The Lady in the Car with Glasses and a Gun

Belgien | Frankreich, 2015

  • Originaltitel: La dame dans l'auto avec des lunettes et un fusil
  • Regisseur: Joann Sfar
  • Kamera: Manuel Dacosse
  • Musik: Agnès Olier
  • Drehbuch: Gilles Marchand, Patrick Godeau
  • Inhalt:

    Die Story ist nicht neu und auch mehr oder minder belanglos: Die schüchterne Sekretärin Dany (Mavor) war noch nie am Meer. Als ihr Chef (Biolay) ihr eines Tages am Flughafen sein Auto anvertraut, damit sie es zu ihm nach Hause fährt, nutzt sie die Chance für eine Spritztour gen Côte d’Azur. Ihr Roadtrip gestaltet sich verwirrender und mysteriöser, als Dany es sich je erträumt hätte: Zunächst einmal begegnet sie ständig Menschen, die sie gut zu kennen scheinen, obwohl Dany weiß, dass sie ihnen nie zuvor begegnet war. Dann wird sie an einer Tankstelle von einem schwarzbehandschuhten Mann überfallen. Schließlich findet sie in ihrem Kofferraum einen Toten nebst Gewehr. Dany glaubt, langsam den Verstand zu verlieren…

  • Autor: André Schneider
  • Review:

    Sébastien Japrisots kompliziert und verschachtelt aufgebauter Roman war bereits 1969 als amerikanisch-französische Co-Produktion mit Samantha Eggar und Oliver Reed verfilmt worden. Seinerzeit ein Flop, entwickelte sich der Streifen — die letzte Regiearbeit des aus Russland stammenden Hollywood-Veteranen Anatole Litvak — zu einem wahren Kultfilm; vermutlich auch deshalb, weil der an die frühen Chabrol-Filme erinnernde Film selten zu sehen war. (Bis heute ist er niemals als VHS oder DVD erschienen.) Es war nur eine Frage der Zeit, bis man sich des Stoffes noch einmal annahm. Konsequenterweise tat dies 2015 ein französisches Team. Das Resultat ist um Längen besser als die Litvak-Version, konnte sich aber dennoch bei Kritik und Publikum nicht so recht durchsetzen.

     

    Dass die arme Dany Teil eines teuflischen Komplotts ist, wird dem geneigten Zuschauer schon im ersten Drittel klar, was Regisseur Sfar nicht daran hindert, einige falsche Fährten zu legen, um noch ein wenig Spannung herauszukitzeln. Das gelingt zwar nur mäßig, dafür ist der 90minütige Giallo-Hybrid ein Fest für die Sinne und ganz auf Freya Mavor zugeschnitten. Das schottische Supermodel liefert eine passable schauspielerische Leistung ab und ist einfach ein Augenschmaus: nicht enden wollende Beine, ein traumschöner Busen, süße Sommersprossen, ein geheimnisvoller Katzenblick, volle Lippen und ein Gang, der so perfekt, so erotisch ist, dass er einfach auf Film festgehalten werden musste. Eine Frau, der man gerne beim Sein zuschaut, beim Autofahren, beim Trinken, beim Aufsmeergucken. Der Look des Films ist herrlich, das fängt bei den Kostümen an und endet bei den herrlich ausgestatteten und ausgeleuchteten Innenaufnahmen. Durchgestylt und mit Liebe zum Detail gemacht, fällt »La dame dans l’auto avec des lunettes et un fusil« in optischer Schräglage aus der Zeit. Er will irgendwie 1970er sein und schafft es nicht, aber 2015, das ist es auch nicht. Der Thriller entzieht sich jeglicher Einordnung in eine Epoche, ist dabei aber nicht zeitlos, sondern entführt uns in eine Art Grenzland zwischen Realität und Traum. Der bombig-elegante Soundtrack tut sein Übriges. Kein großer Wurf, auch kein Spannungskino, aber ein kurzweilig-sinnlicher Trip, von dessen Charme man sich gerne einsaugen lässt.

  • Autor: André Schneider
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