Negresco - Eine tödliche Affäre

Deutschland, 1968

  • Originaltitel: Negresco - Eine tödliche Affäre
  • Alternativtitel:

    My Bed Is Not for Sleeping (GBR)

    Una donna tutta nuda (ITA)

    Weniger als nichts

    Negresco**** - Eine tödliche Affäre

  • Deutsche Erstaufführung: 22. August 1968
  • Regisseur: Klaus Lemke
  • Kamera: Michael Marszalek
  • Musik: Klaus Doldinger
  • Drehbuch: Ingo Hermes, Klaus Lemke, Max Zihlmann
  • Inhalt:

    Der Modefotograf Roger (Gérard Blain) ist wie üblich pleite, doch sein latenter Wunsch, zu der Welt der Reichen zu gehören, lässt ihn erfinderisch werden. Nach dem mysteriösen Tod eines Kollegen stellt er eigene Ermittlungen an. Aus dessen Atelier fehlten nach dem Mord lediglich Fotos der High-Society-Lady und Millionärsgattin Laura Parrish (Ira von Fürstenberg). Durch einen Zufall kann er sich an die sonst abgeschirmte Dame heranheften und beginnt eine heiße Affäre mit ihr. Der Weg der beiden führt in das berühmte Luxushotel "Negresco". Doch Lauras Ehemann (Paul Hubschmid) schaut sich die Kapriolen seiner Gattin nicht länger an und als Roger auch noch auf brisante Dokumente stößt, die Mr. Parrish schwer belasten, droht die Angelegenheit außer Kontrolle zu geraten...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Klaus Lemkes "Negresco", der im deutschen Titel mit dem bedrohlich klingenden Zusatz "Eine tödliche Affäre" versehen wurde, sollte als wirtschaftlicher Misserfolg in die laufende Kinosaison 1968 eingehen. Da es sich nie anbietet, einen Film aufgrund solcher Informationen im Vorfeld abzuurteilen, sollen natürlich persönliche Eindrücke für ein aussagekräftiges Bild sorgen. Ambitioniert gestaltet, ausgewogen besetzt und in frisch wirkenden Bildern eingefangen, darf sich der turbulente Verlauf entfalten, ohne dabei jedoch aus einer vorgefertigten Schablone ausbrechen zu können. Insgesamt gesehen ist es leider so, dass "Negresco" etwas sehr Wichtiges fehlt und zwar die Spannung, denn es wird zu viel Wert auf Nebensächlichkeiten, obligatorische Oberflächlichkeiten und diffuse Elemente gelegt, sodass der Verlauf Identitätsprobleme bezüglich des angepriesenen Titels bekommt. Zwar gibt es das "Negresco" im Film, das auch eine zentrale Rolle einnimmt, sowie eine heiße Affäre und ebenso tödliche Verstrickungen, allerdings wirkt das gesamte Konstrukt nicht wie aus einem Guss und die Handlungsstränge erscheinen beinahe so, als seien sie zu eilig in eine willkürliche Reihe gebracht worden. Das Puzzle fügt sich im Grunde zu behäbig zusammen und Inhalte erschließen sich schwerfällig.

     

    Es ist allerdings nicht übermäßig störend, da auf der anderen Seite ein ordentlicher Unterhaltungswert zu finden ist, der bei Laune hält. Als deutsche Produktion glänzt "Negresco" mit einer internationalen Besetzung. Wer wäre für die Verkörperung von Glamour besser geeignet gewesen als Hobby-Schauspielerin Ira von Fürstenberg? Bewaffnet mit Sex-Appeal und einer Leichtfertigkeit, die sie zur begehrten Beute degradiert, kann sie nichts anderes als eine gute Figur abzugeben, wenngleich ihre darstellerischen Kapazitäten schnell ausgereizt sind. Die Skizze der Laura Parrish nimmt bereits bei ihrem ersten Auftreten eine nahezu sinnbildliche Erscheinung an, da man sich die Laura Parrishs dieser Welt eben genauso vorstellt. Ihr Handeln und sogar die komplette Affäre lassen einen nachvollziehbaren Ursprung vermissen, denn der Wunsch, aus einem goldenen Käfig auszubrechen, reicht dem Empfinden nach allein nicht aus. Auch wenn Ira von Fürstenberg sicherlich einen nicht zu unterschätzenden Anteil dazu beiträgt, dass die Geschichte auf Basis der Vorfertigung irgendwie funktionieren will, ist sie gedanklich schnell ersetzt und zwar durch eine Interpretin aus der Gästeliste.

     

    Selbstredend handelt es sich dabei um Eva Renzi, die diesem Flick in der Hauptrolle sicherlich deutlichere Konturen, beziehungsweise einen greifbaren Sinn gegeben hätte. Aber Geschmacksache, sprach der Affe und biss in die Seife. In diesem unmittelbaren Zusammenhang ist in "Negresco - Eine tödliche Affäre" ein kleines Rätsel für Bewunderer des "Playgirl" zu finden, das sich bereits im international ausgerichteten und bemerkenswert gestalteten Vorspann ankündigt. Gäste, invités, particip. o. o., guests: Unter anderem lädt dort der zu dieser Zeit frisch gebackene Star der Filmbranche Eva Renzi ein. Zuseher mit einer durchschnittlichen Aufmerksamkeit werden die Berlinerin im Szenario erst gar nicht ausfindig machen. Selbst beim intensiveren oder sogar akribischen Anschauen erweist sich die Suche nach ihr als nicht gerade einfach, denn Eva Renzi partizipiert sozusagen klammheimlich als "innocent bystander" in einer Szene, die den Fokus auf absolute Nebensächlichkeiten lenkt, sprich: keineswegs relevant ist. Da Renzis damaliger Ehemann Paul Hubschmid eine der Hauptrollen im Film übernommen hatte, sieht es tatsächlich so aus, als sei sie nur zu Besuch am Set gewesen und als hätte man sie kurzerhand für eine kleine Szene eingeladen.

     

    Der Bildaufbau ist in den wenigen Sekunden immer gleich. Man hört eine Stimme aus dem Off, die Personen bewegen sich, jedoch fällt der Blick des Zuschauers zunächst in die Mitte des Raumes, beziehungsweise auf eine Frau, von der lediglich ihre Beine zu sehen sind, die als typischer Blickfang fungieren. Der Kontrast zu Eva Renzi ist groß, da sie sehr unscheinbar, ja beinahe maskulin gekleidet ist. Man raucht gemeinsam eine Zigarette und dann ist das Ende der Szene auch schon gekommen. Unterm Strich bleibt somit ein recht eigenartiger Ausflug in den deutschen Krimi, der lediglich wie eine kleinere Fingerübung aussieht. Für Eva Renzi war es erst der fünfte Spielfilm in ihrer noch jungen Karriere und eben dieser Auftritt steht vollkommen diametral zu den vorhergegangenen Großproduktionen. Dennoch sollten sich solche eigentümlichen Ausflüge (vor allem im Sinne völlig konträr ausgewählter Rollen) von Zeit zu Zeit wiederholen. Zu "Negresco" selbst lässt sich abschließend sagen, dass Renzi in keiner Beziehung für die Handlung oder Sonstiges von Bedeutung ist. Aber wer möchte schon die Wiedersehensfreude unterschätzen, auch wenn sie hier zugegebenermaßen ultrakurz ausgefallen ist.

     

    Zu Gérard Blain ist zu sagen, dass er in der männlichen Hauptrolle vielleicht den besten Eindruck hinterlässt, da er die Strategie des Films mit seiner eigenen Attitüde unterstreicht und für die dargebotene Schnelllebigkeit steht. Er lebt von der Hand in den Mund, nimmt sich dabei das, was er für richtig hält und denkt nicht über Morgen oder gar Konsequenzen nach. Erinnert man sich an den Einstieg in den Film, als er sich lediglich anhand von Bildern, die der Fotograf selbst gefährlich nannte, in den Kopf gesetzt hatte, Laura Parrish nicht nur kennenzulernen, sondern sie in die eigene Tasche zu stecken, weiß man, dass man es mit einem (Über)lebenskünstler zu tun hat, den so schnell nichts aus der Ruhe bringen kann. Auch bei Mord und Verbrechen scheint dies so zu sein, schließlich stürzt er sich Hals über Kopf in vorprogrammierte Gefahren. Eine impulsive Idee setzt sich in die Tat um und bildet den Nährboden für eine halsbrecherische Geschichte, die von Klaus Lemke bemüht anders aufgezogen wird. Dem Zuschauer wird somit ein Paket angeboten, das üblicherweise als interessant eingestuft wird. Jet-Set, Jagd-Trieb, miese Geschäfte und Schauplätze, von denen viele nur träumen können, fördern beinahe formvollendete Eindrücke, zumal die Story frisch wirkt, wenngleich auch nicht besonders plausibel.

     

    Zudem werden verborgene Wünsche und Träume der Zuschauer angesprochen, die greifbar und exakt von der Kamera eingefangen werden. Die Liaison Dangereuse verspricht Zündstoff und knisternde Erotik, der Mann im Hintergrund Gefahr und Bedrohung, dennoch scheitert das Konstrukt am Ignorieren bestehender Gesetze des Kriminalfilms, die zu jener Zeit einfach noch zu tief im Zuschauerbegehren verankert waren. Nichtsdestotrotz bietet Klaus Lemke eine Art Verjüngungskur an, die zu gefallen weiß, vorausgesetzt man betrachtet "Negresco" losgelöst von den Artgenossen des Genres, wobei sich Vergleiche im Orbit von Aktion und Reaktion nicht sonderlich anbieten. Darsteller wie die zauberhafte Christa Linder oder Paul Hubschmid, der wie geschaffen wirkt für den Mann der krummen Geschäfte, runden das hektische Geschehen gekonnt ab und das mit Spannung erwartete Finale erteilt der Vorhersehbarkeit eine Absage, da es alles andere als auf die Sentiments der Zuschauer ausgerichtet erscheint. "Negresco - Eine tödliche Affäre" kann bei genügsamer Betrachtung als Happening eingestuft werden, wirkt beim genaueren Blick jedoch fast zu belanglos, obwohl durchaus eine Reihe neuer und überraschender Akzente gesetzt werden - vor allem, was die Erzählstruktur anbelangt.

  • Autor: Prisma
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