Gloria Mundi

Frankreich, 1976

  • Originaltitel: Gloria mundi
  • Alternativtitel:

    Tortura (IT)

    In Hell

  • Regisseur: Nikos Papatakis
  • Kamera: Yves Lafaye, Jean-Paul Pradier, Frédéric Variot
  • Musik: Barbaud Brown Klein
  • Drehbuch: Nikos Papatakis
  • Inhalt:

    Galai ist Hauptdarstellerin eine Experimentalfilms zum Thema Folter, gedreht von ihrem Geliebten Hamdias. Doch der Film ist unfertig, Hamdias selbst verschwunden, möglicherweise tot. Galai glaubt fest an das Projekt und will diesen Film namens „Tortura“ beenden, doch dafür braucht sie Produzenten, die gewillt sind, solch einen Film zu finanzieren. Sie lässt zahlreiche Demütigungen über sich ergehen, um ihr Ziel erreichen zu können. Zudem scheint sie verfolgt und abgehört zu werden.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Gloria Mundi“ ist ein kleiner Arthouse-Schocker mit einem Film im Film: „Tortura.“ Der Grund, warum ich diese kleine Perle in eine Italo-Cinema-Datenbank schummeln will, ist Olga Karlatos. Na gut, auch keine Italienerin, zugegeben, für Italo-Fans ja aber keine Unbekannte. Zudem liegt „Gloria Mundi“ derzeit auch nur in italienischer Sprache mit englischen Untertiteln vor.

     

    Olga Karlatos, häufig in Nebenrollen zu sehen, im Bereich Horror und in zahlreichen Erotikkomödien, ist hier in „Gloria Mundi“ die große Überraschung – Olga Karlatos ist eine wirklich herausragende Schauspielerin, wenn man sie lässt. Der Film wird komplett von ihr getragen, und sie spielt mit einer beispiellosen Hingabe, Leidenschaft, Wildheit und Leidensfähigkeit, die sie für diesen Film auch brauchte. Plötzlich wird einem klar, dass diese oftmals als Nebendarstellerin „missbrauchte“ Frau auf jeder Theaterbühne hätte bestehen können.

     

    Unter Begleitung des ominösen Filmemachers Hamdias als Erzähler (er taucht im Film nie auf) muss und will sie unzählige menschliche und körperliche Demütigungen über sich ergehen lassen.

     

    Hier ein paar Beispiele. Da Hamdias ihre Schreie während der Folterszene nicht überzeugend genug fand, übt sie zu Anfang in der Badewanne das Schreien, in dem sie sich selbst mit Zigarettenkippen verbrennt. Später, im Büro eines möglichen Produzenten verlangt dieser von ihr, dass sie sich auszieht, wobei sie ihre Verbrennungen an den Brüsten entblößt. Die verachtenden Dialoge hierzu treffen einen bis ins Mark. Am Ende will sie auf einer Party von reichen Schnöseln Geld für die Fertigstellung von „Tortura“ bekommen, und hier bekommt auch der Zuschauer den Film im Film zu sehen. Natürlich verstehen die Schnösel den Film nicht, und während sie auf der Leinwand sehen, wie ein Folterknecht einen sehr kuriosen sexuellen Gewinn aus seinen Tätigkeiten zieht und Galai in diesem Film gefoltert und missbraucht wird, fallen entsprechende Kommentare, die Galai erneut tiefen Demütigungen aussetzen. Galai erträgt aber auch dies mit masochistischer Hingabe an das Projekt, an das sie glaubt.

     

    Meine persönliche Interpretation des Ganzen, abgesehen von den Themen Folter, Terror, Angst und Überwachung, die selbsterklärend sind, ist schlicht und einfach die, dass „Hamdias“ Nikos Papatakis repräsentiert, den Regisseur und Ehemann, der seine Frau und Protagonistin Olga Karlatos buchstäblich durch die Hölle gehen lässt, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Leiden für die Kunst. Denn Regisseur Nikos Papatakis war von 1967 – 1982, also auch während der Dreharbeiten zu „Gloria Mundi“ mit Olga Karlatos verheiratet. Sie hatten sich beim Dreh zu ihrem ersten gemeinsamen Film „Oi Voskoi“ (The Sheperds of Calamity) kennen gelernt. Zuvor war er mit Anouk Aimée liiert.

     

    Imdb gibt den Film mit einer Länge von 130 Minuten an, was der Urfassung entspricht. Die 95-minütige DVD-Version ist eine etwas abgenuddelte Kopie, die von Papatakis selbst damals für den italienischen Markt angefertigt wurde. Sie ist nicht identisch mit der 92-minütigen Festival-Fassung „In Hell“ von 2005, die zudem andere Musik beinhaltet.

     

    Und wie so oft – eine deutsche Veröffentlichung wäre schön. Tatsächlich scheint mir das etwas für „Bildstörung“ oder „Kino Kontrovers“ zu sein, die könnten ruhig mal einen Blick drauf werfen. Genau wie auf Juanma Bajo Ulloa’s „La Madre Muerta.“

  • Autor: Gerald Kuklinski
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