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Zwölf plus eins

Frankreich | Italien, 1969

  • Originaltitel: Una su 13
  • Alternativtitel:

    Eram 13... mas Faltava Uma (BRA)

    Cual de las trece? (ESP)

    Douze et un (FRA)

    Twelve Plus One (GBR)

    Una su tredici (ITA)

    Doze mais uma (POR)

    12 + 1

    The 13 Chairs

  • Deutsche Erstaufführung: 07. Juni 1972
  • Regisseur: Nicolas Gessner, Luciano Lucignani
  • Kamera: Giuseppe Ruzzolini
  • Musik: Carlo Rustichelli
  • Drehbuch: Antonio Altoviti, Lucia Drudi Demby, Nicolas Gessner
  • Inhalt:

    Der italienische Einwanderer Mario Beretti (Vittorio Gassman) betreibt wenig erfolgreich einen Barbier-Shop in New York als ihm ein Anwalt von seiner verstorbenen reichen Tante berichtet, die ihm ihr gesamtes Vermögen vererbt hat. Mario begibt sich nach England um sein Erbe anzutreten. Doch wie sich herausstellt bleiben ihm nach Abzug aller Schulden nur 13 antike Stühle.

     

    Diese gibt er bei einem Antiquitätenhändler in Kommission, bei dem auch die junge und geschäftstüchtige Pat (Sharon Tate) angestellt ist, denn Mario besitzt nicht mal genug Geld mehr für den Rückflug nach New York. Als er im leer stehenden und gepfändeten Haus seiner Tante übernachtet, findet er in einem Versteck ein Schreiben, in dem ihm seine Tante mitteilt, sein Erbe – bestehend aus 100.000 Pfund – hätte sie für ihn in der Polsterung eines der Stühle versteckt.

     

    Doch die meisten Stühle sind bereits an ein Auktionshaus verkauft. Mario begibt sich auf die verzweifelte Suche nach den Stühlen, unterstützt von Pat, die die Hälfte des Geldes für sich beansprucht. Die Spur führt sie nach London zu einem schwulen Antiquitätenhändlerpaar, das einen Teil der Stühle ebenfalls bereits weiter verkauft hat. Einer von ihnen, Jackie (Tim Brooke-Taylor) weiß nun ebenfalls von dem versteckten Erbe und macht ihnen bei der Jagd fortan Konkurrenz.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Bist du blind? Der Mann ist ein Schauspieler – jedenfalls hat man mir das versprochen.“
    (Orson Welles als Markau über Mario (Vittorio Gassman) in 12 + 1)

     

    „12 + 1“ ist eine von gut zwei Dutzend Verfilmungen des 13 Stühle-Themas, das auf einem Roman von Ilya Ilf und Yevgeni Petrov basiert. Doch wir sind am Ende der Sechziger Jahre, so sind einige Dinge neu hinzugekommen: zum Beispiel Homosexuelle, eine versuchte Vergewaltigung, ein Regisseur blutrünstiger Theaterstücke, natürlich Sex, eine Prostituierte und ein italienisches Töchterlein, dass schnellstens seine Unschuld verlieren will.

     

    Gedreht wurde „12 + 1“ im Jahre 1969 von dem als Sohn eines Schweizers und einer Ungarin geborenen Nicolas Gessner, der nach seinen Anfängen als Theaterregisseur in Zürich vor allem durch den 1976 gedrehten „Das Mädchen am Ende der Straße“ mit Jodie Foster und Martin Sheen bekannt ist. Die italienische Fassung von „12 + 1“ gibt zusätzlich noch den relativ unbekannten Luciano Lucignani als Co-Regie an. Unterschiede gibt es auch bei den Stabangaben zur Filmmusik. Während die italienische Fassung Carlo Rustichelli benennt, gibt man in der deutschen Version Stelvio Cipriani an und in der englischsprachigen Version zusätzlich noch David Whitaker. Um es kurz zu machen, die Musik ist in allen Fassungen scheinbar weitgehend identisch, somit hat es sich offenbar von vornherein um eine Zusammenarbeit der drei Komponisten gehandelt. Während in der deutschen Fassung der Titelvorspann vor bewegten Szenen erfolgt, sind auf der italienischen DVD nur farbig unterlegte Texttafeln zu sehen.

     

    Die beiden Hauptdarsteller sind Vittorio Gassman und Sharon Tate, welche zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits im dritten Monat schwanger war. Wenn man das weiß, sieht man das auch. Gessner drehte die Halbnackt-Szenen mit ihr deshalb gleich zu Beginn, und in späteren Szenen sucht man dies mit langen Schals über ihrer engen Kleidung zu verschleiern. Für Sharon Tate war dies nicht nur ihre größte sondern leider auch ihre letzte Rolle.

     

    Diese sehr schwungvolle und abwechslungsreiche Komödie, die im Grunde eine Verfolgungsjagd durch halb Europa bietet, hat Gessner dann auch für einige bemerkenswerte Gastauftritte bekannter Stars genutzt. Neben dem bereits in der Inhaltsangabe genannten Tim Brooke-Taylor hat so Mylène Demongeot einen Auftritt als Prostituierte Judy, die sich über einen leichten Kunden – Vittorio Gassman aka Mario – freut, der keinen Sex sondern nur einen ihrer Stühle zerschneiden will. Ebenfalls dabei die dunkelhäutige US-Amerikanerin Catana Cayetano („Onkel Toms Hütte“, 1965 und „Der Gorilla von Soho“, 1968). Der englische Komiker Terry-Thomas spielt einen Lieferwagenfahrer, der Sharon Tate seine ganz persönliche Interpretation eines erotischen Romans nacherzählt. Als reicher italienischer Lebemann und dessen (lüsterne) jungfräuliche Tochter Vittorio de Sica und Ottavia Piccolo („Mado“, 1976), letztere bis heute noch im Geschäft. Hier gibt es auch Gelegenheit für einen kleinen und damals wohl recht gewagten Aufreger, in dem Mario von der Tochter zum Sex erpresst wird, während seine Begleiterin Pat auf der anderen Seite neben ihm liegt – ein flotter Dreier also.

     

    Bleibt die Frage, kann Orson Welles komisch sein? Natürlich kann er, das weiß man spätestens seit „Falstaff“. Als Maurice Markau - Regisseur und Hauptdarsteller – seines eigenen kleinen Provinztheaters versucht er mit professionellem Ernst seine leicht schundige Aufführung von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ zu retten, die wegen der Stühlejagd vor und hinter der Bühne immer weiter ins Chaos abdriftet. Welles nutzt die Gelegenheit vor Beginn dieser Aufführung für ein paar denkwürdige Dialog-Sätze. In einer weiteren etwas größeren Gastrolle ist John Steiner zu sehen.

     

    Insgesamt sorgt „12 + 1“ für vergnügliche und turbulente 90 Minuten, keine Sekunde langweilig. Ein Meisterwerk ist er nicht, das hat aber wohl auch niemand erwartet. In der deutschen TV-Fassung, die zum Beispiel auf Tele5 zu sehen war, fehlen ein paar kurze Szenen. Ein interessantes Kuriosum ist ebenfalls, dass der Darsteller, der Mario gleich zu Beginn die Nachricht von der Erbschaft überbringt, in der deutschen Fassung ein anderer ist als in der Italienischen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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