Das Auge

Frankreich, 1983

  • Originaltitel: Mortelle randonnée
  • Alternativtitel:

    Una mujer inquietante (ARG)

    Ronda Mortal (BRA)

    Mia dolce assassina (ITA)

    Deadly Circuit (USA)

    Deadly Run

  • Deutsche Erstaufführung: 27. Januar 1984
  • Regisseur: Claude Miller
  • Kamera: Gilbert Duhalde, Pierre Lhomme
  • Musik: Carla Bley
  • Drehbuch: Michel Audiard, Jacques Audiard
  • Inhalt:

    Beauvoir, genannt »Das Auge«, ist ein sarkastischer Sonderling und Einzelgänger, der eigentlich von niemandem wirklich gemocht wird — und niemanden mag. Seine Spürnase ist jedoch bekannt und wird von seinen Auftraggebern geschätzt; der Privatdetektiv kann sich über eine mangelnde Auftragslage nicht beschweren. Der 50jährige wurde vor vielen Jahren von seiner Frau verlassen. Die gemeinsame Tochter nahm sie mit. Beauvoir blieb lediglich ein altes Klassenfoto, und er weiß nicht einmal, welches der Mädchen auf dem Bild das seinige ist. Für seinen neuen Fall folgt er einer geheimnisvollen Mörderin durch halb Europa. Sie wechselt ihre Identitäten und Namen ebenso schnell wie ihre Liebhaber, die allesamt die Liaison mit der Schönen nicht überleben. Ohne dass sie davon weiß, wird Beauvoir nach und nach zu ihrem Komplizen, der wie ein Schutzengel über sie wacht, Unheil von ihr fernhält und ab und an sogar einen ihrer Flüchtigkeitsfehler ausbügelt, damit sie nicht auffliegt. Beauvoir identifiziert die Killerin mit seiner schmerzlich vermissten Tochter…

  • Autor: André Schneider
  • Review:

    2016 verliebte ich mich in Isabelle Adjani. Hätte schon viel früher passieren müssen, aber manchmal braucht es eben ein wenig länger, das Gute zu erkennen und in sein Leben zu lassen. Im Rahmen der Aufstockung meiner kleinen Sammlung stieß ich auf Claude Millers interessante Charakterstudie, die mich in vielerlei Hinsicht an seinen Thriller »Garde à vue« (1981) erinnerte. Es handelt sich hier um die Adaption des Romans »The Eye of the Beholder« von Marc Behm, der als Drehbuchautor unter anderem für Filme wie »Charade« (Regie: Stanley Donen) verantwortlich gezeichnet hatte. Dieser Roman wurde 1999 noch einmal mit Ewan McGregor und Ashley Judd verfilmt — ein Flop. Miller hatte 1983 mit seiner Version weitaus mehr Fortune. Die französische Autoren-Legende Michel Audiard, der ab 1949 nicht weniger als 130 Drehbücher verfasst hatte, hatte den Regisseur auf den Roman aufmerksam gemacht. Gedreht wurde in Brüssel, Baden-Baden, Frankreich und Italien. Dem Team gelang ein eigenwilliger Krimi, ironisch gebrochen und mit viel Witz, der zwar den Gesetzen des film noir grundsätzlich gehorcht, diese jedoch lediglich als Grundgerüst für eine ganz andere Geschichte nutzt, die den Zuschauer in das Seelenleben ihrer Protagonisten reisen lässt. Miller untersucht sehr detailliert — »Mortelle randonnée« dauert gut zwei Stunden — die Motive des traurigen Detektivs, der im Laufe des Films mehr und mehr die Haftung zur Realität verliert. Adjanis Figur indes bleibt immer ein wenig rätselhaft und nebulös, die Gründe ihres Handelns werden nie gänzlich offengelegt. Claude Miller wagte sich in »Mortelle randonnée« weit über die üblichen Grenzen des Thriller-Genres hinaus und fuhr damit einen seiner größten Erfolge ein — der Film war in Frankreich ein Kassenknüller. Neben der exzellenten Regie und dem ausgefeilten, vor allem in den Dialogen ausgesprochen starken Skript war dieser Erfolg vor allem dem großartigen Michel Serrault geschuldet, der das Gefühlsleben seiner Figur aus dem eigenen privaten Leben speiste: 1977 hatte er seine Tochter bei einem Autounfall verloren. Isabelle Adjani legte als mysteriöse, psychisch gestörte Schöne den Grundstein für weitere Rollen dieser Art.

  • Autor: André Schneider
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