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Zwei bärenstarke Typen

Italien | Vereinigte Staaten, 1983

  • Originaltitel: Nati con la camicia
  • Alternativtitel:

    Quand faut y aller, faut y aller (FR)

    Go for it (USA)

    Dos Supersuperesbirros (SP)

  • Deutsche Erstaufführung: 23.09.1083
  • Regisseur: Enzo Barboni
  • Kamera: Ben McDermott
  • Musik: Franco Micalizzi
  • Drehbuch: Marco Barboni
  • Inhalt:

    Nachdem die beiden Herumtreiber Doug und Rosco eine heftige Barschlägerei bestanden haben machen sie sich gemeinsam auf die Reise Richtung Süden. Auf dem Weg dorthin werden sie allerdings verwechselt und für zwei ganz geheime Geheimagenten gehalten. Da ihnen dadurch ein Koffer mit einem Haufen Kies darin in die Hände fällt müssen sie wohl oder übel mitspielen um die Kohlen einsacken zu können. So bekommen sie vom Geheimdienst den Auftrag den Superbösewicht K1 auszuschalten, der plant die Weltherrschaft an sich zu reißen.

  • Autor: nerofranco
  • Review:

    “Headin down the long long road beneath the boring rain.

     Hoping that the sun comes out to shine.

     Just look up for "Doug" and "Rosco" driving you insane.

     In the middle of all that trouble again.

     We only stop and smile at all the pretty ladies.

     and they all like to stop and smile right back at me.

     But you can't bitch.................

     We will end up in a mess.

     Fighting with someone who bothered us.”

    (In the middle of all that trouble again)

     

    Anfang der 80’er neigte sich die Glanzzeit des Prügelduos Bud Spencer und Terence Hill schön langsam dem Ende zu. Nach den beiden etwas schwächeren von Sergio Corbucci inszenierten Pari e dispari (Zwei sind nicht zu bremsen) und Chi trova un amico trova un tesoro (Zwei Asse trumpfen auf) hat Regisseur Enzo Barboni, der ja den (Komödien-) Ruhm des Duos begründetet hat, mit Nati con la camicia (Zwei bärenstarke Typen) und Non c'è due senza quattro (Vier Fäuste für Rio) noch einmal zwei äußerst vergnügliche Verwechslungsgeschichten gedreht, die unheimlich viel Spaß machen und dadurch mächtig gute Laune verbreiten. Bruno Corbucci erreichte 1985 mit den Miami Supercops (Miami Cops) allerdings dann den qualitativen Tiefpunkt des Duos, der neben den Troublemakers wohl der schwächste Streifen mit den beiden schlagkräftigen Italienern ist. Als Hardcore-Fan wie ich es einer bin hab ich mich aber auch mit den schwächeren Streifen ein wenig angefreundet, einigermaßen unterhaltsam sind sie nämlich alle. Nati con la camicia zählte 1983 auch zu den erfolgreichsten Filmen in den deutschen Kinos und erreichte so immerhin 1.674.363 Besucher. Bruno Corbuccis Buddy Solo-Abenteuer Cane e gatto (Bud, der Ganovenschreck) erreichte beispielsweise im selben Jahr gerade einmal 483.554 Besucher.

     

    Nati con la camicia erzählt eine, von Enzos Sohn Marco Barboni ersonnene, irrwitzige Geschichte über zwei Herumtreiber, die durch unglaubliche Zufälle in ein aufregendes Abenteuer nach dem anderen schlittern. Dabei nehmen Terence Hill als Rosco Frazer und Bud Spencer als Doug O’Riordan ihre üblichen Rollen ein als charmanter und gewitzter Draufgänger Rosco und als schlagkräftiger, nicht immer ganz so heller dafür aber umso gutmütigerer Doug. Wie die beiden Protagonisten sind auch sämtliche Neben- und Kleinstrollen erstklassig besetzt. Der entzückende David Huddleston spielt den Geheimdienstchef, dem die beiden Taugenichts interessanterweise nicht wirklich komisch vorkommen („Wer hätte sich träumen lassen dass hinter diesen verlausten, stinkenden Vagabunden sich zwei unserer besten Agenten verbergen.“) obwohl ihm die Statur von Doug doch ein wenig verwundert („Merkwürdig, es fasziniert mich, dass ein Mann von ihrer Körperfülle wie ein Wiesel Mauern und Fassaden raufklettert, das ist unfassbar“). Herrlich ist auch jene Szene als er Informationen über Fidel Castro bekommt, dessen Tagesablauf vor einem seiner Agenten genauestens beobachtet wird („Der Bartguru ist gut in Form“). Huddleston war ja bereits in Barbonis I due superpiedi quasi piatti (Zwei außer Rand und Band) als Polizeichef mit von der Partie, der die Ausbildung von den Polizeischülern Spencer und Hill übernimmt. Außerdem ist er mir in bester Erinnerung aufgrund seiner wunderbaren Darstellung des echten Big Lebowski im Coen-Streifen The Big Lebowski, der zu meinen Lieblings Ami-Filmen zählt.

     

    Rosco: „Hast du schon eine Ahnung wo wir hinfahren?“

    Doug: „Mach was du willst ich halt mich da raus.“

    Rosco: „Oh, du bist ein Einzelgänger.“

    Doug: „Ich kann nicht mal mich selbst ertragen wenn ich mich im Spiegel sehe.“

    Rosco: „Ja, das kann ich durchaus verstehen. Und wo willst du hin?“

    Doug: „Soweit wie möglich weg von dir.“

    Rosco: „Gut, da bin ich gespannt, in der der Gegend war ich noch nie. Ich komme mit.“

    Doug: „Eins kann ich dir versichern du Windei: nur über meine Leiche!“

     

    Harold Bergman hat eine wunderbare Rolle als Wissenschaftler des Geheimdienstes mit dem Namen Sam, der sich um die Gimmicks der Agenten kümmert, quasi das Pendant von James Bonds Q. Für Rosco und Doug erfindet Sam unter anderem reißfestes Klopapier und ein kugelsicheres Auto („Selbst der Lack, selbst der Lack ist kugelfest“). Fantastisch fand ich auch Buffy Dee als Superbösewicht K1, ein widerlicher aber irgendwie auch sympathischer Fettsack, der gerne die Weltherrschaft an sich reißen würde (K1: „In nicht allzu ferner Zukunft meine Herren werde ich, K1, die Welt beherrschen.“ – Rosco: „Sind sie gar nicht skeptisch, dass sie vielleicht etwas zu hoch hinaus wollen?“ – K1: „Nein, durchaus nicht, nein“). Buffy Dee war auch ganz hervorragend als schwuler Portier in Die Miami Cops, der Charros Muskeln zum Anbeißen findet („Muskeln, überall Muskeln. Soweit das Auge auch schweift, Muskeln“). Seine rechte Hand ist niemand geringerer als Riccardo Pizzuti, der hier wieder kräftig die Hucke voll bekommt dafür aber um einiges seriöser Auftritt als sonst und so die ganze Zeit im Anzug herumrennt was einen etwas ungewohnten Anblick abgibt. An seiner Seite hat er einen heißen Vamp in Lack und Leder, die am Ende von Doug kräftig den Arsch versohlt bekommt weil Rosco ja ein Gentleman ist und keine Frauen schlägt.

     

    Enzo Barbonis Nati con la camicia hat wirklich jede Menge wunderbarer, netter und witziger Szenen zu bieten. Ganz fabelhaft fand ich beispielsweise den ersten Auftritt von Hill und Spencer als Rinderbarone, was ihnen als nicht gerade unauffällige Tarnung dient. Als sie da auf dicke Hose machend und unglaublich unsympathisch in die Eingangshalle des Hotels reinspazieren und gleich mal die halbe Belegschaft, inklusive dem Rezeptionisten, gegen sich aufbringen ist nun wirklich zum Brüllen. Dan Fitzgerald ist ganz großartig als Rezeptionist, der als Spion für K1 arbeitet aber wie all die anderen Gauner nicht gerade mit Intelligenz gesegnet wurde. Sehr schön ist die Szene als Rosco und Doug ihn am Schießstand als Zielscheibe einsetzen. Lustig fand ich auch als die beiden Würstchen, einem von K1 Informanten, ein wenig auf die Pelle rücken und dabei einen exzellenten, wenn auch etwas miefigen, Burger brutzeln (Rosco: „Der Hamburger stinkt.“ – Doug: „Der stinkt Sir, das ist vollkommen unmöglich, das Fleisch ist frisch, ist ja noch lebendig“). 

     

    Einen Running Gag hat man sich auch einfallen lassen. Immer wenn einer der Agenten Mist baut betteln sie Doug und Rosco an dies doch bitte nicht in ihrem Bericht zu erwähnen. Was die meisten Spencer/Hill-Komödien auch so sympathisch werden lässt ist die Tatsache, dass es eigentlich überhaupt keine schlechten oder unsympathischen Menschen in dieser einzigartigen Welt gibt. Alle Beteiligten sind nur durch Zufall das was sie sind und niemand ist wirklich bösartig oder hundsgemein. Witzige Szenen gibt’s in dem Film wirklich mehr als genug, dazu liefert man uns genügend Action mit ausreichend Prügeleien. Barbonis Inszenierung ist zwar gediegen, zu meckern gibt’s aber auch hier nichts. Besonderes sucht man hier vergeblich, erwartet man bei einer Komödie dieser Art aber auch nicht wirklich. Zudem schafft es Franco Micalizzi einen sehr netten, easy listening Soundtrack abzuliefern, der das entspannte, naive Feeling des Films musikalisch perfekt untermalt. Das Titellied In the middle of that trouble again, welches die beiden Protagonisten besingt, find ich ebenfalls klasse und sehr schön schwungvoll.

     

    Nati con la camicia von Enzo Barboni ist einer der letzten Filme, bei denen Bud Spencer und Terence Hill gemeinsam vor der Kamera standen und ist zudem einer ihrer besten, witzigsten und nettesten Zusammenarbeiten geworden. Wir bekommen hier eine irrwitzige Story, sympathische Darsteller und Charaktere, ein netter und gut ins Ohr gehender Soundtrack geboten und mit Miami zudem eine Location, bei der sich sehr schnell ein gewisses Urlaubsfeeling einstellt. Wer also einmal Lust auf nette, humorvolle, sympathische und naive Unterhaltung hat und mit Spencer und Hill etwas anfangen kann sollte sich nach den zwei bärenstarken Typen umsehen, er wird’s sicher nicht bereuen handelt es sich doch um einen rundum gelungenen Spaß. 

  • Autor: nerofranco
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