Kiss Me Killer

Frankreich, 1977

  • Alternativtitel:

    Valse para un asesino (ESP)

    Embrasse-moi (FRA)

    La calda bestia (ITA)

    Vals por un asesino (MEX)

    Tango au clair de lune

  • Regisseur: Jesús Franco
  • Kamera: Gérard Brisseau
  • Musik: Daniel White
  • Drehbuch: Jesús Franco, Gian Franco Riccioni
  • Inhalt:

    Eine Gruppe von Gangstern überfällt ein Schiff, doch Zwei von Ihnen verraten die Anderen, dabei wird ihr Komplize und Musiker Freddy Carter getötet. Die Beiden siedeln mit dem gesamten Vermögen aus ihren vergangenen Raubzügen nach Spanien um, nennen sich fortan Paul Radeck (Francisco Acosta) und Carlos Moroni (Olivier Mathot). Radeck hat zudem die Frau des getöteten Freddy – Linda (Alice Arno) – mit sich genommen und sie inzwischen geheiratet.

     

    Da taucht die Tänzerin Moiry Ray (Lina Romay) in Radecks Club auf und beginnt, unangenehme Fragen zu stellen, die die früheren Identitäten der Gangster betreffen. Doch damit nicht genug, denn zudem erscheint noch ein vermeintlicher Freddy Carter (Alberto Dalbés) auf dem Plan.

     

    Moroni und Radeck wollen über Moira herausfinden, was das Ganze auf sich hat, und immer wieder taucht dieses Lied auf, das einst Freddy Carter für seine Frau Linda komponiert hat.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Circa 9 – 10 Jahre nach dem S/W-Klassiker „Death whistles the Blues“ (1962) drehte Jesús Franco (als „Roland Marceignac“) dieses Remake seines eigenen Films in Farbe. Und hier könnte man den Fehler begehen, diese beiden Filme direkt miteinander zu vergleichen, und genau das mache ich jetzt einfach mal.

     

    „Death whistles the Blues“ und „Kiss me Killer“ trennen erst mal Welten. Die Handlung ist zwar die Gleiche, aber schon die Stimmung eine völlig andere. Während „La muerte silba un Blues“ ein Film Noir gepaart mit humoristischer Leichtigkeit ist, herrscht in „Kiss me Killer“ diese eher melancholische Stimmung vor, wie man sie aus zahlreichen anderen Werken Francos kennt. Eines der größten Defizite im Vergleich dieser beiden Filme zeigt sich bei den Darstellern. Insbesondere Alberto Dalbés als Freddy Carter kann nicht mal ansatzweise mit seinem früheren Counterpart Federico de Castro – 1962 von Conrado San Martin gespielt – mithalten. Und auch Francisco Acosta als Paul Radeck ist keinesfalls ein Georges Rollin, das schafft er nicht, kann er gar nicht.

     

    Und nun vergessen wir das Alles gleich mal wieder und schauen uns „Kiss me Killer“ an, als hätten wir von „Death whistles the Blues“ nie gehört. Diese Melancholie, die in „Kiss me Killer“ vorherrscht, ist Franco hier hervorragend gelungen. Einer der größten Credits ginge hier an die Musik von Daniel White, der hier – meiner Ansicht nach – einen kompletten Originalsoundtrack vorgelegt hat. Weshalb es mir auch schwer fällt, den Entstehungszeitpunkt genau einzuschätzen. Erstveröffentlicht wohl erst 1977, montiert 1974, anhand der Musik würde ich ihn aber fast auf vor „Perverse Emmanuelle“ (1973) entstanden datieren. Vielleicht weiß das Stephen Thrower-Buch da mehr, welches in ca. 2 Tagen auch endlich seinen Weg in meine bescheidene Hütte gefunden haben sollte.

     

    Ebenfalls zu dieser Melancholie tragen die wechselhaften, meist bewölkt und verregnet aussehenden Wetterverhältnisse bei, die offensichtlich bei den Dreharbeiten vorherrschten. Alice Arno als Linda – die keine übermäßig talentierte Schauspielerin ist - kann aber genau DAS: den melancholischen, traurigen Blick, in die Ferne gerichtet, einer verlorenen Liebe nachtrauernd, und so ist sie in dieser Rolle, in diesem Film genau richtig.

     

    Lina Romay als Tänzerin (und Prostituierte) Moira Ray ist in diesem Film nicht nur ein ganz besonderer Leckerbissen sondern es fällt etwas auf. Anhand dieser langen, glatten Haare, der „Bekleidung“, der Art ihrer Tanzszenen und ihrer Posen, entsteht der Eindruck als hätte Franco versucht, hier Soledad Miranda wiederauferstehen zu lassen. Das ist interessant anzusehen, funktioniert aber nicht, Lina ist Lina und, Soledad eben Soledad. Apropos, auch Linas Figur lässt mich den Drehzeitpunkt eher auf sehr schlanke 1973 schätzen.

     

    Franco selbst hat ein Cameo als ein indisch aussehender Unheilsprophet namens Marcel, hölzern und unpassend. In Nebenrollen Paul Muller als Inspektor der Polizei sowie einen der ersten Auftritte von Antonio Mayans in einem Franco-Film.

     

    Durchwachsen ist dagegen die Sorgfalt, die Franco hier an den Tag legt. Während die Locations und Kameraeinstellungen nebst Beleuchtung sehr gut vorausgewählt scheinen und Stimmung erzeugen, hat er sich doch nicht die Zeit genommen, kleine Schwächen zu bereinigen. Etwa als Lina Romay am Anfang einer ihrer Nachtclub-Szenen einen Barhocker umrundet und dabei mit dem Absatz umknickt, macht nichts, ist im Kasten, bleibt drin. Franco halt. Genauso die erste Szene mit Alberto Dalbés, wo er sich gegen ein paar Straßenräuber wehrt, grauenhaft. Aber Actionszenen sind bei Franco oft gewöhnungsbedürftig, das kann er nicht so gut, weshalb ihm hier auch leider das Ende des Films misslingt.

     

    Nichtsdestotrotz ist „Kiss me Killer“ eines der sehenswerteren Werke Jesús Francos, und man kann erahnen, wie gut der Film mit einer ordentlichen Abtastung aussehen könnte – was uns zur Quelle führt. Von „Kiss me Killer“ kursieren zwei Fassungen im Internet, beide gehen wohl auf Netflix zurück. Und hier ist Vorsicht geboten, denn obwohl beide Versionen sichtbar von der gleichen Filmkopie stammen (auch an identischen Untertiteltexten erkennbar), ist die Eine mit nur 84 Min. stark zensiert. Ungekürzt geht der Film 100 Min., und wer das Pech hat, die kürzere Fassung zu erwischen, verpasst u. a. Folgendes:

     

    Nahaufnahmen von Lina Romay beim Duschen; wie Lina Romay bei einem ihrer Nachtclub-Auftritte den Penis einer Alabaster-Statue mit Zunge und Lippen verwöhnt, bevor sie dann endgültig die Statue bespringt; eine laaaannnge Liebesszene zwischen Lina Romay und Alice Arno, dabei beobachtet von Paul Radeck; außerdem ca. 50 Prozent einer Szene, in der Lina Romay (nackt natürlich) versucht den anscheinend impotenten Paul Radeck zu becircen, dann aber von diesem nach Strich und Faden mit dem Ledergürtel verdroschen wird.

     

    Und das will doch hoffentlich keiner verpassen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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