Mädchen im Nachtverkehr

Schweiz, 1976

  • Originaltitel: Mädchen im Nachtverkehr
  • Alternativtitel:

    Le porno vip (ITA)

    Girls in the Night Traffic (USA)

    Wild Desire

    Heißer Sex im Nachtverkehr

    Wilde Lust

  • Deutsche Erstaufführung: 30. Juli 1976
  • Regisseur: Jesús Franco
  • Kamera: Peter Baumgartner
  • Musik: Walter Baumgartner
  • Drehbuch: Erwin C. Dietrich
  • Inhalt:

    Die drei Prostituierten Margit, Pia und Maite (Kali Hansa, Pilar Coll und Esther Moser) beackern die Freier einer ungenannten Großstadt. Sie schlafen gemeinsam in einem großen Bett und haben viel Spaß miteinander, nicht nur beim Sex sondern auch mit ihren gegenseitigen Erzählungen über ihre Kunden. Maites Kunde Mustafa (Eric Falk) betreibt im Orient ein eigenes Bordell, doch es gelingt ihm nicht sie anzuwerben. Da taucht ein Fotografenpaar auf und verspricht Maite eine große Filmkarriere, doch das entpuppt sich als Falle von Mustafa. Als Nächstes geht Margit ins Netz. Die allein verbliebene Pia langweilt sich nach dem Verschwinden ihrer Freundinnen und kann sich deren Verbleib zusammenreimen. Absichtlich begibt sie sich ebenfalls in die Falle und schließlich sind die drei Busenfreundinnen wieder vereint und beackern gemeinsam Mustafas gewaltiges Gemächt.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Manchmal kann es schwierig werden einen Film seines Lieblingsregisseurs zu besprechen, wenn die Info-Lage lückenhaft ist. Zum Glück lassen sich einige Dinge mit Timelines, ein wenig Logik und einer gewaltigen Prise Spekulation herrlich lösen. Und ich sage es besser gleich: ich liebe diesen Film.

     

    Nach seinen ersten und höher budgetierten Arbeiten für Erwin C. Dietrich tritt Jess Francos Arbeit für den Produzenten Anfang 1976 in eine mittlere Phase ein. Eine Porno-Phase. Zwar war der Vorgänger „Die Marquise von Sade“ auch schon in einer Hardcore-Version gedreht und zunächst von Dietrich gekürzt worden, aber die Umstände waren andere. Nach dem Dreh von „Die Sklavinnen“ und dem Back-to-Back  „Die Marquise von Sade“ schlug Franco seine Zelte erst mal in der Schweiz auf, und so entstanden die nächsten drei Filme „Mädchen im Nachtverkehr“, „Weiße Haut und Schwarze Schenkel“ und „Mondo Erotico – In 80 Betten um die Welt“ weitgehend in den Elite Studios in Zürich. Von allen drei Filmen gab es Soft- und Hardcoreversionen. Nicht immer ist dabei klar, ob die Hardcore-Fassungen damals auch in irgendwelchen Erwachsenenkinos gezeigt wurden oder erst später auftauchten.

     

    Als Erwin C. Dietrich „Mädchen im Nachtverkehr“ 2005 erstmals auf einer Doppel-DVD mit beiden Fassungen veröffentlichte, gab mir eine Bemerkung von ihm Rätsel auf. Er habe von der Pornofassung kein Negativ, denn er habe von deren Existenz gar nichts gewusst. Ersteres ist richtig, aber dass er überhaupt nichts von dieser zweiten Fassung wusste, hat er möglicherweise nur missverständlich formuliert. „Wilde Lust“ – so der Titel dieses holländischen VHS-Rips, der auf Disc 2 zu finden war – ist komplett von Elite durchsynchronisiert, musikalisch unterlegt, und es ist doch offensichtlich, dass „Mädchen im Nachtverkehr“ eine gekürzte Fassung ist. Natürlich gäbe es theoretisch noch Tor 2: Franco drehte den 90-minütigen „Wilde Lust“, dieser wurde erst mal komplett nachbearbeitet und anschließend für eine Aufführung in „normalen“ Kinos zurechtgebastelt und editiert. Die dabei auf den Boden des Schneideraums gefallenen Szenen könnte „jemand“ (???) aufgesammelt, das Ding wieder zusammengesetzt und in späteren Jahren anderweitig weiterverkauft haben. Doch wer wäre nur zu so etwas fähig? Sorry, über diesen letzten Satz musste ich selbst lachen. Diese Erklärung würde auch ein paar vertauschte Szenen (Filmrollen?) erklären, die es in der HC-Version etwas schwieriger gestalten, der Handlung zu folgen – und Letztere ist wirklich dünn.

     

    Egal. Die kürzeren Fassungen jener bereits erwähnten drei nächsten Franco-Regiearbeiten für Elite wurden alle unter Erwin C. Dietrichs Pseudonym „Michael Thomas“ in den Kinos veröffentlicht. Noch ein Hinweis darauf, dass ihm alle HC-Fassungen durchaus bekannt waren. Ob es eine vertragliche Vereinbarung zwischen ihm und Franco gab, dass diese SC-Versionen eben nicht unter Francos Namen veröffentlicht wurden, weil sie nicht dem Original entsprachen, ist mir nicht bekannt. Kommen wir lieber endlich zum Film selbst, und hier lasse ich die SC-Version gleich mal außen vor. Zuvor eins noch: ich weiß nicht, wie Dietrich es geschafft hat, diesen zwar gekürzten aber noch immer recht expliziten „Mädchen im Nachtverkehr“ in die „normalen“ Kinos zu bekommen. Wir sehen – zwar immer nur kurz – durchaus erigierten Penis, einen Penis im Mund einer Darstellerin, Pilar Coll, wie sich beim Masturbieren die Finger in die Büx steckt, etc. Vermutlich hat die FSK das Ding damals nie zu Gesicht bekommen.

     

    „Mädchen im Nachtverkehr/Wilde Lust“ ist von Anfang an ein reiner Spaßfilm. Die drei attraktiven und sogar halbwegs charakterisierten Hauptdarstellerinnen räkeln sich, massieren sich und berichten dabei von ihren nächtlichen Abenteuern: ein lüsterner Türke, ein Nekrophiler und ein Familienvater (Roman Huber), der sich nur eine „Handgranate“ rattern will. Es geht weiter mit laszivem Bananenspiel, mit ebenso lasziver Musik von Walter Baumgartner untermalt, und man kann Kali Hansa, Pilar Coll und Esther Moser durchaus den Spaß ansehen, den ihnen dieser Dreh gemacht hat. Apropos – man weiß nicht, ob man der schönen und charismatisch-sympathischen Kali Hansa wirklich einen Auftritt in einem Hardcore-Porno wünscht, allerdings sind in diesem Film auch ein paar seltsame, weil mitunter unlogische Einsätze von (Body-)Doubles im Spiel. Als Beispiel sei hier eine Szene genannt, in der man Esther Moser ersetzt hat. Aber nicht etwa während eines ihrer Porno-Momente sondern wo die Protagonistin noch komplett angezogen den Schritt ihres „Daddy“ reibt (die Szene mit dem Maler) und eigentlich Pilar Coll diejenige ist, die die ganze „Arbeit“ (Blow-Job) macht. Erst bei der anschließenden Szene, wo der Maler ermattet auf dem Bett liegt und Pia und Maite miteinander spielen, ist es wieder Esther Moser. Ob es sich bei Nahaufnahmen also wirklich um Kali Hansas Vagina handelt, sei der Phantasie des Betrachters überlassen. Nach einem letzten kurzen Auftritt in dem drauffolgenden „Weiße Haut und Schwarze Schenkel“ beendete sie jedenfalls ihre Filmkarriere.

     

    Der Film geht mit ähnlicher Leichtigkeit weiter, selbst wenn es um das Thema Entführung und Zwangsprostitution geht bleibt Franco diesmal humorvoll. Dietrichs Einfluss? Die Kameraführung der ungekürzten HC-Version ist professionell genug, dass man sie Peter Baumgartner zurechnen möchte. Ob Franco nicht doch gelegentlich selbst zur Kamera griff bleibt Spekulation, die extremen Close-Ups (Franco geht bei Hardcore-Szenen manchmal beinahe unappetitlich nah ran) deuten aber auf seine Mitwirkung hin. Bei den Dialogen dieses kleinen Schätzchens möchte man Milch aus der Nase pruschen, und insbesondere bei den späteren Szenen mit (falschen) Türken darf man keine politische Korrektheit erwarten. Allah, Mohammed und Tutti Frutti stöhnen sie beim Sex. Am Ende darf sich Eric Falk noch mal von allen drei Schönheiten gleichzeitig verwöhnen lassen.

     

    Ein letztes zu den spärlichen Credits. Da habe ich mich gefragt, ob Marlies Haas nicht eigentlich Aida Vargas ist, schwer zu erkennen. Vermutlich nicht, die Brüste sind etwas größer als die von Aida. Immer diese Details…

     

    In diesem Sinne – gelobt sei was scharf macht. Und dieser Film macht mächtig scharf. Apropos mächtig: achtet mal auf die Riesengurke von diesem Nekrophilen. Da kriegt man ja Angst.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Nach der DVD von 2005 erschien 2014 von Ascot Elite eine Blu-ray von „Mädchen im Nachtverkehr.“ Der Hauptfilm (71 Min.) ist hier in HD. Als Easter Egg findet sich im Bonusmaterial die Hardcore-Fassung (93 Min.). Nicht in HD, da nach wie vor kein Negativ auffindbar ist aber in etwas verbesserter Qualität gegenüber der früheren DVD-Veröffentlichung. Die holländischen Hardcoded-Subtitles sind dankbarerweise weg. Der Ton ist diesmal ausschließlich Deutsch, wahlweise mit englischen Untertiteln. Neben 13 Franco/Dietrich-Trailern gibt es eine Bildergalerie, ein Audiointerview mit Jess Franco von 1976 und die 11-minütige Featurette „Eric im Nachtverkehr“ mit Eric Falk.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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