Hunting Ground

Spanien, 1983

  • Originaltitel: Coto de caza
  • Alternativtitel:

    Code of Hunting (USA)

    Code of Hunt

  • Regisseur: Jorge Grau
  • Kamera: Antonio Cuevas Jr.
  • Musik: Carlos Viziello
  • Drehbuch: Jorge Grau, Antonio de Jaén, Manuel Summers
  • Inhalt:

    Adela (Assumpta Serna) ist Strafverteidigerin und berücksichtigt bei ihrer Arbeit immer die humane Seite. Sie ist überzeugt, dass Straftäter oftmals keine Wahl haben, aufgrund ihrer Lebensumstände in Armut und sieht sie als Opfer.

     

    Dann werden sie, ihr Ehemann und dessen Mutter selbst Opfer eines Überfalls und bei einem Handgemenge löst sich ein Schuss, der Adelas Mann tötet. Bei ihrer Flucht vergessen die Täter den jüngeren Bruder ihres Anführers am Tatort, und so sind auch die übrigen Täter schnell bekannt und müssen sich vor der Polizei verstecken.

     

    Der Anführer will Adela erpressen, bedroht sie, damit sie seinem Bruder hilft. Doch der stirbt im Gefängnis nachdem er von den übrigen Insassen drangsaliert und (mutmaßlich) vom Gefängnispfarrer missbraucht wurde. Nun will die Gang sich rächen und überfällt Adela erneut, diesmal im Beisein ihrer beiden Kinder.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Oft wird Jorge Graus „Hunting Ground“ als Exploitation-Flick mit Rape and Revenge-Thematik bezeichnet, aber ganz so einfach ist es nicht. Zwar folgt auch dieser Film dem alten „Death Wish“-Grundgedanken, dass wenn man Kriminelle nicht beizeiten hart bestraft, begehen sie nur weitere und schlimmere Verbrechen, aber trotz der spekulativen Szenen und dem Hintergedanken dieses Films ist er ziemlich gut gemacht.

     

    Das Fundament mag spekulativ und nicht übermäßig glaubwürdig erscheinen, aber was das Gesamtwerk rettet, ist der dramatische Handlungsanteil, der von guten Darstellern glaubhaft umgesetzt wird. Vor allem von der Hauptdarstellerin Assumpta Serna, die offensichtlich nicht wegen ihrer Schauwerte für diese Rolle ausgewählt wurde. Sie ist zwar eine gutaussehende Frau, besitzt gleichzeitig aber auch eine Ausstrahlung von Normalität und Intellektualität, so nimmt man ihr die Rolle einer Juristin ab. Da hat man in solchen Rollen auch schon ganz anderes erleben müssen. Zudem vermitteln sie und ihre Angehörigen wirklich ein Familienbild wie aus dem täglichen Leben, so wird der Eindruck vermittelt, hey, solch schreckliche Dinge können jedem widerfahren.

     

    Assumpta Serna ist zudem keine Unbekannte, hat u. a. mit Regisseuren wie Bigas Luna, Pedro Almodóvar und Mario Monicelli gedreht. Der Junge, der ihren Sohn spielt, ist ebenfalls nicht völlig unbekannt – hat zwei Jahre zuvor in Juan Piquer Simóns „Pieces – Stunden des Wahnsinns“ gleich zu Anfang seine Mutter zersägt. Im Handlungsverlauf von „Hunting Ground“ spielt er eine wichtige Rolle, kann man aber kaum erläutern ohne das Ende zu verraten. Nicht, dass das Ende nicht vorhersehbar wäre.

     

    An dieser Stelle hier eine Warnung an Zartbesaitete – die letzten zehn Minuten von „Hunting Ground“ haben es in sich, und nur ein Teil davon hat es in die deutsche Videoauswertung geschafft. Uncut ist lediglich ein englischsprachiger VHS-Rip mit eingebrannten griechischen Untertiteln zu finden, der von der Bildqualität aber vertretbar ist. Der Eine oder Andere wird vielleicht sogar dankbar sein, dass die Schlussszene ein wenig zu dunkel ist.

     

    Zu Jorge Grau sei gesagt, dass Jesús Franco ihn für einen Faschisten hielt. Nicht, dass man Franco immer alles glauben konnte - besser nicht - aber zumindest in „Hunting Ground“ kommt schon ein wenig reaktionäres Wutbürger-Denken zum Vorschein. Ganz anders als in „Leichenhaus der Lebenden Toten“, den Grau 1974 inszenierte. Franco und Grau sind sich wohl begegnet als Lina Romay in Jorge Grau‘s „Cartas de amor de una monja“ (1978) an der Seite von Teresa Gimpera und Analía Gadé spielte, somit war vielleicht einfach etwas Verärgerung im Spiel, hatte Franco doch erst ein Jahr zuvor eine eigene Interpretation dieses Stoffes für Erwin C. Dietrich gedreht. Kein Grund zur Eifersucht, denn Grau’s Adaption ist leider recht fade. Nicht verpassen sollte man jedenfalls „Blood Castle“ (Ceremonia Sangrienta) mit Lucia Bosé und Ewa Aulin sowie „Violent Blood Bath“ (Pena de Muerte) mit Marisa Mell und Fernado Rey, beide von 1973 – und natürlich „Hunting Ground“, denn was könnte zu einem gewalttätigen Drama besser passen als eine musikalische Untermalung mit Richard Wagner...

  • Autor: Gerald Kuklinski
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