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Ein Zombie hing am Glockenseil

Italien, 1980

  • Originaltitel: Paura nella città dei morti viventi
  • Alternativtitel:

    Pavor na Cidade dos Zumbis (BRA)

    Miedo en la ciudad de los muertos vivientes (ESP)

    Frayeurs (FRA)

    Os Mistérios da Cidade Maldita (POR)

    The Gates of Hell (USA)

    City of the Living Dead

    Die Stadt der lebenden Toten

    Ein Kadaver hing am Glockenseil

    Ein Toter hing am Glockenseil

    Eine Leiche hängt am Glockenseil

  • Deutsche Erstaufführung: 11. September 1980
  • Regisseur: Lucio Fulci
  • Kamera: Sergio Salvati
  • Musik: Fabio Frizzi
  • Drehbuch: Lucio Fulci, Dardano Sacchetti
  • Inhalt:

    Während einer Séance wird das New Yorker Medium Mary (Catriona MacColl) Zeugin weit entfernter Ereignisse, in der kleinen Stadt Dunwich erhängt sich ein Priester auf einem Friedhof und die Toten steigen aus ihren Gräbern. Mary verfällt in einen kataleptischen Schock und wird für tot gehalten. Als der Reporter Peter (Christopher George) dem Fall nachgeht, ist Mary Bestattung durch zwei Totengräber gerade im Gange. Doch plötzlich dringen Schreie aus dem Sarg.

     

    In Dunwich geschehen unterdessen schreckliche Dinge. Der tote Priester erscheint der jungen Emily (Antonella Interlenghi), die sich um den gestörten Bob (Giovanni Lombardi Radice) kümmern will. Bob ergreift die Flucht und Emily stirbt einen schrecklichen Tod – vor Angst. Handfester geht es beim Date zwischen dem Pärchen Rosie und Tommy (Daniela Doria, Michele Soavi) zu, die ein noch weitaus schrecklicheres Ende finden.

     

    Peter und Mary (kein Paul?) sind derweil auf der Suche nach der Stadt Dunwich und sie haben nicht viel Zeit. Denn bald ist Allerseelen, die Nacht, in der die Toten sich erheben.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Es ist bereits so viel über Lucio Fulcis „Ein Zombie hing am Glockenseil“ geschrieben worden, deshalb werde ich einiges unterlassen, also nicht wundern. Erstaunlich fand‘ ich immer eines: egal, wie sehr man den Film in Deutschland gekürzt hat, und unterschiedliche Versionen gab es hier bekanntlich viele, bei keiner davon gelang es, die düstere Atmosphäre des Films zu zerstören. Das gelingt eigentlich nur der deutschen Synchro, die durch die diversen Nachbesserungen bei der Wiederherstellung des Films für diverse Uncut-Veröffentlichungen nicht besser wurde. Aber bevor Missverständnisse aufkommen, ich bin ein Fan dieses Films, bevorzuge es aber, die deutsche Vertonung zu vermeiden.

     

    Nur ein kurzes Beispiel, dass ich hier nur grob und nicht wörtlich wiedergeben will: Sandra (Janet Agren) ruft ihren Psychiater Gerry (Carlo de Mejo) in ihr Haus, weil sie unheimliche Geräusche gehört hat. Er kommt an und sie sagt, er solle in ihr Schlafzimmer schauen, an ihrem Bett. Und er – geht in die Küche, denn dort liegt die Tote, nicht am Schlafzimmer. Sandra wieder sagt, sie lag plötzlich in meinem Bett, und nein, tut sie nicht, sie liegt auf dem Küchenfußboden. Aber wer schaut schon Filme wegen der Dialoge. Noch zum Titel, die Übersetzung des italienischen Orginaltitels wäre „Angst in der Stadt der Lebenden Toten“, und was für ein wundervoller, furchteinflößender und vielversprechender Titel! Aber „Ein Zombie hing am Glockenseil“, musste das wirklich sein?

     

    Fulci überschreitet „Paura nella città dei morti viventi“ einige Grenzen, nicht nur in Sachen Gore-Gehalt. Bob und die Gummipuppe, daneben ein verwesender, leichenwurm-übersäter Babykadaver in der Ecke, der vermutlich noch nicht mal etwas mit den unheimlichen Ereignissen in Dunwich zu tun hat. Ebenfalls der Bestatter, der nachdem die Verwandten sich von ihren Liebsten verabschiedet haben, die Toten bestiehlt, unwichtig für die Handlung, aber typische Fulci-Provokation. Und da wäre natürlich die Tötung von Bob – das Motiv liegt zwar bei den unheimlichen Ereignissen in Dunwich, für die man Bob verantwortlich macht, aber ansonsten hat dieser Mord nicht viel mit den übernatürlichen Vorgängen selbst zu tun. Insgesamt bringt Fulci – bzw. Dardano Sacchettis Drehbuch – eine Vielzahl von kleinen bis größeren außergewöhnlichen Elementen in den Film ein, die nicht immer handlungsbezogen sind.

     

    Bevor ich anfange über Fakten zu schwafeln, noch ein paar persönliche Eindrücke. Die Szene, in der Mary im Sarg erwacht ist ein Filmerlebnis, dass wohl niemand der den Film damals gesehen hat, je vergessen wird – und dazu unblutig, nicht dass jemand behauptet, „Ein Zombie hing am Glockenseil“ bliebe nur wegen der blutigen Szenen im Gedächtnis. Die Story bedient sich nebenher verschiedener Lovecraft-Motive, keines davon wirklich ausgegoren, nichtsdestotrotz effektiv. Die Besetzung der Rollen ist perfekt für einen italienischen Horrorfilm, nichtsdestotrotz bekommt so ziemlich jeder ein Mal Gelegenheit für außerordentliches Bad Acting. Positiv fallen hier Catriona MacColl und Giovanni Lombardi Radice auf, die es schaffen, immer professionell zu spielen, auch wenn Fulci womöglich gehofft hat, sie würden zumindest einmal patzen. Fulcis Verhältnis zu Christopher George soll sehr angespannt gewesen sein, vielleicht wegen des Spitznamens, den Fulci ihm gegeben hatte: der Hund mit der Zigarre. Auch mit Giovanni Lombardi Radice kam Fulci wohl nicht so gut aus, aber Fulci und Schaupieler, da hatte er ja einen gewissen Ruf.

     

    Fulcis Darstellung der Zombies ist schon insofern interessant, dass er diese in seinen Filmen zu diesem Thema stets anders angesiedelt hat. In „Woodoo – Schreckensinsel der Zombies“ bedient er sich der klassischen Darstellung, eben Zombies die durch Voodoo zum Leben erweckt wurden. Seltsamerweise zeigt er uns nichts von diesen Verursachern, man hört lediglich die Trommeln in der Ferne. In „Ein Zombie hing am Glockenseil“ verwebt er den Selbstmord des Priesters mit dem Thema Hexen von Salem, und so sind die Untoten hier eher geisterhafte Erscheinungen, die auch schon mal beliebig aus dem Nichts auftauchen und ebenso wieder verschwinden können. In „L’Aldila“ („Geisterstadt der Zombies“) gibt es gar zwei Kategorien, zum Einen fast schon dämonische Kreaturen mit einem Motiv, zum Anderen (die Zombies später im Krankenhaus) willenlose Monstren. In „Das Haus an der Friedhofsmauer“ dagegen ein verrückter Wissenschaftler, der sich selbst zum Untoten gemacht hat. Fulci hat in diesen Filmen also wirklich bewiesen, dass er mehr bewirkt hat als die Zuschauer nur mit Ekeleffekten zu schockieren, wie ihm die Zensur diesbezüglich unterstellt. Und jeder dieser genannten Filme hat ebenso eine ganz eigene Atmosphäre. Für „L’Aldila“ sollen ursprünglich gar keine Zombies vorgesehen gewesen sein, diese hatten angeblich die deutschen Verleiher während der Verhandlungen bezüglich der Vorfinanzierung verlangt, sonst würden sie den Film nicht nehmen – ein Risiko, dass man nach der Poe-Adaption „The Black Cat“, der in deutschen Kinos nicht gezeigt wurde, nicht eingehen wollte. Müssen dieselben Verleiher gewesen sein, die nach Einführung des §131 behauptet haben , sie hätten die bösen italienischen Filme ja eigentlich NIE zeigen wollen, hätten aber gemusst, weil sie sonst nicht an Hollywood-Filme drangekommen wären...keine Ahnung, ich konnte der Argumentation nicht folgen. Was haben US-Verleiher mit Italo-Produktionen zu schaffen?

     

    Die Vorproduktion zu „Ein Zombie hing am Glockenseil“ lief bereits während der Dreharbeiten zu „Das Syndikat des Grauens“, so dass Fulci nach Fertigstellung desselben im April 1980 mit den Dreharbeiten beginnen konnte, mit Assistenz von Roberto Giandalia und Michele Soavi. Acht Wochen insgesamt dauerten die Dreharbeiten mit Außenaufnahmen in Savannah (Georgia), New York und Studiodrehs in Rom. Die Szenen mit Christopher George und den beiden Totengräbern – gespielt von Michael Gaunt und Perry Pirkanen („Nackt und Zerfleischt“) entstanden auf dem Calvary Cemetery in Woodside, Queens, wo man das Team anschließend davonjagte, weil sie tatsächlich eine echte Tote (wohl das Skelett, an dessen Grab die Totengräber frühstücken) ausgegraben hatten. War wohl nicht abgesprochen. Darstellerin Antonella Interlenghi (Emily) wurde während dieses USA-Aufenthaltes wegen Entblößens in der Öffentlichkeit verhaftet, die Produktion zahlte jedoch die Kaution. Ob sie für die Verhandlung zurückgekehrt ist, ist mir nicht bekannt. Der kleine Junge im Film wurde von Venantino Venantinis Sohn Luca gespielt.

     

    Einen wichtigen Teil des Gesamtergebnisses stellt Das Set-Design von Massimo Antonello Geleng dar, noch einer, den Fulci ursprünglich nicht dabei haben wollte. Da Savannah eine eher sonnige Stadt ist, leistete Geleng einige Arbeit mit Ventilatoren, um „Dunwich“ eine unheimliche, staubige Atmosphäre zu verleihen. Einige der Außenansichten der Häuser baute er jedoch im Studio wieder nach, genauso wie die Inneneinrichtung von Sandras (Janet Agren) Haus mit den unheimlichen Gemälden. Die eindrucksvollen unterirdischen Gänge des Friedhofs von Dunwich, mit den Leichen, die von oben aus der Erde sacken, sowie die unterirdische Kapelle im Finale sind ebenso Gelengs Kreationen. Für die Spezialeffekte waren Gino de Rossi (nicht Gianetto) und Rosario Prestopino verantwortlich. Letzter schuf das Zombie Make-up, das unter anderem Honig als Klebemasse enthielt und Giovanni Lombardi Radice eine Auseinandersetzung mit einem Bienenschwarm einbrachte. Für Catriona MacColls Szenen im Inneren des Sarges war dagegen eher Kameramann Sergio Salvati zuständig, einschließlich der dazu nötigen Aufbauten. In Italien blieb der am 11. August 1980 uraufgeführte „Paura nella città dei morti viventi“ jedoch hinter den Einspielergebnissen von „Zombi 2“ (Woodoo) zurück, war dafür im Ausland umso erfolgreicher. Während italienische und selbstredend deutsche Filmkritiker den Film schmähten, betrachtete man ihn in Frankreich als einen der besten Horrorfilme der letzten Jahre.

     

    Doch am Ende bleiben viele Fragen offen: wurden die Hexen von Salem nicht eigentlich gehängt, nicht verbrannt? Was hat das erwähnte „Buch Enoch“ mit dem Ganzen zu tun? Wem gehört, die Hand die Michel Soavi die Schädeldecke zerquetscht? Wie hat Mary es geschafft, die Enbalsamierung zu überleben, so dass sie dann wieder aus der Katalepsie erwachen konnte? Wie aknn Dunwich auf den Ruinen der Stadt Salem erbaut worden sein, wo diese doch heute noch existiert? Und was stimmte nicht mit Luciano Rossi? In seiner Szene als New Yorker Polizist guckt der, als wenn er gleich jemanden anspringen und beißen will. Und wer hatte die Idee für die doofe Finalszene (mit dem rennenden Kind), die absolut keinen Sinn ergibt? Okay, das weiß ich, das war Editor Vincenzo Tomassi, der sich da eine mit eigentlich keinem der Verantwortlichen abgesprochene künstlerische Freiheit geleistet hat.

     

    Eins noch: Fulcis Wahl bezüglich der Protagonisten, welche den Film überleben und welche nicht, ist irgendwie eigen. Wie kann man nur so ein Happy End sabotieren? Aber das wollte er wohl so.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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    Zombie hing am Glockenseil, Ein

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