Erotik in der Folterkammer

Frankreich | Spanien, 1967

  • Originaltitel: El enigma del ataúd
  • Alternativtitel:

    Les orgies du docteur Orloff (FRA)

    Le orge nere del Dr. Orloff (ITA)

    Only a Coffin (USA)

    The Orgies of Dr. Orloff

    Die Folterkammer des Doktor Orloff

  • Deutsche Erstaufführung: 25. September 1970
  • Regisseur: Santos Alcocer
  • Kamera: Emilio Foriscot
  • Musik: Ramón Femenías
  • Drehbuch: Santos Alcocer
  • Inhalt:

    Dr. Dan Orloff (Howard Vernon) lässt seiner Verwandtschaft mitteilen, dass er nun – nachdem er bereits lange an Leberkrebs litt – im Sterben läge. Wirklich geistig gesund scheint er zudem auch nicht. So lädt er seine Verwandtschaft auf sein Schloss.

     

    Da wären der versoffene Neffe Daniel mit Frau Greta (Danielle Godet) und Neffe Pablo, der Greta sehr zugetan scheint. Bereits auf dem Schloss leben Orloffs Frau und die Frau seines Bruders, mit der Orloff zudem eine eigene Tochter hat, sowie seine Sekretärin, auf die wiederum Daniel ein Auge geworfen hat.

     

    Orloff lässt sie alle auf sein Zimmer kommen und zwingt seine Verwandten – mit vorgehaltener Pistole – das Testament zu lesen. Sein eigener Sarg steht schon bereit. Jeder der Anwesenden solle einen Teil von der Gesamtsumme von 75.000 Francs erben, das einzige Barvermögen, das er noch nicht verpfändet hätte. Außer Daniel – der bekäme nichts – und Greta, die alles bekäme was sich in Orloffs Studierzimmer befinde. Zudem verfügt Orloff, dass jeder der nach seinem Tod seinen Leichnam berührt, seinen Anteil verlieren würde, mit Ausnahme seiner Sekretärin.

     

    Die Anwesenden werden nach unten geschickt und hören schon bald aus Orloffs Zimmer einen Schuss. Als sie das Zimmer Orloffs wieder betreten, steckt ein Dolch in seiner Brust. Nach einer kurzen Untersuchung durch den Dorfarzt wird der Totenschein ausgestellt, Todesursache Leberkrebs.

     

    Noch in derselben Nacht findet Greta in einer Truhe im Studierzimmer die Leiche eines Unbekannten. Als sie die Anderen holt, ist die Leiche aber verschwunden. Daniel beglückt Orloffs Sekretärin und wird kurze Zeit später vor Gretas Augen von einem Unbekannten erschossen. Nachdem Daniels Leiche aber ebenfalls nicht auffindbar ist, zweifelt man an Gretas Geisteszustand.

     

    Und während Orloffs gelähmte/nicht gelähmte Eherau imaginäre Eidechsen von ihrer Bettdecke zu verjagen versucht, sucht ein Polizeiinspektor Licht in das Dunkel zu bringen. Und wer sind die kapuzentragenden S/M-Freaks in der Folterkammer?

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Verwirrt? Macht nichts, ging mir genauso. Und dass das am Ende so bleibt, liegt meiner Ansicht nach nicht nur an den zahlreichen Rollenrissen und Sprüngen ausgerechnet während der Aufklärungsrunde des Polizeiinspektors am Ende sondern eher daran, dass der Schuldige des Ganzen zu Abschluss der Dreharbeiten nicht mehr zur Verfügung stand. Die Erklärungen des Inspektors wirken somit ziemlich an den Haaren herbeigezogen.

     

    Das macht aber nichts, denn „Erotik in der Folterkammer“ ist ein sehr unterhaltsames und vergnügliches Spätwerk des Gothic-Horrors mit Whodunnit-Schema, zumindest stilistisch betrachtet, denn die Handlung spielt anscheinend in der Gegenwart. Stimmige SW-Fotografie von Emilio Foriscot, ein guter Score von Ramón Femenías und die gute Bildqualität der DVD von Motion Picture machen „Die Folterkammer des Dr. Orloff“ zu einem interessanten Nostalgie-Erlebnis. Howard Vernon legt einen sehr kurzen, dafür aber einen seiner durchgeknalltesten Auftritte hin. Leider ist dieser in der dt. Fassung von einem Rollenriss betroffen, so dass etwas fehlt.

     

    Thema Fassungen. Der Film enthält nachgedrehte Nackt- und S/M-Szenen, die der Gerüchteküche zufolge in Deutschland gedreht und eingefügt wurden. Mir erscheint das unplausibel, und hier kommen die Franzosen ins Spiel. Während Orloff in der spanischen Fassung noch „Dam Gaillimh“ (was für ein Name???) hieß, war es Frankreich, wo ihm mit dem Titel „Les orgies du docteur Orloff“ der Name Dr. Orloff verliehen wurde. Als „Erotik in der Folterkammer“ erst 1970 in Deutschland veröffentlicht wurde - und den Deutschen zudem die Figur des Dr. Orloff in Verbindung mit Howard Vernon zu der Zeit völlig unbekannt war - handelt es sich bei der veränderten Namensgebung in der deutschen Synchro offensichtlich um eine Übersetzung aus der französischen Fassung. Und was die eingefügten Szenen betrifft, in zwei davon ist nicht nur Howard Vernon selbst zu sehen, aufmerksame Schmuddelfans haben längst Alice Arnos Brüste ausfindig gemacht – also eher Frankreich. Zur deutschen Synchro sei noch bemerkt, dass diese mehr Fragen aufwirft als beantwortet, die Dialoge sind manchmal unfreiwillig komisch und widersprechen sich selbst. Und die Verwandtschaftsverhältnisse der Protagonisten habe offenbar nicht nur ich nicht so recht verstanden, das erging dem damaligen Synchronstudio anscheinend ebenso.

     

    Produziert wurde „El enigma del ataúd“ von Santos Alcocer selbst, und in der deutschen Fassung erscheint er auch unter diesem Namen als Produzent. Der Regiecredit wurde dagegen in „Walter Alcox“ umgetauft, was in der spanischen Originalversion nicht der Fall ist.

     

    Auch wenn die Fassung nicht so das Gelbe vom Ei ist, war wohl einfach nicht mehr vorhanden, bzw. zu retten. Man hat sich bei der Bildabtastung in jedem Fall wirklich Mühe gegeben, und es ist schön zu sehen, was man an so einem, in diesem Falle spanischen, B-Horrorfilm noch herausholen kann. Das macht Hoffnung auf mehr europäischen Frühschmuddelkram. Was ist eigentlich mit Max Pécas‘ „Die Sexsklavinnen von Schloss Porno“ (La main noire, 1968) mit Janine Reynaud? Seit der Kinoaufführung in Deutschland unveröffentlicht. Wäre wirklich schade. Ein französisches DVD-Master gäbe es in jedem Fall.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Erschien als #26 „Die Folterkammer des Doktor Orloff“ von Motion Picture im Vertrieb von Media Target Distribution. Die DVD enthält die deutsche Kinofassung, einmal restauriert und einmal (fast) naturbelassen, dazu den Trailer und ca. 16 Min. Alternativszenen aus der span. Originalfassung – ohne Untertitel.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Filmplakate

    Links

    OFDb

    IMDb

     

     

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