Ilsa - Die Tigerin

Kanada, 1977

  • Originaltitel: Ilsa the Tigress of Siberia
  • Alternativtitel:

    Ilsa, la tigresse du goulag (FRA)

    La tigre del sesso (ITA)

    The Tigress

  • Deutsche Erstaufführung: 03. März 1978
  • Regisseur: Jean LaFleur
  • Kamera: Richard Ciupka
  • Drehbuch: Marven McGara
  • Inhalt:

    In einem sibirischen Gulag regiert die für ihre Brutalität und sexuellen Ausschweifungen bekannte Lagerkommandantin Ilsa (Dyanne Thorne) mit eiserner Hand und betreibt ein Regime der Willkür. Strafgefangene werden gedemütigt und gefoltert, bei dem kleinsten Vergehen werden sadistische Todesurteile vollstreckt. Spuren werden dabei keine hinterlassen, da die hauseigene sibirische Tigerin Sascha hauptsächlich mit dem anfallenden Menschenfleisch gefüttert wird. Als Stalin gestürzt wird, verlassen die Genossin Oberst und ihre Gefolgschaft das Lager Hals über Kopf und tauchen unter. Fast 25 Jahre später findet sich Ilsas Spur in Montréal wieder, wo sich die Dame einen Namen als Betreiberin einer Bordellkette machen konnte. Da noch viele offene Rechnungen ausstehen und Rache keine Verjährungsfrist kennt, wollen ihr mehrere Leute gleichzeitig an den Kragen...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Die "Ilsa"-Trilogie zeigte von Beginn an die unterschiedlichsten Schauplätze der Schreckensherrschaft auf, in Beitrag Nummer 3 findet sich der Zuschauer in einem sibirischen Arbeitslager wieder. Obwohl es sich dem Namen nach immer um die gleiche Person handelt, schlüpfte Dyanne Thorne im Verlauf der Reihe in sehr unterschiedliche Rollen. Allerdings weist die Marschrichtung dabei einen hohen Wiedererkennungswert auf und auch hier kommt es teilweise zu sehr drastischen Veranschaulichungen. Der "Tigerin" wird im Allgemeinen bescheinigt, dass es nicht zu der Intensität im Rahmen beunruhigender Darstellungen kommt, und die ersten beiden Teile mehr zu bieten haben. Tatsächlich bestätigt sich dieser Eindruck im Verlauf, allerdings ist Jean LaFleurs Arbeit in zwei Teile aufzusplitten. Die Szenerie im Arbeitslager ist geprägt von Mord, Folter, Sadismus und barbarischer Handhabe, doch fünfundzwanzig Jahre später scheint der dominanten Genossin Oberst tatsächlich ein bisschen die Luft ausgegangen zu sein, ausgenommen im Rahmen ihrer sexuellen Ausschweifungen.

     

    Eigentlich ist die Verknüpfung nur bedingt geglückt, da die Erzählstruktur etwas zu holprig ausgefallen ist. Wie dem auch sei, in Sibirien kommt der an Spektakeln interessierte Zuschauer auf seine Kosten und nach persönlichem Ermessen handelt es sich um die brutalste Bebilderung aller drei Teile, vielleicht auch, weil sich die erste Hälfte dieses Films ziemlich ernst nimmt und nicht so sehr ein Hintertürchen in die Märchenwelt offen lässt. Der Einstieg wird mit der Flucht eines Gefangenen und dessen brutalem Ende geebnet. Von nun an geht es Schlag auf Schlag, denn "Ilsa" gibt den offensichtlich üblichen Befehl, die sterblichen Überreste des Mannes für die Tigerin Sascha bereitzustellen. Diese Demonstration soll dabei nur sekundär als Abschreckung für die anderen Gefangenen dienen, denn es scheint so, als brauche die Aufseherin dieses Vorgehen für sich selbst. Es geilt sie auf und bei Anbruch der Dunkelheit geht sie ihren wilden Sexualpraktiken nach Art des Hauses nach.



    Die Personifikation von Sex und Sadismus stellt erneut eine unbändige Dyanne Thorne dar, die sich nach Herzenslust austoben darf. Erneut spart sie nicht an körperlichen Einblicken und scheint stets auf der Suche nach einem neuen Kick zu sein. In ihrem Lager wird sie daher von ihrer kompletten Gefolgschaft gedeckt, und das sogar im doppelten Wortlaut. Nach der harten Arbeit zieht sich "Ilsa" gerne mit gleich mit zwei Herren zurück, die im Wettstreit um sie zuvor den Zuschlag erhalten hatten. Garniert mit zahlreichen Sexszenen und brutalen Machenschaften, entsteht erneut ein eindeutiges Profil und die Amerikanerin macht einen sehr guten Eindruck und wirkt noch nicht einmal unbegabt bei dem, was sie tut. Szenen außerhalb des Schlafgemachs provozieren mit expliziten Bildern, wie beispielsweise jenen aus dem Tigerkäfig, oder die des Armdrückens, als der Verlierer durch eine Kettensäge nicht nur den Arm verliert, sondern gleichzeitig im Off in Stücke zerlegt wird, um der hungrigen Sascha verehrt zu werden.

     

    Nebenbei sieht der Zuschauer Szenen von der kommunistischen Folter, in der der schwache Protagonist Yakurin viele Federn lassen muss. Der Fantasie werden einige üble Streiche gespielt. Plötzlich ist Stalin gestürzt und man verlässt das Camp fluchtartig. Baracken samt Insassen werden einfach angezündet, unwichtige Personen abgeknallt, bis die Kamera zu einem Eishockeyspiel in Montréal des Jahres 1977 schwenkt. Yakurin besucht mit den Spielern seiner sowjetischen Mannschaft ein Bordell in dem, wie es der Zufall will, "Ilsa" hinter den Überwachungskameras sitzt. Das gleiche Spiel nimmt also eine weitere Etappe, wenn auch in modernerem Setting. Die Themen Folter, Unmenschlichkeit und Sex werden wieder aufgegriffen, allerdings nicht verfeinert, und die zweite Etappe des dritten Teils kann lediglich durch einige Szenen des bestialischen Mordes für Aufsehen und Unbehagen sorgen. Insgesamt gesehen fällt "Die Tigerin" im direkten Vergleich mit seinen gleichnamigen Artgenossen trotz guter Effekte ab, stellt aus persönlicher Sicht dennoch den zumindest halben Lieblingsfilm der Reihe dar.

  • Autor: Prisma
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