Pieces - Stunden des Wahnsinns

Puerto Rico | Spanien, 1982

  • Originaltitel: Mil gritos tiene la noche
  • Alternativtitel:

    O Terror da Serra Elétrica (BRA)

    Le sadique à la tronçonneuse (FRA)

    Pieces (ITA)

    Pedazos: Mil Gritos Tiene la Noche (MEX)

    Mil Gritos Tem a Noite (POR)

    The Chainsaw Devil

    1000 Thousand Cries Has the Night

    Der Kettensägenkiller

  • Regisseur: Juan Piquer Simón
  • Kamera: Juan Mariné
  • Musik: Stelvio Cipriani, Carlo Maria Cordio, Librado Pastor
  • Drehbuch: Dick Randall, Joe D'Amato, Juan Piquer Simón
  • Inhalt:

    Ein kleiner Junge setzt gerade ein Puzzle mit einer nackten Frau zusammen, und als die Mutter ihn ertappt, ihm das Puzzle wegnehmen will und ein paar unschöne Dinge über seinen verstorbenen Vater sagt, erschlägt er sie mit einem Beil und zersägt sie in Stücke.

     

    40 Jahre später treibt an der Boston University ein schwarzgekleideter Kettensägen-Killer sein Unwesen. Stets lässt er bei jedem Mord Körperteile seines jeweiligen weiblichen Opfers verschwinden, erst den Kopf, dann einen Torso, später Arme und Beine.

     

    Lt. Bracken (Christopher George) setzt nur die besten Leute auf den Fall an: Sgt. Holden (Frank Brana) im Polizeiarchiv, den Studenten Kendall (Ian Sera), die Innendienstlerin und Tennislehrerin Mary Riggs (Linda Day George) und als Profiler den Psychologen Dr. Jennings (Gérard Tichy), von dem wir allerdings nie wieder etwas hören. Und was macht Lt. Bracken selbst eigentlich derweile?

     

    Verdächtige gibt es ein paar, so den Landschaftsgärtner Willard (Paul L. Smith), den introvertierten Professor Brown (Jack Taylor) und den Dean selbst (Edmund Purdom).

     

    Schließlich geht Mary dem Killer in die Falle, und der hat es auf ihre Füße abgesehen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Tits! That’s all he ever cared about!“
    (Mama erzählt liebevoll dem späteren Kettensägen-Killer von den Hobbys seines Vaters)

     

    Nach einem Drehbuch von Produzent Dick Randall entstand 1982 unter der Regie von Juan Piquer Simón dieser Splatter-Klassiker in Valencia und Umgebung – nicht in Boston. Und wenn man den Namen Dick Randall hört, sollte einem bereits klar sein, was einen erwartet: ein sehr unterhaltsames und schräges Filmchen mit einem absoluten Schrott-Plot. Realisiert wurde „Mil gritos tiene la noche“ (übers. Tausend Schreie in der Nacht) von J. P. Simóns eigener Firma Almena Films.

     

    Das (sehr kurze) Drehbuch verfasste Randall zusammen mit dem britischen Filmemacher John W. Shadow. „John Shadow“ ist somit – trotz zahlreicher Quellenangaben in dieser Richtung – kein Pseudonym von Joe D’Amato. Überhaupt scheint es keinen italienischen Co-Produzenten gegeben zu haben.

     

    Die Story ist – milde ausgedrückt – so was von müllig und strotzt nur so von kleinen bis gewaltigen Fehlern. Die Darsteller, trotz zahlreicher bekannter Namen, agieren zuweilen so grenzwertig, das man schon Absicht unterstellen könnte. Dafür sind die Gore-Effekte mehr als nur nett, und wie gesagt, trotz aller Defizite ist „Pieces – Stunden des Wahnsinns“ extrem unterhaltsam.

     

    Die Dialoge sind der Brüller und unterscheiden sich in US-Fassung und spanischer Fassung kaum darin voneinander. Bei den Englischsprachigen handelt es sich aber – von ein paar kleinen Nachbearbeitungen bei den spanischen Darstellern abgesehen – um den Originalton.

     

    “I don’t think there was any intellectual process to it whatsoever”
    (Jack Taylor fasst im Audiokommentar die Intention des Filmemachers zusammen)

     

    Wer der Killer ist, kann man sehr schön spätestens in der vierzigsten Minute am Mobiliar von dessen Behausung erkennen. Und hat sich nie irgendein Besucher über die gigantische Kühlkammer in seiner Wohnung gewundert? Egal, ist ein Slasher, solche Kleinigkeiten beachtet man da nicht. Das Einzige, was diesem filmischen Unsinn noch fehlte, wäre eine Kung Fu-Szene - aber selbst die gibt es.

     

    Dann die Figur von Professor Brown. Mal heißt es, er unterrichte Anatomie, ein anderes Mal Anthropologie. Da gibt es schon den einen oder anderen Unterschied. Lt. Bracken wiederum steht vor dem frisch zerlegten Opfer in der Schwimmhalle und bemängelt, dass ihm der Bericht der Gerichtsmedizin noch nicht vorliegt. Zum Glück steht Prof. Brown ihm mit seiner professionellen Meinung zur Seite, ja, das Opfer könnte tatsächlich zersägt worden sein. Super, schön zu hören, dass das jahrelange Studium sich offenbar gelohnt hat.

     

    Was ist eigentlich mit den Kettensägen? Die lässt der Täter meist am Tatort zurück, hat bei jedem weiteren Mord aber längst eine neue. Hat dieser Campus ein eigenes spezielles Kettensäger-Lager? Kann man die steuerlich absetzen? In dieser Menge bestimmt. Und bei dem Fahrstuhlmord, das ist der Dritte glaube ich, sieht das Opfer wie der Täter zu ihr den Fahrstuhl steigt, „Ach sie sind es“ meint sie erleichtert, aber die Kettensäge in seinen Händen hat sie gedanklich nicht als besorgniserregendes Mitbringsel eingestuft? Genug davon.

     

    Halt, eins noch. Hat irgendjemand verstanden, welche Bedeutung der Szene oder Figur der jungen Frau zukommt, die auf dem Skateboard in eine Glasscheibe rast, die von zwei Lieferanten transportiert wird? Wer ist die? Ich weiß es nicht oder hab‘ schlecht aufgepasst. Noch eins: warum hat der Killer schon da ein Foto von Mary Riggs in der Schublade (das Gesicht mit einem roten Kreuz ausgestrichen), die erst viel später im Film auftaucht? Der kennt die doch noch gar nicht! Ich hör‘ jetzt wirklich auf.

     

    Oder doch nicht. Lt. Bracken und Sgt. Holden warten nach dem ersten Mord bei der Sekretärin des Dean, dass dieser endlich Zeit für sie hat. Und der meldet sich auch prompt über die Sprechanlage mit einem „Sind die beiden Herren noch da?“ Ja, da wurde eine Studentin auf seinem Campus geköpft verdammt, die sind noch da!

     

    Mal wieder angesehen habe ich mir diesen Film anlässlich der BD-Veröffentlichung von Grindhouse Releasing. Diese enthält neben der US-Kinofassung die spanische Uncensored-Version. Beide Fassungen kommen in grandioser 4k-Bildqualität im Format 1,66:1, und erstmals fällt einem so die gute Kameraführung von Juan Mariné auf. Neben ein paar marginalen Unterschieden beim Schnitt unterscheidet diese beiden Fassungen vor allem die Musik. Während die US-Fassung mit Archivtracks von Carlo Maria Cordio und Stelvio Cipriani angreichert wurde, besitzt die Spanische einen richtigen Score von Librado Pastor. Dieser – hauptsächlich mit Piano und Synthesizer eingespielt – klingt, als wäre er tatsächlich nur von einer Einzelperson auf zwei Spuren eingespielt. Gewöhnungsbedürftig.

     

    Weiterhin sind – wie bereits erwähnt – auf der Veröffentlichung von Grindhouse ein Audiokommentar mit Jack Taylor zu finden, dazu mehr als zwei Stunden Interviews, die Doku „42nd Street Memories“ und eine Soundtrack-CD mit den eingefügten Musikstücken aus der US-Fassung und mehr. Darüber hinaus gibt es ein paar Easter Eggs. Die ersten 3000 Exemplare enthielten zudem ein 15-teiliges Puzzle mit dem Motiv, das man es zu Anfang des Films sieht.

     

    Was noch? Ach ja:

     

    “You Don't Have To Go To Texas For A Chainsaw Massacre!”
    (Tagline)

     

    Valencia ist eh schöner als Texas.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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    Links

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