El Llanero

Spanien, 1963

  • Originaltitel: El Llanero
  • Alternativtitel:

    Le jaguar (FRA)

    Sfida selvaggia (ITA)

    Jaguar (USA)

  • Regisseur: Jesús Franco
  • Kamera: Emilio Foriscot
  • Musik: Daniel White
  • Drehbuch: Jesús Franco, Nicole Guettard
  • Inhalt:

    Venezuela, 1863 - Nach Beendigung des Bürgerkriegs bekommt Colonel Saltierra (Georges Rollin) die Provinz Madero zugesprochen. Doch die Revolution hat weitgehend nur verbrannte Erde hinterlassen, mit Ausnahme der Hazienda Mendoza. Doch die Mendozas leben noch dort. Kurzentschlossen überfällt Col. Saltierra die Hazienda und tötet die Bewohner. Lediglich dem Diener Juano (Roberto Carmadiel) gelingt mit Mendozas kleinem Sohn die Flucht.

     

    Jahre später treibt José Mendoza (José Suárez) als „Jaguar“ sein Unwesen in der Provinz, stiehlt von Saltierra und verteilt die Beute an die Armen und an Pater Francisco (Roberto Font). Als Informationsquelle dient ihm die schöne und heißblütige Lolita (Sylvia Sorrente), die gelegentlich Saltierras‘ Lieutnant Alberto Kalman (Todd Martin) zu Diensten ist. Dieser ist zu ihrem Glück meist viel zu betrunken, um diese Dienste auch wirklich in Anspruch zu nehmen.

     

    Von Lolita erfährt der Jaguar von einem Goldtransport an Saltierra, den die Banditen an sich bringen. Leider hat später Bandit Carlos (Manuel Zarzo) beim Pokern mit Lt. Kalman ein so gutes Blatt, dass er sich verführen lässt, etwas von dem Gold zu setzen und wird gefangen genommen und gefoltert. Carlos wird von Mendoza und Juano befreit und bei Pater Francisco versteckt. Als Lt. Kalman Carlos bei Pater Francisco findet und die Beiden inhaftiert, um sie hinrichten zu lassen, wird eine erneute Befreiungsaktion nötig.

     

    Mendoza, der „Jaguar“ hat noch ein weiteres Problem, denn er verliebt sich in Inès (Marta Reves), die Tochter seines Erzfeindes Saltierra. Lolita ist nicht nur eifersüchtig sondern traut Inès auch nicht. Zudem will Saltierra seine Tochter mit Lt. Kalman verheiraten.

     

    Lolita, die sich nicht mehr traut, sich mit Mendoza heimlich zu treffen, übergibt ihrer Dienerin eine Nachricht für ihn. Doch die Dienerin hatte einst einen Offizier zum Ehemann, der einst vom Jaguar getötet wurde und so verrät sie ihn. Saltierra und seine Männer stellen dem Jaguar eine Falle.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Ich habe nie einen Western gedreht“

    (Jesús Franco)

     

    Hat er auch nicht. Aber dann irgendwie doch. Mit „El Llanero“ ist Jesús Franco ein bemerkenswert eigenständiger Genre-Beitrag gelungen und die Geschichte um den Jaguar gehört zu den unterschätzten Frühwerken Francos, von denen ich in den nächsten Tagen drei Filme vorstellen möchte.

     

    Eigenständig ist „El Llanero“ schon insofern, dass er nicht nur in Venezuela angesiedelt ist, sondern dass mir kaum ein Beispiel einfallen würde, wo man diesen Film stilistisch mit irgendeinem amerikanischen oder italienischen Western vergleichen könnte. Es ist ein sehr spanischer Film und keineswegs so handzahm wie beispielsweise Amando De Ossorio‘s „La Tumba del Pistolero“, der auch kein schlechter Film ist, aber doch einige seltsame Wendungen nimmt, die wohl auf strenge Drehbuch-Kontrolle spanischer Zensoren zurückzuführen sind. Vielleicht bespreche ich den auch irgendwann mal.

     

    „El Llanero“ beginnt sehr düster, mit fast schon expressionistisch wirkenden Kameraeinstellungen, gefolgt von schattenhaften alptraumhaften Gewaltdarstellungen beim Überfall auf die Mendoza Hazienda. Hier liegt eine der großen Stärken des Films, in der Darstellung der Figuren und der Gesichter, eindrucksvoll charakterisiert von Kameramann Emilio Foriscot. Schmerzliche Ausnahme ausgerechnet der Hauptdarsteller José Suárez.

     

    Die starke Bildgewalt bei den Figuren wird auch bis zum Ende durchgehalten, nicht jedoch die düstere Atmosphäre, denn Franco schwenkt hier schnell und oft in komödiantische Leichtigkeit um, was sich besonders in einigen komischen bis denkwürdigen Dialogen widerspiegelt. Glücklicherweise findet er, wenn es darauf ankommt, immer wieder zurück.

     

    Zu den männlichen Darstellern – José Suárez, wie bereits erwähnt, etwas farblos. Seine beiden engsten Mitstreiter, dargestellt von Roberto Carmadiel und Manuel Zarzo, haben hier gute, lange Parts und dürfen zeigen, was sie können. Beide kennt man aus zahlreichen Italo-Western und vielen anderen Genre-Filmen. Auf der Seite der Bösewichter sehen wir einen sehr bedrohlich wirkenden und schweigsamen Georges Rollin in seiner letzten Rolle. Und es ist wirklich seine letzte Rolle, er starb nur ein paar Wochen nach Beendigung der Dreharbeiten. Als Lieutenant Alberto Kalman, den aktiven Part unter den beiden Bösewichtern, sehen wir das prägnante Gesicht von Todd Martin. Der in Brooklyn, N. Y. geborene Todd Martin drehte seine ersten vier Filme in Europa, z. B. „Dynamit Jack“, „Die Millionen eines Gehetzten“ oder Ossorios „La Tumba del Pistolero“, bevor er zu einem regelmäßigen Gesicht in zahlreichen Fernsehproduktionen wurde.

     

    Noch mal zurück zu Georges Rollin und der Behauptung, dass dies sein letzter Filmauftritt ist. Die zeitliche Bestimmung von Jess Francos Filmen ist unheimlich schwierig, zumal seine Werke gelegentlich auch schon mal die Angewohnheit haben 1-3 Jahre in der Nachbearbeitung oder einer Schublade verbringen. Das war hier zwar nicht der Fall, aber imdb geht in der Reihenfolge nach Veröffentlichungsdaten und selbstverständlich nur soweit diese auch vorliegen. Und so entstand der bei imdb für 1964 gelistete „La muerte silba un blues“, in dem Georges Rollin den Paul Radeck spielt, bereits zwei Jahre zuvor und somit auch vor „El Llanero.“ Aber da gibt es noch einige andere Beispiele von Franco-Filmen, wo die Datierungen teils bis zu drei Jahre danebenliegen, was wohl auch mit dem undurchdringlichen Wust an Fassungen zu tun haben dürfte, wie soll man da noch eine Erstveröffentlichung oder gar das eigentliche Entstehungsjahr bestimmen. Bei Franco gelingt das noch am Ehesten, wenn man den Stab, die Besetzung und die Locations im Auge behält.

     

    Die weiblichen Hauptdarstellerinnen sind Sylvia Sorrente als die feurige Dunkelhaarige und Marta Reves als die brave Blondine. Und eines, was mich eben bei Italo-Western manchmal befremdet, ist, warum nehmen die Helden immer das brav-blonde Knochengestell? Aber Franco löst das endlich mal anders. Überhaupt gehören das Ende und der Anfang Films zu den stärksten Momenten.

     

    Und hier, bei den Frauen um unseren Helden, gibt es ein paar merkwürdige Dialoge, die man erwähnen sollte. Der Jaguar hat seine erste nicht so gut gelaufene Begegnung mit Inès (Marta Reves) bereits hinter sich als man sich näher kommt. Dies geschieht mittels eines Dialogs, der nicht etwa flapsig-scherzhaft sondern bierernst durchgezogen wird. Der Jaguar erklärt ihr seine Gefühle für sie, die seien wie bei einer Schwester. „Schwester?“, entgegnet sie bestürzt woraufhin er beschwichtigt, „Ja, aber viel intensiver.“ So etwas habe er bisher nur ein einziges Mal gefühlt, nämlich für sein Pferd, doch das sei irgendwann gestorben und seitdem fühle er sich allein. Aber jetzt ist sie ja da, und wird sich um ihn kümmern. Genauso denkwürdig als sie ihn um ein Taschentuch bittet. Er sagt, er habe keins, Taschentücher sind nur was für Frauen und sehr seltsame Männer. Später, als Lolita (Sylvia Sorrente) nach einer Eifersuchtstirade weint, holt er ein Taschentuch hervor und sie sagt sowas wie, „was ist bloß aus dir geworden, ein Mann, der ein Taschentuch besitzt.“ Ernsthaft. Oh, und als Juano (Roberto Carmadiel) stirbt, erfahren wir, wie schön er es immer fand, wie der Jaguar Martinez als Kind immer „Mama“ zu ihm gesagt hat.

     

    Es gibt natürlich auch ein kurzes und witziges Cameo von Jesús Franco selbst, und Filmkomponist Daniel White ist in einer Lagerfeuerszene an der Gitarre zu sehen. Daniel White hat hier in „El Llanero“ eine weitgehend schöne, aber in jedem Fall interessante Musik geliefert. Das Titelstück kennt man aus späteren Franco-Filmen, wo es wiederverwendet wurde, wie Franco es für meinen Geschmack etwas zu oft mit Daniel Whites Kompositionen gemacht hat. Für die romantischen Momente hat White ein seltsam verzerrt klingendes Stück eingespielt und zwei Mal taucht ein gutes, aber für die entsprechenden Szenen etwas unpassendes Tanzmusik-Stück auf. Die große Stärke des Soundtracks liegt hier, wie bei anderen Franco-Frühwerken, in den Songs. Es gibt mehrere Szenen mit spanischsprachiger Folklore, schöner Gesang hier auch von Sylvia Torrente, José Suárez hätte es dagegen besser gelassen.

     

    Mir lag hier eine spanische Fassung mit einer Länge von 91 Minuten vor. Es handelt sich um einen etwas verwaschenen und kriseligen TV-Rip, denn eine legale Veröffentlichung gibt es bisher meines Wissens nach nicht. Zur Fassung selbst sei erwähnt, dass es neben zahlreichen Rollenrissen auch ein paar recht offensichtliche Gewalt- und Dialog-Zensurschnitte gibt. Spanien halt.

     

    Aber ein bisschen politischen Kontext hat Franco deshalb natürlich auch reingeschmuggelt, da er weder ein Fan von Zensur noch von Diktator Franco war. Zwei Soldaten berichten von dem Goldraub und Lt. Kalman flüstert Col. Saltierrea zu „Könnten sie die Diebe sein?“ Saltierra antwortet, „Hast du ihre Gesichter gesehen? Sie kennen nur die Treue zu ihrem Herren, sie können nichts anderes.“

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb

    IMDb

    Kommentare (1)

    • Maulwurf

      Maulwurf

      08 Dezember 2015 um 09:09 |
      Danke für die Vorstellung dieses seltenen Teils, der bei Stephen Throwers übrigens wesentlich schlechter wegkommt. Throwers datiert die Dreharbeiten auf September/Oktober 1963, Premiere war im Mai 1964 in Sevilla. Zur Länge gibt er 90 Minuten für die spanische und 97 Minuten für die französische Fassung an.
      Bezüglich Veröffentlichungen: Es scheint eine italienische VHS der Fa. Video Europa zu geben, mit dem o.a. italienischen Titel, und ich glaube sogar dass dieses Teil was offizielles ist.

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