Im Schloß der blutigen Begierde

Deutschland, 1968

  • Originaltitel: Im Schloß der blutigen Begierde
  • Alternativtitel:

    Le château des passions sanglantes (FRA)

    Castle of Bloody Lust

    Castle of Lust

    Castle of Unholy Desires

    Castle of the Creeping Flesh

    In the Castle of Bloody Lust

    Appointment with Lust

    Das Schloß der Gehenkten

  • Deutsche Erstaufführung: 26. Juli 1968
  • Regisseur: Adrian Hoven
  • Kamera: Jorge Herrero, Franz Hofer
  • Musik: Jerry van Rooyen
  • Drehbuch: Jesús Franco, Adrian Hoven, Eric Martin Schnitzler
  • Inhalt:

    Den Mediziner Graf Saxon (Howard Vernon) hat gerade ein schwerer Schicksalsschlag getroffen, denn ähnlich wie schon die Tochter eines seiner Vorfahren wurde seine eigene Tochter Katharina (Claudia Butenuth) von einem Unbekannten vergewaltigt und ist soeben vor seinen Augen verstorben.

     

    Unweit von Graf Saxons Schloss gibt Baron Brack (Michel Lemoine) eine Party, und ungeachtet der Anwesenheit seiner Verlobten Marion setzt er sich mit seiner Bekannten Elena (Elvira Berndorff) in eine nahegelegene Hütte ab, wo er gegen ihren Willen über sie herfällt und sie demütigt und missbraucht. Die übrigen Partygäste – unter ihnen Elenas Schwester Vera (Janine Reynaud) – folgen den beiden zur Hütte, doch während sich die anderen Schauergeschichten erzählen, schwingt Elena sich auf ein Pferd und reitet in den Wald davon.

     

    Als die anderen sich auf die Suche nach ihr begeben, treffen sie Graf Saxons Diener Alecos (Vladimir Medar), der ihnen mitteilt, dass Elena sich auf Graf Saxons Schloss befindet. Und so verbringt die Partygesellschaft, von ihrem neuen Gastgeber mit mittelalterlichen Kostümen ausstaffiert, die Nacht auf dem Schloss und der Graf erzählt ihnen die Geschichte einer lange vergangenen Vergewaltigung und einer Rache. Und auch er selbst will Rache für den Tod seiner Tochter, und den Täter erwartet eine Begegnung mit dem Schicksal – und einer zum Leben erweckten Toten.

     

    Zudem treibt ein furchterregender Bär in der Umgebung des Schlosses sein Unwesen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Sie haben unerhörte Ähnlichkeit mit der Mätresse meines Vorfahren“

     

    1965 gründete Schauspieler Adrian Hoven, zusammen mit Siemens-Erbe Pier A. Caminnecci, nach seiner Rückkehr von Dreharbeiten in Spanien die Produktionsfirma Aquila Film. Nicht zuletzt zu dem Zweck, selbst als Autor und Regisseur tätig zu werden. Zunächst entstand so das sehenswerte Krimidrama „Der Mörder mit dem Seidenschal“ (1966) mit Hoven als Regisseur und Darsteller. Nach „Der Sarg bleibt heute zu“ (1967) unter der Regie des gebürtigen Marokkaners Ramon Cómas produzierten Hoven und Caminnecci drei Jesús Franco-Filme, den schon legendären „Necronomicon – Geträumte Sünden“, „Rote Lippen, Sadisterotica“ und „Küss mich, Monster.“

     

    In diesen drei Filmen kamen Kontakte zustande, die für den 1968 gedrehten „Im Schloss der blutigen Begierde“ prägend sein würden. Zum Einen natürlich Jesús Franco, Ideengeber für den hier besprochenen Film, der aber zugunsten seiner beginnenden Zusammenarbeit mit Harry Alan Towers nicht die Regie führte. Dann natürlich das Ehepaar Michel Lemoine und Janine Reynaud, die in den drei vorgenannten Filmen ebenfalls als Darsteller dabei waren. Pier A. Caminecci spielt ebenfalls eine Rolle, wie schon in „Necronomicon – Geträumte Sünden.“ Lobend erwähnt in damaligen Kritiken – neben unflätigen Schmähungen - vor allem die Kameraarbeit von Jorge Herrero und Franz Hofer, wer von den beiden aber nun tatsächlich dabei war, wer weiß. Als Filmkomponist war wieder Jerry van Rooyen zugange – der eigentlich eher ein Jazz-Arrangeur war, aber für Hoven eine Ausnahme machte – dessen sehr schöne Kompositionen von Adrian Hoven mit etwas Klassik (Chopin) aus dessen Plattensammlung aufgemöbelt wurde.

     

    Zum Film selbst möchte ich gerne einmal anmerken, dass es – vom Stummfilm einmal abgesehen – kaum deutsche Horrorfilmklassiker geben dürfte, „Im Schloss der blutigen Begierde“ ist aber genau das – ein Klassiker. Nicht selten ist in Hovens Regie eine gewisse Beeinflussung durch die von ihm produzierten Franco-Filme spürbar, und das liegt eben nicht nur an der Besetzung. Im Grunde kann man sogar Parallelen zu noch früheren Franco-Filmen ziehen. Zu einer guten Horrorfilmbesetzung gehört natürlich auch ein wenig Overacting, und hier sorgt gerade Michel Lemoine manchmal für fassungsloses Schmunzeln. Howard Vernons Performance dagegen würde wohl nur der als Overacting bezeichnen, der nicht mehr Filme mit ihm gesehen hat. Hier wirkt er fast schon distinguiert. Als Kunststück muss man es fast schon betrachten, dass die auf drei Ebenen verworrene Handlung geradlinig und plausibel erzählt wird, im Gegensatz zu meiner Inhaltsangabe weiter oben. Die Außenszenen wurden vornehmlich in und um Burg Kreuzenstein bei Leobendorf in Niederösterreich gedreht.

     

    Den realen Kontext hinter diesem Film fasste Percy Hoven gut zusammen: das Herz. Die Angst davor, wenn man diesem lebenswichtigen Organ in seinem eigenen Innern nicht mehr trauen kann. Ein Thema, das Adrian Hoven zwangsläufig sehr beschäftigt hat, und das Organ, das ihn schließlich im Jahre 1981 leider endgültig im Stich ließ.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Ohne monatelange Wartezeiten und wöchentliche Wasserstandsmeldungen in diversen Blogs hat Subkultur kurz und bündig Adrian Hovens „Im Schloss der blutigen Begierde“ als Edition Deutsche Vita Nr. 8 veröffentlicht. Und das Ding ist so schön, dass man weinen möchte. In 4K abgetastet in unzensierter Originalversion auf einer BD-50, zusammen mit der alten (und zensierten) deutschen Kinofassung und schönem Bonusmaterial. Dieses enthält unter anderem ein Interview mit Joyce und Percy Hoven (moderiert von Uwe Huber) einen Location-Vergleich damals und heute, ein paar Alternativ-Szenen und Titeleinblendungen, eine informative Texttafel zu Fassungsunterschieden und in der Trailershow konnte ich mich bereits davon überzeugen, dass Christian Anders‘ „Die Brut des Bösen“ wohl ein Pflichtkauf wird.

     

    Die Bildqualität des Hauptfilms ist gigantisch (so hat er wohl nicht mal damals im Kino ausgesehen), das sieht man schon daran, dass selbst die Operationsszenen – bei denen es sich um von Adrian Hoven eingefügtes Archivmaterial einer Herzoperation handelt – dieselbe Bildqualität aufweist, wie die originalen Handlungsszenen. Nun mag der eine oder andere zwar meckern, das sei zu sehr aufgebrezelt, das kann ich aber gar nicht finden. Mir hat lange keine Sichtung so großen Spaß gemacht (mindestens eine Woche), zumal ich den Film zuvor nur als grauenhafte US-Videokassette kannte.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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