The Devil's Exorcist

Spanien, 1975

  • Originaltitel: El juego del diablo
  • Alternativtitel:

    Alucinaciones (ESP)

    Devil's Exorcist

  • Regisseur: Jorge Darnell
  • Kamera: José Luis Alcaine
  • Musik: José Nieto
  • Drehbuch: Jorge Darnell
  • Inhalt:

    Die junge Sheila (Inma de Santis) hat sich kaum von einem schweren Unfall erholt (?), da beginnt sie an visuellen Halluzinationen zu leiden und hat fürchterliche Geräusche im Kopf. Ihre Eltern (?) rufen eine befreundete Psychologin zu Hilfe, die an einem Institut allerlei experimentelle Therapien an Kindern und Tieren anwendet und testet.

     

    Sie will mit Verständnis und Veränderungen an der Umgebung Sheilas ein postives Ergebnis erzielen. Ihr Kollege und Liebhaber Dr. Beneau (Jack Taylor) sieht die Sache pragmatischer und empfiehlt Elektroschocks.

     

    Einige Dinge bleiben der Psychologin allerdings verborgen. In der Klinik dreht Sheila einem kleinen Jungen in einem Sauerstoffzelt den Hahn zu, um ihm beim Ersticken zuzusehen. Auch als Sheilas Mutter (?) einen tödlichen Unfall erleidet, schöpft man keinen Verdacht.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Bitte um Verständnis für die Fragezeichen in der Inhaltsangabe, aber leider ist das englischsprachige Dubbing nicht ganz schlüssig. Da der Film aber ausschließlich in einer gedubbten Fassung mit eingebrannten griechischen Untertiteln vorliegt, muss man sich an dieser Version orientieren, und da gibt es Widersprüche, ebenso wie bei den Rollenangaben auf IMDb.

     

    Egal. Nach all den vielen Exorzist-Adaptionen, die man im Laufe der Jahrzehnte so konsumiert hat, ist dieser Film von Jorge Darnell eine Überraschung, denn man wird bis zum Ende im Unklaren gelassen, ob Sheila nun besessen oder nur ein ganz klein wenig verdreht ist. Sicher, auf den ersten Blick mutet es befremdlich an, wenn ein Teenager sich - in der Mitte eines Kreises schwarzer Kerzen liegend – allein durch Hysterie zum Orgasmus bringt. Ähnliches später vor einem umgekehrt auf dem Bett platzierten Kruzifix. Aber für einen gestörten Teenager auch nicht sooo ungewöhnlich.

     

    Hier ist ein kleines Manko zu finden, denn für eine Psychologin, die ständig beruflich mit problematischen Kindern und Jugendlichen zu tun hat, ist Sheilas Ärztin ein wenig zu leicht zu schockieren. Sheila selbst dagegen, gespielt von der damals sechzehnjährigen Inma de Santis, meistert ihre Rolle mit Bravour, gerade auch in den schwierigen Momenten.

     

    Wie diesem: ein kleiner Junge liegt in einem Sauerstoffzelt und der Arzt versicherte gerade noch auf dem Gang, er würde alles tun, um das Kind zu retten. Sheila schleicht in das Zimmer, verriegelt von innen. Der Junge lächelt sie schwach an, freut sich über die Abwechslung. Sheila lächelt freundlich zurück, dann geht sie zum Sauerstoffgerät und dreht langsam den Hahn zu. Sie umrundet das Bett und geht zum Fenster, schaut mal abwesend hinaus, dann fasziniert zurück, wie der Junge langsam sein Leben aushaucht. Eine wirklich schreckliche Szene, und das ohne einen Tropfen Blut.

     

    Das gilt auch für die übrigen Schreckensmomente des Films, die vom Moment der Überraschung und von der Darstellung Inma de Santis‘ leben. Sheila schlägt spontan zu, weiß es vorher vermutlich selbst nicht, und so ergeht es auch dem Zuschauer. Die 1959 in Madrid geborene Inma de Santis war seit ihrem sechsten Lebensjahr als Darstellerin zu sehen hat für Miguel Madrid, Eugenio Martin, Gordon Hessler, Juan Bunuel und viele andere gedreht, bis hin zu vielen späteren Fernsehauftritten, zumeist in Mini-Serien. Ihre Ambitionen, selbst als Regisseurin eine spanische Version von „Lolita“ zu drehen, stieß auf Ablehnung, der Film wurde nicht realisiert. Sie verunglückte 1989 im Alter von nur 30 Jahren während einer Off-Raod-Fahrt durch die Sahara und starb an inneren Verletzungen.

     

    Verschwendet dagegen Jack Taylor, und eigentlich war er der Grund, warum ich überhaupt auf „The Devil’s Exorcist“ aufmerksam wurde, denn bevor ich den Titel in Taylors Filmographie sah, kannte ich den Film gar nicht. Taylors Rolle ist hier allerdings weitgehend überflüssig.

     

    Faszinierend sind auch die Szenen von Sheilas Visionen, Hände, die erst vom Grunde eines Swimming-Pools aufsteigen, später aus der Wand nach ihr greifen, untermalt von progressiver Musik. Klingt nicht originell, haben wir schon öfter gesehen, sieht hier aber klasse aus. Interessant ist die Figur eines „Tall Man“, der Sheila in Visionen und Träumen verfolgt, und tatsächlich erinnern diese Momente und der Gang dieses großen Mannes sehr an Coscarellis „Das Böse“ (Phantasm, 1979). Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, dass „The Devil’s Exorcist“ ca. vier Jahre früher entstand.

     

    Wer ist nun der Regisseur dieses Films? Jorge Darnell. Googelt den mal, man findet nichts! Außer einer ebenso rätselhaften Filmographie auf imdb. Drei Filme drehte er zwischen 1963 und 1967 in Argentinien (Drama/Komödie), also vermutlich ein Argentinier. Dann sechs Jahre nichts, bis zu diesem Titel, von dem ich ebenfalls zum ersten Mal hörte: „La faccia violenta di New York“ oder „One Way“ (1973), eine italienisch-mexikanische Co-Produktion, in der es offenbar um einen mexikanischen Einwanderer (Sergio Jiménez) geht, der Zeuge eines Mafia-Verbrechens wird. Mit dabei sind Mimsy Farmer, Fernando Rey und Luigi Pistilli, und leider konnte ich den Film nur in Italienisch finden, keine Untertitel weit und breit. Anschließend folgte „The Devil’s Exorcist“ (1975) und „Tiempos duros para Drácula“ (1976), letzterer eine Vampirkomödie in spanisch-argentinischer Co-Produktion. Anschließend 20 Jahre (!) nichts, bis zu dem Drama „Veredicto Final“, nun wieder aus Argentinien. Und Ende der Karriere. Seltsam – ob es sich bei „Jorge Darnell“ um ein Pseudonym handelt, das einfach noch nicht aufgedeckt wurde? Wer weiß.

     

    Zu den oben angedeuteten Widersprüchen. Anfangs schließt man aus der Handlung, das Paar bei dem Sheila lebt, seien ihr Vater und ihre Tante. Tatsächlich gab es ja Andeutungen, dass Sheila in einen schweren Unfall verwickelt gewesen sei und dies zu ihren Zuständen geführt haben mag. Eine bei einem solchen Unfall verstorbene Mutter ergäbe Sinn. In einer späteren Szene nennt Sheila ihre Tante (?) jedoch Mutter – schlampiges Dubbing? Und nach bisherigen Erfahrungen mit solchen Public Domain-Kopien wären Schnitte von Szenen, die vielleicht etwas mehr Licht ins Dunkel gebracht hätten, durchaus nicht unüblich. Zumal die Laufzeit nur 80 Minuten beträgt. Imdb wiederum gibt Rollen an, die beim besten Willen nicht auftauchen. Das ist das Tragische an „The Devil’s Exorcist“, das Fehlen einer wirklich guten Kopie, die gerade auch die Szenen mit Sheilas Visionen besser zur Geltung brächte, in verständlicher Sprache. Der spanische Trailer zum Film auf YouTube unter dem Originaltitel „El juego del diablo“ hat jedenfalls deutlich bessere Qualität als die US-Kopie des Films.

     

    Achtung, KEIN Spoiler: Zum Schluss des Films bleibt also die Frage, ist Sheila eine vom Teufel Besessene oder einfach nur ein wenig schräg drauf? Selbst herausfinden durch Anschauen dieses sehenswerten kleinen spanischen Genrebeitrags - welchen Genres auch immer.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

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