bekommen wir hier also, was dem franco-faschistischen Spanien nicht gefiel? Prostitution, Drogenhandel, Mord an einem Polizeispitzel, politische Korruption, einen Schwarzen mit einer weißen Geliebten, einen Homosexuellen und zumindest eine blutige Leiche. Hier hat Franco somit einige damalige Tabus des spanischen Films gebrochen – und anscheinend hat man es ihm durchgehen lassen.

     

    Ausgangspunkt für all dies war ein französischer Krimi-Klassiker von Charles Exbrayat „Vous souvenez vous de Paco?“, aus Paco wurde allerdings im Film Juan.

     

    Als weitere Elemente kommen wie bereits in „Death whistles the Blues“ zahlreiche Nachtclubszenen mit jazzigen Tanz-und Gesangsnummern hinzu, diesmal von Daniel White, der später sowas wie Francos Stammkomponist wurde. Die Beiden waren auch gute Freunde, nur über Politik sprach man nicht so gern, außer Daniel White hatte viel getrunken. Dann ließ er seine SEHR kommunistisch orientierten politischen Ansichten vom Stapel, denen Franco ebenso ablehnend gegenüberstand wie dem Faschismus.

     

    Für die Kameraarbeit zeichnete sich diesmal Godofredo Pacheco verantwortlich, unterstützt von Assistent Jorge Herrero, der später für Franco die Kamera bei den drei Adrian Hoven-Produktionen „Necronomicon“, „Sadisterotica“ und „Küss mich, Monster“ führte. Hier, in „Rififi en la Ciudad“ wieder gekonnte s/w-Fotografie wie in „Death whistles the Blues.“

     

    Vergleicht man diese zwei Krimi-Frühwerke von Jesús Franco, fällt vor allem auf, dass „Rififi en la Ciudad“ deutlich düsterer in seiner Geschichte und deren Umsetzung ausfällt, aber auch einer stärkeren Dialoglastigkeit frönt. Es fehlt gegenüber „Death whistles the Blues“ die gelegentliche Leichtigkeit – was kein Nachteil sein muss. Erstmals setzt Franco hier in „Rififi en la Ciudad“ ein später immer wiederkehrendes Element seiner Filme ein – den Off-Monolog.

     

    Neben zahlreichen Orson Welles-Referenzen gibt es auch eine Szene mit einer Rafael-Romero Marchent „Zorro“-Adaption, das hier von einem TV-Sprecher als Serial ausgegeben wird, wie die Original Zorro-Klassiker aus den USA. Die Szene selbst sieht aber nachgestellt aus.

     

    Ein Kuriosum für mich war der geheimnisvolle Killer. Wir erinnern uns, wir sind nicht in den Siebzigern in Italien sondern in den frühen Sechzigern Spaniens. Und da ist er, ein schwarz-behandschuhter in Leder gekleideter Killer mit einem Stilett, der erbarmungslos aus den Schatten zuschlägt, mit flüsternd-verzerrter Stimme Drohanrufe tätigt und Todesdrohungen an Obergangster Leprince schreibt. Bevor der Leser jedoch in erwartungsvolle Ekstase gerät, dieser Killer ist zwar ein wichtiges, aber keineswegs ein tragendes Element dieses Films. Leider hat Franco das jedoch ein wenig versiebt, indem er gleich beim ersten Mord die Statur (im Standbild auch das Gesicht) dieses Killers etwas zu deutlich zeigt.

     

    Mit Fernando Fernán Gómez hatte Franco einen  damals in Spanien sehr populären Hauptdarsteller und mit Jean Servais einen ebenso prominenten Gegenspieler. Die Frauen agieren hier weitgehend zurückhalten, hierzu möchte ich zwei Dinge erwähnen. Die Darstellerin des präsentesten Frauenparts, Maria Vincent, fand ich ziemlich furchtbar. Denkwürdig dagegen ist eine recht innovative Einstellung mit Moras und seiner Frau Pilar (Laura Granados). Er hat eine brennende Zigarette im Mund und ist gerade ziemlich sauer auf seine Frau. Seine Frau umarmt ihn, ihre Arme sind nackt und so senkt er einfach mal kurz den Kopf, so dass die brennende Zigarette ihren Oberarm erreicht. Der daraus resultierende Hüpfer mit Aufschrei der Darstellerin ist sehenswert. Leiden für die Kunst.

     

    „Rififi en la ciudad“ ist somit ebenfalls eines der wirklich sehenswerten Frühwerke Francos, das dritte von drei angekündigten Franco-Besprechungen, die ich hier machen wollte. Mehr nur auf ausdrücklichen Wunsch, da dies hier ja nun mal eine Italo-Filmseite ist.

  • Veröffentlichungen:

    Auf DVD erschienen ist „Rififi en la Ciudad“ vor gut zehn Jahren in Spanien bei Divisa Home Video/Filmax, diese DVD hatte aber keine Untertitel. Englische Untertitel findet man aber inzwischen im Internet. Die Lauflänge liegt bei 100 Minuten.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb

    IMDb

    Bitte Kommentar schreiben

    Sie kommentieren als Gast.