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Yellow Emanuelle

Hong Kong | Italien, 1977

  • Originaltitel: Il mondo dei sensi di Emy Wong
  • Alternativtitel:

    El mundo de los sentidos de Emy Wong (ESP)

    L'éveil des sens d'Emy Wong (FRA)

    A Grande Paixão de Emy Wong (POR)

    Emmanuelle in the Orient

    Hong Kong Emanuelle

    Emanuelle - Die Sucht der Sinne

  • Deutsche Erstaufführung: 02. September 1977
  • Regisseur: Bitto Albertini
  • Kamera: Guglielmo Mancori
  • Musik: Nico Fidenco
  • Drehbuch: Mario Mariani, Bitto Albertini, Ambrogio Molteni
  • Inhalt:

    Der Pilot, George Taylor, will es sich bei einem Kurzurlaub in Hongkong gut gehen lassen, doch in den dunklen Ecken des „duftenden Hafen“ treibt sich allerlei Gesocks rum. Infolgedessen fällt der Flugzeugkapitän einigen Gangstern in die Hände und landet anschließend im Krankenhaus. Dort verliebt er sich in seine behandelnde Ärztin, Dr. Emy Wong, eine exotische Schönheit von der George auch nach seiner Entlassung (aus dem Hospital) nicht ablassen kann. Sehr zum Leidwesen seiner Kollegin und Bettgespielin, Helen Miller, die sich justament in die Intrigenschmiede begibt.

     

    Wird die Macht der Liebe über die dunklen Schatten der Eifersucht siegen?

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    Nachdem Bitto Albertini mit „Black Emanuelle“ Laura Gemsers Weg zur „Goddess of Sexploitation“ forcierte, ließ der Regisseur „Il mondo dei sensi di Emy Wong” aka „Yellow Emanuelle“ folgen. Dieser, in Hongkong gedrehte Streifen verfügt über ein überschaubares Kontingent an Sexszenen, welche einen Anteil von ca. 20% ausmachen und als schmuddeliges Beiwerk fungieren. Primär transportiert Albertini eine Liebesgeschichte, die durch Eifersüchteleien und einem kleinen Intrigenspiel in unglückliche Bahnen gelenkt wird. Dabei rückten drei Personen in den Mittepunkt des Geschehens:

     

    - Chai Lee als Dr. Emy Wong,
    - Giuseppe Pambieri als George Taylor,
    - Ilona Staller als Helen Miller.

     

    Letztgenannte Darstellerin sollte jedem halbwegs weltoffenen Zeitgenossen ein Begriff sein, denn wenn es jemand geschafft hat (für eine längere Zeitspanne) nahezu pausenlos in den Medien präsent gewesen zu sein, dann ist es zweifelsohne das Italo-Schnuckelchen aus Budapest. TV-Skandale, 36 HC-Filme (von denen die OFDb lediglich ein Drittel listet) und eine dritte Karriere als Politikerin. Was die Frau an Aufsehen erregte stellt jedes, noch so florierende Star-System in den Schatten.

     

    Doch bevor Ilona in diversen Italo-Wichsperlen mit Blütenkranz auf dem Kopf und Schwänzen in den Körperöffnungen durch die HC-Welt fegte, hatte sie einige Auftritte in soften Erotikfilmen und Erotikkomödien. Dazu zählt ihr Gastspiel als Helen Miller in „Yellow Emanuelle“. Interessant, dass ihre Einsätze – bis auf eine Ausnahme – bekleidet erfolgen, denn ihre Hauptaufgabe besteht darin die Missgunst der Helen Miller zu vermitteln. Mit der dazu benötigten Arglist hält sich „La Cicciolina“ allerdings sehr zurück, sodass ihre Präsentation eher enttäuschend wirkt. Optisch gefällt mir die „Göttliche Skandalnudel“ allerdings wesentlich besser als in ihren HC-Filmen, da sie dort einem kreidebleichen Gespenst gleicht, das mit der halbwegs korrekten Anwendung von Lippenstift und Wimperntusche überfordert ist.

     

    So etwas hat Chai Lee (Dr. Emanuelle Wong), dass schöne Geschöpf mit dem tiefschwarzem Haar und den großen traurigen Augen, nicht nötig. Sie ist kein feminines Wesen, das sich im Minutentakt entkleiden muss um Aufmerksamkeit zu erregen. Ähnlich einer Laura Gemser, die unbekleidet zwar schön anzusehen ist, aber vielmehr mit ihrer geheimnisvollen Aura glänzt.

     

    Dessen ungeachtet wird der Unterschied zwischen den Figuren: „Yellow Emanuelle“ und „Black Emanuelle" allerdings sehr deutlich transportiert. Emy Wong ist den Traditionen ihrer Heimat verbunden, sie wirkt schüchtern sowie verletzlich und nicht im Entferntesten taff und souverän. Emy Wong ist eine Frau, die sich an klare Regeln und Keuschheitsgebote hält, zumindest so lang bis der Pilot, George Taylor, auftaucht und ihren Hormonhaushalt kräftig durcheinander wirbelt.

     

    Dieser „Don Juan der Lüfte“ wird von Giuseppe Pambieri gemimt. Ein in optischer Hinsicht stereotypischer „Don Pornobalken“, der jedoch im Gegensatz zu den wahren Fickmaschinen des Italo-Schmuddelsumpfes (wie Mark Shannon etc.), tatsächlich in die Hauptfigur verliebt ist. Dabei rückt der Kulturenunterschied dieser beiden Menschen in den Mittelpunkt. Was für den einen selbstverständlich, ist für den anderen ein Bruch mit dem Traditionellen. In die Geheimnisse Asiens werden wir bedauerlicherweise nur beiläufig eingeweiht. So demonstriert sich die Erwähnung vom „Fest der Blumen“ und dem „Ameh Rock“ bei Sha Ti als eine zierende Banalität.

     

    Absolut nicht banal ist die Filmmusik von Nico Fidenco. Ein Komponist, dem es stets gelang seine Sexploitation-Arrangements zwischen exotischem Flair und Popmusik balancieren zu lassen. Zudem besitzen seine Klangkonstruktionen eine Unverkennbarkeit, die mit der Macht der Einprägsamkeit gesegnet sind. Denn wer Fidencos Werke hört, der wird sie nicht vergessen und immerfort mit speziellen Personen und Bildern assoziieren. Tondichtungen, wie die „Nackt unter Kannibalen-Hymne“ „Make love on the wing“ üben eine derartige Kraft und Faszination aus, dass sie zu einem gleichwertigen Partner der Bildkompositionen werden.

     

    Die Musik ist nicht Ornament, sondern wesentlich Träger des szenischen Sinnes: das macht ihr dramaturgisches Recht aus. (Theodor W. Adorno)

     

    Auch ohne ein Mitwirken von Laura Gemser kann man „Yellow Emanuelle“ als Bestandteil der Post-Black Emanuelle-Welle sehen. Dafür bürgen die gut fotografierten, exotischen Locations und eine „gesunde“ Portion Sleaze. Was dem Film fehlt ist (abgesehen von zwei Prügeleien) ein Hauch von crime and violence. Wie ich bereits ansprach regiert eine tragische Liebesgeschichte, die den Rezipienten zu fesseln weiß.

     

    Fazit: Wenn Captain Schnauzbart das Fernweh plagt, dann dockt er bei Frau Doktor an und winkt damit sein altes Liebchen, das Schnuckelchen mit dem breiten Mund und den feuerroten Lippen, in die Gefilde tödlicher Eifersucht. Schmuddelsex, schmalzige Liebe, eine Hautprotagonisten, die Beschützerinstinkte weckt, sowie ein Finale, das es in sich hat.

     

    Nicht schlecht, Herr Specht!

  • Autor: Frank Faltin
  • Veröffentlichungen:

    Donau Film repräsentiert „Yellow Emanuelle“ als Amaray, verpackt in einem O-Ring-Schuber. Dessen Hochglanzmotiv ist dem Zeitgeist angepasst und auf modern getrimmt. Der Nostalgiker muss allerdings nicht in „die Röhre gucken“, da ihm das deutsche Kinoplakatmotiv als Wendecover zur Verfügung gestellt wird.

     

    Neben der (ungeschnittenen) Langfassung befindet sich die deutsche Kinoversion auf dem Datenträger. Diese wurde von den deutschen Kürzungsexperten derart verfremdet, dass Albertinis eigentliche Absichten nicht konkret erkennbar sind. Wichtige Handlungsblöcke wurden gänzlich entfernt um den Film (vermutlich) auf die publikumsfreundlichen 80 Minuten zu straffen. Demgemäß weise ich entschieden darauf hin, dass ihr euch die Langfassung (basierend auf dem Master, das für die US-DVD von Exploitation Digital zum Einsatz kam) anschauen solltet.

  • Autor: Frank Faltin
  • Filmplakate

    Links

    OFDb
    IMDb

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