Death whistles the Blues

Spanien, 1962

  • Originaltitel: La muerte silba un blues
  • Alternativtitel:

    Agent 077 opération Jamaïque (FRA)

  • Regisseur: Jesús Franco
  • Kamera: Juan Mariné
  • Musik: Antón García Abril, Jesús Franco
  • Drehbuch: Luis de Diego, Jesús Franco
  • Inhalt:

    Drei Männer, Julius Smith, Federico de Castro und Paul Vogel, waren einst gemeinsam im Schmuggelgeschäft tätig. Doch Vogel wollte Castros Frau für sich, und so verrät er Smith an die Polizei, und Castro wird scheinbar erschossen.

     

    10 Jahre später erkennt Lina Radeck (Perla Cristal) Smith in einem Jazz-Club wieder, wo dieser die Trompete spielt. Sie erzählt ihrem Mann Paul Radeck (Georges Rollin) von dieser Begegnung, welcher natürlich niemand anders als Paul Vogel unter neuem Namen ist, unter dem er inzwischen in Jamaica als erfolgreicher Geschäftsmann tätig ist. Niemand außer seiner Frau weiß dort von seiner Vergangenheit. Radeck lässt Smith ermorden, doch vor seinem Tod kann dieser noch der Polizei ein paar Zusammenhänge erläutern. Dass er glaubt, dass Vogel Castro hat töten lassen, und dass Vogel nun unter anderem Namen in Jamaica lebt. Die Polizei schickt die Sängerin Moira (Danik Pattison) nach Jamaica, um Fragen zu stellen, die zur neuen Identität Vogels führen könnten. Sie findet Radeck, der sofort merkt, dass sie Castro unmöglich gekannt haben kann, wie sie ihm gegenüber behauptet.

     

    Als dann auch noch vermeintlich Federico de Castro (Conrado San Martin) selbst in Jamaica auftaucht, gerät Radeck zunehmend unter Druck. Sein Freund, der Clubbesitzer Carlo Moroni (Gérard Tichy) soll Castro für ihn töten. Doch Castro hat vor Ort schnell Freunde gefunden, die ihn unterstützen und der Mordanschlag misslingt. Bei einem Maskenball in Radecks Haus kommt es schließlich zum Showdown mit ein paar Überraschungen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Alle meine Filme sind Mist“

    (Jesús Franco)

     

    Seine abwertende Aussage, dass seine Filme alle bloß Mist seien, relativierte Franco erst lange Zeit später als man ihn (mit Geld) zum Kommentieren von DVD-Veröffentlichungen seiner Filme überredete und er sie sich so gezwungenermaßen erstmalig (!) seit ihrem Entstehen ansah und meinte, dass ein paar davon angesichts der finanziellen Mittel und der teils katastrophalen Umstände unter denen sie entstanden, gar nicht so schlimm geworden seien, wie er es in Erinnerung hätte. Und dann war da noch Orson Welles und die immer wiederkehrende Frage entgeisterter Cineasten, warum dieser ausgerechnet mit einem „Jess Franco“ zusammenarbeiten wollte und ihn für talentiert hielt. „La muerte silba un Blues“, der Tod, der den Blues pfeift, ist die Antwort, denn genau diesen Film hatte Orson Welles damals gesehen, was ihn dazu veranlasste, Kontakt zu Franco zu suchen. Die Beiden arbeiteten später zusammen an „Falstaff“ und „Don Quixote.“

     

    „La muerte silba un Blues“ ist alles andere als Mist. Es ist ein absolut klassischer Film Noir, nur eben aus Spanien. Ein durchaus komplexes und gekonntes Drehbuch von Franco und Luis de Diego mit gelungenen Dialogen (ja, Dialoge, kein improvisiertes Off-Gesabbel!) liefert eine Vielzahl von Charakteren, die oben in der Handlung gar nicht alle aufgeführt sind, denn die Inhaltsbeschreibung wäre sonst recht komplex und wirr geworden. Diese vielen Charaktere spiegeln sich in der für einen spanischen Film herausragenden Besetzung wider.

     

    Gekonnt gelingt es auch, dem Zuschauer Spanien als Jamaica zu verkaufen, was nicht zuletzt an einigen exotischen Darstellern, einer sorgfältigen Auswahl der vielen Außenlocations und natürlich der Kameraarbeit liegt. Kameramann Juan Mariné liefert gekonnte s/w-Bilder, voller Licht und Schatten, ganz Film Noir-Stil, ganz Orson Welles-Stil. Keine der später von Franco gewohnten Wackel- oder Zoom-Experimente.

     

    Produziert wurde „Death whistles the Blues“ von Nazario Belmar, Marius Lesoeur und Franco selbst. Durch die Beteiligung von Eurociné wäre es somit eigentlich eine spanisch-französische Co-Produktion. Rätselhaft ist dabei das eigentliche Entstehungsjahr des Films. Während die spanische Kinopremiere bei imdb mit 1964 datiert ist, die Französische gar erst 1966, entstand der Film definitiv vor „El Llanero“, möglicherweise sogar vor „Rififi en la Ciudad“, was uns ins Jahr 1962 zurückführen würde.

     

    Georges Rollin in „La muerte silba un Blues“ den „seriösen“ Geschäftsmann, der zunehmend von seiner zweifelhaften Vergangenheit in die Enge getrieben wird und wirkt dabei nicht so schwächlich, wie es dann in „El llanero“ schon der Fall war, seinem letzten Film. Lt. „Obsession – The Films of Jess Franco“ war ursprünglich Howard Vernon für die Rolle von Vogel/Radeck vorgesehen, wurde nach einem Streit mit Marius Lesoeur aber durch Georges Rollin ersetzt. Conrado San Martín spielt den Filmhelden, und hier nimmt der Film eine interessante stilistische Wendung in Richtung Lokalkolorit, Jazz-Clubs und farbige Darsteller, die lokalen Opfer von Radecks Reichtum. Dort findet Castro (eigentlich „Alfredo Pereira“) Unterstützung.

     

    Ein paar charmante kleine Schwächen hat dieser Film selbstredend auch zu bieten. Der Darsteller des John Smith in seiner Sterbeszene, als er im Beisein der Polizei seine letzten Worte röchelt, ist nicht sehr überzeugend. Auch nicht, als zuvor deutlich sichtbar eine Kleiderpuppe, die John Smith sein sollte, von einem Auto umgenietet wird. Das Ding hat nicht mal Füße! Aber das war‘s auch schon mit den Schwächen. Franco-Fans dürften natürlich schon längst die Namen einiger Protagonisten aufgefallen sein, wie Radeck, Vogel und Pereira, Namen, die Franco später immer wieder in seinen Filmen verwendete. Hier tauchen sie zum ersten Mal auf. Woher Franco nur diesen beispiellosen Drang hatte, sich später immer wieder selbst zu kopieren? So hat er auch diesen Film später komplett in „Kiss me Killer“ (veröffentlicht 1977, gedreht 1973) wiederverwurstet, nicht ungeschickt, aber weit davon entfernt ein Klassiker zu sein, wie „La muerte silba un Blues.“

     

    Ein weiteres wichtiges Element ist die Musik, denn hier dreht sich viel um Jazz, und Franco steuerte zu dem eigentlichen Score von Antón García Abril die Songs bei, nebst Cameo auf der Bühne natürlich.

     

    Mich als Franco-Fan machen solche Frühwerke Francos freilich maßlos glücklich, denn es ist fast schon schockierend, wie professionell und optisch ansprechend einige seiner Filme eben doch waren. Aber anscheinend hat er sich irgendwann anders entschieden – und auch darüber kann man sich als Franco-Fan freuen, denn sonst wäre man ein solcher wohl nie geworden.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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