Finale in Berlin

Vereinigtes Königreich | Vereinigte Staaten, 1966

  • Originaltitel: Funeral in Berlin
  • Alternativtitel:

    Funeral en Berlín (ESP)

    Mes funérailles à Berlin (FRA)

    Funerale a Berlino (ITA)

    O Meu Funeral em Berlim (POR)

  • Deutsche Erstaufführung: 17. Mai 1967
  • Regisseur: Guy Hamilton
  • Kamera: Otto Heller
  • Musik: Konrad Elfers
  • Drehbuch: Evan Jones
  • Inhalt:

    Harry Palmer (Michael Caine), ehemaliger Unteroffizier der Armee, wird vor ein Ultimatum gestellt. Entweder erklärt er sich bereit, als Spion in den Dienst ihrer Majestät zu treten, oder er würde für längere Zeit ins Gefängnis gehen müssen. Ohne eine richtige Wahl zu haben, lässt er sich in das geteilte Berlin abstellen, um dort seinen geheimen Auftrag zu erledigen. Der russische Geheimdienstoberst Stok (Oskar Homolka) hegt Pläne, die Fronten endgültig zu wechseln, und Palmer soll sein Überlaufen mittels einer vorgetäuschten Beerdigung sicher arrangieren. Sein alter Geheimndienst-Kollege Johnny Vulkan (Paul Hubschmid) organisiert die Operation und ein Treffen mit Oberst Stok, außerdem lernt Palmer unter anderem die geheimnisvolle Samantha Steel (Eva Renzi) kennen, die seinen Auftrag kreuzt. Die gesamte Angelegenheit scheint jedoch nicht so einfach vonstatten zu gehen wie gedacht, und es stellt sich die Frage, wen der Agent des britischen Geheimdienstes tatsächlich als Gegenspieler hat...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Guy Hamiltons "Finale in Berlin" bildet neben "Ipcress – streng geheim" von 1965 und "Das Milliarden-Dollar-Gehirn" von 1967 den zweiten Teil der Trilogie rund um den britischen Agenten Harry Palmer, der jeweils von Michael Caine dargestellt wird. Gedacht als realistischere Alternative zur erfolgreich laufenden James-Bond-Reihe, bekommt man Spionage-Thriller der edleren Sorte geboten und "Finale in Berlin" präsentiert sich in vielerlei Hinsicht auf sehr hohem Niveau. Zunächst lässt sich feststellen, dass man bemerkenswert viel Lokalkolorit geboten bekommt. In diesem Zusammenhang geht somit eine sehr bildgewaltige, sowie originelle Präsentation des Kamera-Spezialisten Otto Heller einher, die auch lange nach dem Anschauen noch in Erinnerung bleiben wird. Die Geschichte verfolgt eine eher ruhige Strategie und punktet durch einen sehr gut strukturierten, intelligenten Aufbau, der weniger reißerische Tendenzen zutage bringt, die man in einem solchen Beitrag vielleicht vermuten würde. Der unaufdringliche Verlauf, symmetrische Bilder, bemerkenswert gute darstellerische Leistungen und der trockene britische Humor ergeben ein rundes Gesamtbild, sodass es für den Zuschauer ein Leichtes ist, sich darauf einzulassen. Permanent werden bekannte Locations in West-Berlin gezeigt, die zusammen mir der noch recht jungen Berliner Mauer zu Dreh- und Angelpunkten für die Operationen der verschiedenen Geheimdienste werden, die mit ihren sehr unterschiedlichen Strategien und Handlangern für das lückenlose Zusammenführen dieses Puzzle-Spiels sorgen. Zu jedem Zeitpunkt ist erkennbar, dass die Regie einen sehr hohen Anspruch an diesen Film gestellt hat, damit es bei dieser beinahe ausschließlichen Konzentration darauf hin und wieder zu kürzeren Phasen des eigenen Ausbremsens kommt. Steigerungen des Tempos sorgen für Aufmerksamkeit, die Action-Anteile bleiben eher gewollt rar gesät.

     

    Die Hotel-Lobby erstrahlt plötzlich in einem hellen Glanz, Michael Caines Blick läuft unabwendbar und logischerweise nur zu einem ganz bestimmten Punkt zu, denn die junge, elegante Dame am Telefon stellt ihr volles Bewusstsein darüber zur Schau, dass sie es offensichtlich gewöhnt ist, ein Blickfang zu sein. Die filmische Neuentdeckung Eva Renzi übernahm in "Finale in Berlin" die weibliche Hauptrolle in ihrem erst zweiten Spielfilm, und anhand der Produktionen und dem in Szene setzen der Berlinerin sieht man, dass sie eingeschlagen haben muss wie eine Bombe. Natürlich spekuliert die stets auf neue Spektakel wartende Filmwelt auf derartig attraktive Neuentdeckungen, die dem Empfinden nach alle wichtigen Komponenten ineinander vereint. Spiellaune, Talent, Wandlungsfähigkeit, Sex-Appeal und nicht zuletzt Schönheit sind die Elixiere für die Kamera, der Magnet für die Zuschauer und das Werkzeug für die Regie. Dem Sprichwort nach kehren neue Besen gut und der Vorspann des Films kündigt Eva Renzi exponiert mit einem "and introducing" an; vielleicht schaut man neben aller Frische und Dynamik der Schauspielerin auch aufmerksam darauf, wie sich "die Neue" im Dunstkreis der Fortgeschrittenen profilieren kann. Unabhängig von der hervorragenden Leistung der Schauspielerin, bleibt vor allem ihre auffällige - man möchte beinahe sagen - magische Aura zurück, die ihre relativ nebulös angelegte Rolle nochmals pauschal in den Vordergrund stellen kann. Das Auftreten von Samantha Steel, einer Agentin des israelischen Geheimdienstes, kann durchaus als mutig angesehen werden, beziehungsweise die Besetzung mit einer Deutschen erscheint zeitbezogen doch immer noch etwas ungewöhnlich zu sein, weil sie in diesem Zusammenhang komplett aus der Schablone fällt. Aber vielleicht lässt sich so ja tatsächlich ein von vorne herein steiniger, eher unberechenbarer Karriereweg von Eva Renzi deuten. Wie dem auch sei, der Grundstein für weitere internationale Beteiligungen war hiermit und außerdem natürlich nach "Playgirl" gelegt, also sollte es schließlich auch in einem guten Tempo für die Interpretin weiter gehen, da sie sich hier sozusagen für solche empfehlen konnte.

    Das erste verlockende Konfrontation mit Samantha Steel gibt es wie erwähnt in einer Hotelhalle, allerdings erst nach längerer Spieldauer. Die Integration - oder vielmehr Präsentation - geschieht dabei genauso wirkungsvoll wie einfach, denn Protagonist, aber vor allem die Kamera, bleiben buchstäblich an der schönen Frau am Telefon hängen, von der etwas durch und durch Beeindruckendes auszugehen scheint. Ihr bestelltes Taxi lässt sie sich nicht streitig machen, lädt ihren Liebhaber in spe allerdings ein, ihn irgendwo herauszulassen, praktischerweise bei sich zu Hause. Im Wagen lernt man die junge Frau etwas genauer kennen, da sie sich mit allen Mitteln der Kunst selbst in den Fokus drängt, und es entstehen einige amüsante Szenen, wenn sie beispielsweise ihr selbst entworfenes Kleid vorstellt, dabei weit das Dekolleté öffnet und Harry die rhetorische Frage stellt, ob sie sich sehen lassen kann. Des Weiteren erklärt sie, warum sich eine Flasche Bier, die sie offensichtlich hat mitgehen lassen, in ihrer Handtasche befindet, denn schließlich gibt das Gebräu ihrer Frisur den festen Halt, den sie verlangt. Im weiteren Verlauf wird es zu vielen ernsten Tendenzen kommen, vor allem aber zu Phasen, in denen die Dame aus dem Nichts kaum einzuschätzen ist. Eva Renzi zehrt auch in dieser Produktion in ganz besonderem Maße von ihrer einmaligen bis eigenwilligen Körpersprache und sie vereint Verve und Begeisterungsfähigkeit miteinander. Erstaunlicherweise wurden in dieser noch jungen Karriere schon einige ihrer später bekannten Markenzeichen in frappanter Manier herausgearbeitet, sodass man nach nur zwei Filmen schon von einem unheimlich hohen Wiedererkennungswert sprechen kann, aber genauso von einer frühen Festlegung der Person. Dass Eva Renzi ihre Interpretationen quasi zur Ermessenssache macht und diese mit ganz unkonventionellen Mitteln und Facettenreichtum ausstatten konnte, werden vom Großteil ihrer Partizipationen belegt. "Finale in Berlin" bleibt aber letztlich eine eher konventionelle Etappe in ihrer Filmografie, die im Rahmen normaler Erwartungen jedoch schon wieder eine progressive Kraft vermittelt. Es macht durchaus Freude, die schlagfertige und nahezu ambivalente Eva Renzi hier zu sehen.

     

    Im schauspielerischen Bereich sieht man ein interessant zusammengestelltes Aufgebot an internationalen Stars, sowie bekannten deutschen Interpreten. Der Brite Michael Caine prägt das Geschehen wie kein zweiter und stattet seine Rolle mit kühler Eleganz aus. Häufig fällt Palmer durch seine trockenen Kommentare auf und man begleitet letztlich einen Analytiker, der dem Empfinden nach nie den Überblick über die Situation verliert. Auch in prekären Phasen des Verlaufs geht eine gewisse Überlegenheit von ihm aus, die seinem Agieren einen guten Schliff gibt. Anstelle der ursprünglich eingeplanten amerikanischen Schauspielerin Anjanette Comer ist wie beschrieben Eva Renzi zu sehen. Obwohl Comer hier zu Beginn bereits an die drei Wochen Dreh absolviert hatte, wurde sie durch Renzi ersetzt, da Produzent Harry Saltzman sie unbedingt für den Film haben wollte. Offiziell wurde der Tausch damit begründet, dass Anjeanette Comer krankheitsbedingt passen musste und es wurde wieder von vorne gedreht. Oskar Homolka skizziert das hohe Tier des russischen Geheimdienstes überaus präzise, genau wie es beim oft undurchsichtig wirkenden Paul Hubschmid der Fall ist. Die Hauptpersonen schüren insgesamt etliche Zweifel, die für eine ordentliche Grundspannung und eine hohe Aufmerksamkeit sorgen. Abrundend füllen deutsche Stars wie Wolfgang Völz, Heinz Schubert oder Herbert Fux den Verlauf sehr ansprechend aus, sodass man von einem globalen Besetzungs-Coup sprechen darf. Trotz der Hochwertigkeit in nahezu allen Bereichen bleibt das unbestimmte Gefühl zurück, dass dem Film eine irgend eine wichtige Komponente zu fehlen scheint, wenngleich man das Kind nur schwer beim Namen nennen kann. Sind es die Vergleiche zu anderen, wesentlich reißerischer angelegten Produktionen, oder hätte man sich insgesamt doch ein bisschen mehr Spektakel gewünscht? Diese Frage bleibt auch nach mehrmaligem Anschauen offen, fällt aber keineswegs schwer ins Gewicht. "Finale in Berlin" bleibt unterm Strich ein gut durchdachter und anspruchsvoller Vertreter seiner Gattung, der vor allem im visuellen Bereich beachtliche Ausrufezeichen setzen kann.

  • Autor: Prisma
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