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Zeder - Denn Tote kehren wieder

Italien, 1983

  • Originaltitel: Zeder
  • Alternativtitel:

    Revenge of the Dead (USA)

    Zeder: Voices from Darkness

    Zeder: Voices from the Beyond

    Zeder: voci dal buio

  • Regisseur: Pupi Avati
  • Kamera: Franco Delli Colli
  • Musik: Riz Ortolani
  • Drehbuch: Pupi Avati, Maurizio Costanzo, Antonio Avati
  • Inhalt:

    Zum Jahrestag bekommt Stefano von der Freundin eine gebrauchte Schreibmaschine geschenkt. Auf dem Farbband entdeckt der junge Schriftsteller einen mysteriösen Text, der scheinbar Hinweise auf einen Ort liefert, an dem die Toten nicht tot bleiben. Stefano macht sich auf, um das Rätsel zu lösen. Dabei stößt er nicht nur auf dunkle Verschwörer, die jeden Mitwisser gnadenlos beseitigen, sondern auch auf eine offenstehende Pforte zum Jenseits...

  • Autor: Christian Ade
  • Review:

    Zehn Notizen zu Pupi Avatis ZEDER...

     

    I

     

    Wir werden die Schranken des Todes schließlich doch noch niederreißen. Ich habe endlich ein K-Gebiet entdeckt, das unverdächtig und ungehindert zu begehen ist. Wo mein begrabener Leib auf seine Stunde warten wird. Meine Rückkehr ins Leben wird die Rückkehr aller anderen sein...“

     

    II

     

    In PET SEMETARY ließ der große Autor Stephen King seine Protagonisten ihre Toten auf einen alten Indianerfriedhof bringen; auf dass sie wiederkehren. In ZEDER ersetzt Pupi Avati den Indianerfriedhof durch ein umzäuntes, verwildertes Fabrikgelände. Das ist viel urbaner und längst nicht so mystisch, aber – glaubt mir-  genauso unheimlich wie eine alte, indianische Begräbnisstätte...

     

    III

     

    ZEDER wurde im Jahr 1983 produziert. Somit folgte Avatis Horrorfilm Lucio Fulcis vier großen Zombie-Evangelien, die beginnend mit WOODOO – SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES und abgeschlossen vom HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER in einem Zeitraum zwischen 1979 und 1981 entstanden sind, quasi auf dem Fuße. ZEDER’s Eröffnungssequenz ruft auch Erinnerungen an die  übernatürlichen Alptraumszenarien aus Fulcis Besten wach. Nicht was den Gore angeht, sondern die Stimmung. Wenn sich auf der Tonspur monströses Röcheln mit heruntergestimmten, beklemmenden Tieftönen aus Riz Ortolanis Soundtrack vermischen, wenn Dielen überlaut knacken und panisches Atmen laut wird, befindet man sich irgendwie wieder im HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER oder an Allerheiligen in Dunwich bei den GATES OF HELL; einer Soundtrack-LP von Fabio Frizzi lauschend.

     

    IV

     

    Auch wenn uns die bedrohlichen jenseitigen Geräusche - das Todesröcheln, das paradoxe Schnaufen toter Lungen - noch einige Male zu Ohren kommen werden; wo wir bei Fulci von einem Blut- und Madenbad ins nächste getrieben werden würden, lässt uns Avati in ZEDER sehr viel langsamer, aber ebenso unausweichlich in rätselhafte, gefährliche Begebenheiten und damit in unser Verderben stolpern.

     

    V

     

    Ich begegnete Pupi Avati zum ersten Mal in seinem HAUS DER LACHENDEN FENSTER. Ein mit eiskalter Ruhe erzählter, aber von Anfang an äußerst bedrohlich wirkender Giallo, der ein denkwürdig unbarmherziges Ende nimmt und heute zu Recht als Geheimtipp unter Fans gehandelt wird. Dann kam ich dank filmischer Seelenverwandten (liebe Grüße nach Bregenz an dieser Stelle :) in den Genuß von L’ARCANE INCANTATORE. Hier trat Pupi Avati den Beweis an, dass ein atmosphärischer, gotischer Gruselfilm selbst noch in den frühen Neunziger Jahren gemacht werden konnte. Erst danach sah ich Avatis wohl bekanntesten Horrorfilm. ZEDER aus dem Jahr 1983.

     

    VI

     

    Ganz weit weg von schlurfenden, nach Menschenfleisch gierenden lebenden Toten und den Überlebenskämpfen in Zombie-Apokalypsen ist ZEDER vielleicht das Paradebeispiel eines originellen Zombiefilms ohne Zombies. Wandelnde Leichen, wie sie seit Romeros NIGHT OF THE LIVING DEAD oder Fulcis WOODOO in unserer Vorstellung verankert sind, begegnen uns nicht direkt. Dabei betreibt der Film keinen Etikettenschwindel; auch in ZEDER kehren Tote wieder. Jedoch in anderer Gestalt; mit einer anderen Mission. Obwohl auch für sie gilt: Vorsicht bissig!

     

    VII

     

    Inszenatorisch ist ZEDER ebensowenig perfekt wie auf schauspielerischer Seite. Die Dialoge tuschieren dann und wann das Abstruse. Nicht jede Mimik sitzt. Mehr als ein Szenenwechsel ist holprig. Die Handlung ist von Anfang an auf Undurchsichtigkeit und Verwirrung ausgerichtet; die aufgeworfenen Fragen finden selten konkrete Antworten. Wenn sich etwas klärt, lauert dahinter zumeist nur noch mehr Irritation.

     

    VIII

     

    Aber gerade diese chaotische Note; diese entfesselten paranoiden Wahnvorstellungen machen den Reiz von ZEDER aus. Ein Horrorfilm, der so anders als andere Horrorfilme ist. Und an seiner ganz eigentümlichen düsteren Stimmung webt. Die wiederum erinnert etwas an Michele Soavis THE SECT; diesen ebenfalls oft übersehenen wie unterschätzten düsteren okkulten Alptraum.

     

    IX

     

    Botschaften auf dem Farbband einer Schreibmaschine. Wer oder was sind die K-Zonen? Ist der Tod etwa nicht das Ende? Immer tiefer gerät der Schriftsteller Stefano in eine unheimliche Verschwörung, die sich bald in einen regelrechten paranoiden Alptraum auswächst. Die rätselhaften Hinweise führen zu einem alten, stillgelegten Fabrikgelände.    

     

    X

     

    Ich muss zugeben, dass ich persönlich Gabriele Lavia lieber in einer Neben- als in der Hauptrolle sehe. Den sensiblen, aber abgründigen Carlo in Argentos Giallo-Klassiker DEEP RED vermochte er äußerst eindringlich zu spielen, wenn er aber in einem Film die erste Geige spielen muss, bleibt Lavia meistens blass. Dies war in seinem Erotik-Thriller SENSI aus dem Jahr 1986 der Fall und ist leider auch bei ZEDER so. Wo andere Filme mit ihren Hauptdarstellern stehen und fallen, kann es sich Lavia hier leisten, den Spielball der mysteriösen Vorgänge zwischen Dies- und Jenseits zu geben, ohne großartige Akzente zu setzen. Der heimliche, düstere Hauptdarsteller in ZEDER ist ohnehin jenes verwaiste, verwitterte, umzäunte Gelände; diese ehemalige Ferienkolonie nahe der Nekropole Zina. Und natürlich dieser irre lachende Leichnam, der darin begraben liegt...

  • Autor: Christian Ade
  • Veröffentlichungen:

    Der Review lag die feine DVD aus dem Hause CMV zugrunde. In den Extras finden sich neben den obligatorischen Trailern außerdem ein wie immer informativer, gar mit einer eigenen „Anekdote aus der K-Zone“ gewürzter Audiokommentar vom allseits bekannten Christian Keßler und ganz viel Bild- und Videomaterial zum heimlichen Star des Films; jenem unheimlichen verfallenen Gelände der Colonia Provinicia Varese; passend beklemmend unterlegt mit der originalen Filmmusik aus der Komposition Riz Ortolanis. Demnächst erscheint der Film von X-Rated auch auf Blu-ray.

  • Autor: Christian Ade
  • Filmplakate

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