Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies

Italien, 1979

  • Originaltitel: Zombi 2
  • Alternativtitel:

    Nueva York bajo el terror de los zombies (ESP)

    L'enfer des zombies (FRA)

    Zombie Flesh Eaters (GBR)

    Zombie (USA)

    Island of the Living Dead

    Island of the Flesh-Eaters

    Zombie 2

  • Deutsche Erstaufführung: 23. November 1979
  • Regisseur: Lucio Fulci
  • Kamera: Sergio Salvati
  • Musik: Giorgio Cascio, Fabio Frizzi, Adriano Giordanella, Maurizio Guarini
  • Drehbuch: Elisa Briganti, Dardano Sacchetti
  • Inhalt:

    Als eine führerlose Segeljacht im Hafen von New York einen leicht übergewichtigen Untoten in die Stadt entlässt, wird Reporter Peter West (Ian McCulloch) auf die Geschichte aufmerksam. Die Jacht gehört dem verschwundenen Vater von Anne Bowles (Tisa Farrow), die sich gemeinsam mit dem Journalisten auf die Suche begibt. Die Spur führt zur karibischen Insel Matul, auf der der Forscher Dr. Menard (Richard Johnson) mit seiner Frau Paola (Olga Karlatos) lebt und arbeitet. Und während in der Ferne Voodoo-Trommeln ertönen, erheben sich die Toten aus den Gräbern und machen Jagd auf die Lebenden.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Blutrunst, Ekeleffekte und Sex vermischendes Horrorspektakel italienischer Billigproduktion, das die radikale Vernichtung von "Lebensunwertem und Abartigem" befürwortet.“ (Lexikon des Internationalen Films)

     

    Klingt gut. Die besten Texte schreibt eben nicht das Leben sondern das Lexikon des Internationalen Films, auch wenn mir die Interpretation, menschenfressende Lebende Toten seien schützenswertes Leben, ein klein wenig Sorgen bereitet. Da kommen einem unwillkürlich Dr. „Frankenstein“ Logan aus Romeros „Zombie 2 – Das letzte Kapitel“ oder die Hinterwäldler aus „Survival of the Dead“ in den Sinn. Ist aber nicht böse gemeint, nicht dass man mir am Ende noch nachsagt, ich würde Filmlexikon-Autoren als abartiges oder unwertes Leben betrachten, also genug davon.

     

    „Zombi 2“ wurde ursprünglich aus der Idee des Co-Produzenten Ugo Tucci geboren, der an den Erfolg der italienischen Argento-Fassung von George A. Romeros „Zombie“ (Dawn of the Dead) anzuknüpfen wollte. Zunächst war aufgrund eines sehr niedrigen Budgets Joe D’Amato als Regisseur im Gespräch, da man jedoch befürchtete, dass dieser den Erotik-Anteil zu hoch ansetzen würde, beschaffte man sich mit Gianfranco Couyoumdijan und Fabrizio de Angelis als weitere Produzenten eine Budget-Erhöhung und bot den Stoff Enzo G. Castellari an. Der forderte daraufhin eine Gage im zweistelligen Millionen-Bereich (Lire), wohl weil er an einem Horrorfilm gar nicht interessiert war. Für ein knappes Zehntel weniger konnte man dann Lucio Fulci verpflichten, der zwar bis dato keinerlei Horror-Erfahrung aber immerhin Einträge im Giallo-Bereich vorweisen konnte.

     

    Das Drehbuch trägt den Namen Elisa Briganti, Ehefrau von Dardano Sacchetti, der aus persönlichen, familiären Gründen nicht genannt werden wollte. Behauptungen Fulcis, er habe das Drehbuch mehrfach geändert um den Horror-Anteil zu erhöhen, wies Sacchetti später zurück, alle im Film gezeigten Sequenzen seien bereits im Drehbuch detailliert enthalten gewesen. Ungehalten reagierte Fulci später auf einen Brief von Dario Argento und George Romero, die ihm anhand einer sehr ähnlichen Tagline wie bei „Zombie“ vorwarfen, ihre Ideen zu stehlen. Charmeur Fulci beantwortete dieses Schreiben mit einer Auflistung aller Zombie-Filme, die vor „Dawn of the Dead“ entstanden waren und schlug ihnen vor, doch einfach die Klappe zu halten.

     

    Bei den Darstellern war lediglich Al Cliver schon zu Beginn der Produktion im Gespräch, ansonsten kamen Vorschläge wie Monica Zanchi (wohl von D’Amato), Leonard Mann und Mario Merola (von Tucci). Am Ende fielen die Hauptrollen bekanntlich Ian McCulloch und Mia Farrows Schwester Tisa zu, das Ehepaar Menard wurde von Richard Johnson und Olga Karlatos gespielt. Hier freute sich Fulci auch über Karlatos‘ Panikattacke während der Splitter-im-Auge-Szene, denn wenn es ihm sogar gelänge eine Olga Karlatos zu schockieren, dann sei dies beim Publikum ein Kinderspiel. Schaut Euch „Gloria Mundi“ von Nikos Papatakis an, dann wisst Ihr, warum sich Fulci so darüber gefreut hat. Olga war keineswegs leicht zu schockieren. Probleme gab es mit Auretta Gay, die erst kurz vor der Tauchszene offenbarte, dass sie gar nicht schwimmen kann. Man engagierte schnell einen Tauchlehrer, den sie in der Praxis dann aber mit in die Tiefe zog, beide wurden dann von Al Cliver vor dem gemeinsamen Ertrinken gerettet. Fulci kommentierte dies mit einem „Scheiß-Personal“, was man ihm da angedreht hätte, womit er natürlich nicht Cliver meinte, mit dem er sich gut verstand. In der Rolle von Dr. Menards Assistentin sieht man Ursulas Schwester Stefania D’Amario aus Enzo Milionis „Die Todesbucht.“

     

    Die Dreharbeiten begannen am 11. Juni 1979 und dauerten bis zum 6. Juli, Drehorte waren New York (ohne Genehmigung), Santo Domingo (Außenaufnahmen) und Rom (Studioszenen), das Budget lag bei 410 Millionen Lire. Fulci erhielt für seine Regiearbeit 6 Millionen Lire. Neben Kameramann Sergio Salvati, mit dem Fulci nicht zum ersten Mal arbeitete, bilden natürlich die Make-up Effekte einen wichtigen Anteil, ausgeführt von Giannetto de Rossi, mit Unterstützung von Maurizio Trani und Rosario Prestopino. Hier gab es zunächst Probleme, denn nur einer der drei Produzenten zeigte sich von De Rossis expliziter Arbeit für D‘Amatos „Emanuelle in Amerika“ begeistert, den anderen beiden – und Fulci selbst - schwebte eher ein Zombie-Makeup à la Tom Savini vor, das de Rossi jedoch als nicht erschreckend genug empfand. Er musste einige Überzeugungsarbeit leisten, bevor man ihn gewähren ließ. Für zusätzliche „Special Effects“ sorgte Fulci selbst, der während der Dreharbeiten stets ein paar Maden in den Taschen mit sich trug, die er bei Bedarf auf den Darstellern platzierte.

     

    Im Vergleich zu Lucio Fulcis folgenden Zombie-Filmen schneidet „Woodoo – Die Schreckeninsel der Zombies“ bei mir persönlich nicht ganz so gut ab, da er die Zeit nicht so gut überdauert hat. Das Tempo ist eher langsam, einige der Zombie-Szenen (beim Angriff auf die Hütte) sind zudem nicht ganz so gelungen. Nichtsdestotrotz ist er aber immer noch äußerst sehenswert und gehört zu den besten Zombie-Filmen überhaupt, nicht zuletzt wegen der Voodoo-Thematik, von der ich allerdings gern mehr gesehen hätte. Wenigstens eine Ritualszene hätte drin sein können. Ein Klassiker ist selbstredend die Musik von Giorgio Cascio (als Ugo Tucci), begleitet von Fabio Frizzi und Adriano Giordanella. In den Rollen der Zombies bekommt man gleich vier Dell’Aqua Brüder zu sehen, Alberto, Arnaldo, Ottaviano und Roberto – und natürlich den bereits 2006 verstorbenen Captain Haggerty.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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